Hamburg

Minderjährige Geflüchtete müssen nicht in Corona-Quarantäne

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Regelmäßig kommen minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aus Corona-Risikogebieten nach Hamburg. (Archivbild)

Regelmäßig kommen minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aus Corona-Risikogebieten nach Hamburg. (Archivbild)

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Behörde: Test genügt auch nach Einreise aus Risikogebieten. Weiterhin kein WLAN im Kinder- und Jugendnotdienst.

Hamburg. Der Kinder- und Jugendnotdienst (kurz KJND) an der Feuerbergstraße in Alsterdorf ist die Anlaufstelle für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Hamburg. Jetzt in Corona-Zeiten zeigt sich offensichtlich, wie schlecht die technische Ausstattung dort ist. Es gibt immer noch kein WLAN und getestet werden die Mitarbeiter dort erst seit Kurzem.

Und: Obwohl regelmäßig minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aus Corona-Risikogebieten nach Hamburg kommen, werden diese zwar auf Corona getestet – eine Quarantänepflicht besteht für sie aber nicht.

Andere Reisende müssen in eine 14-tägige Quarantäne

Während jeder andere Reisende nach Ankunft aus Corona-Risikogebieten in eine 14-tägige Quarantäne muss, gilt das für die ankommenden Flüchtlinge aus solchen Gegenden nicht.

Laut der Hamburger Corona-Verordnung müssen „Personen, die sich zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb von 14 Tagen vor Einreise nach Hamburg in einem Risikogebiet aufgehalten haben, sich nach Einreise grundsätzlich für 14 Tage in Quarantäne begeben (...). Die Meldung müssen alle Einreisenden und Rückkehrenden vornehmen – unabhängig von der Art der Einreise, per Flugzeug, Bahn oder Auto.“

Negativer PCR-Test genügt

Bei den minderjährigen Flüchtlingen genügt ein negativer PCR-Test. Alle neu ankommenden unbegleiteten, minderjährigen Ausländer werden zunächst räumlich getrennt und innerhalb von 24 bis 48 Stunden PCR-getestet. „Bei einem negativen Testergebnis gibt es keine Veranlassung, die Person weiter abzusondern“, sagt Martin Helfrich, Sprecher der zuständigen Sozialbehörde.

Corona: Diese Testverfahren gibt es

  • PCR-Test: Weist das Virus direkt nach, muss im Labor bearbeitet werden – hat die höchste Genauigkeit aller Testmethoden, ist aber auch die aufwendigste
  • PCR-Schnelltest: Vereinfachtes Verfahren, das ohne Labor auskommt – gilt als weniger zuverlässig als das Laborverfahren
  • Antigen-Test: weniger genau als PCR-(Schnell)Tests, dafür zumeist schneller und günstiger. Laut RKI muss ein positives Testergebnis durch einen PCR-Test überprüft werden, ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht aus, insbesondere, wenn die Viruskonzentration noch gering ist.
  • Antigen-Selbsttest: Die einfachste Test-Variante zum Nachweis einer Infektion mit dem Coronavirus. Wird nicht von geschultem Personal, sondern vom Getesteten selbst angewandt. Gilt als vergleichsweise ungenau.
  • Antikörper-Test: Weist keine akute, sondern eine überstandene Infektion nach – kann erst mehrere Wochen nach einer Erkrankung sinnvoll angewandt werden
  • Insgesamt stellt ein negatives Testergebnis immer eine Momentaufnahme dar und trifft keine Aussagen über die Zukunft

Zusätzlich gebe es Selbsttests, sodass noch früher eine erste Einschätzung zur Infektiosität erreicht werden könne. Die Beschäftigten an der Feuerbergstraße haben die Möglichkeit, sich kostenlos testen zu lassen.

18 Beschäftigte mit Corona infiziert

Seit Beginn der Pandemie haben sich 18 Beschäftigte infiziert, teilte die zuständige Sozialbehörde auf Abendblatt-Anfrage mit (Stand Mitte März). „Nach unseren Erkenntnissen haben sich dabei vermutlich vier im Dienst bei Kollegen oder Kolleginnen bzw. in einem Fall eventuell bei einer Betreuten angesteckt.“

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Ein WLAN für die Betreuten war bis Mitte März im Kinder- und Jugendnotdienst noch nicht erfolgt. „Grund ist die Installation eines pädagogisch tauglichen Surffilters für den privaten Zugang der Betreuten, der das Aufrufen von gefährdenden Inhalten unterbindet“, so Helfrich. Die Installation stehe kurz vor der Auftragsvergabe. Erforderliche Verbindungen für die Teilnahme am Homeschooling seien jedoch vorhanden.

Dienstbesprechung per Videokonferenz immer noch nicht möglich

Mitarbeiter beklagen, dass es auch jetzt im zweiten Jahr der Pandemie immer noch nicht möglich sei, eine Dienstbesprechung per Videokonferenzen durchführen zu können. „Es ist richtig, dass noch nicht von allen dienstlichen Endgeräten Videokonferenzen möglich sind. Die technische Modernisierung läuft aktuell.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Alternativen sind Telefonkonferenzen oder Videokonferenzen per Smartphone. Hier ist im Einzelfall die Kreativität der Beschäftigten und ihrer Vorgesetzten gefragt, um einen Weg zu einem dienstlichen Austausch auch unter den aktuellen Bedingungen zu finden“, so Helfrich.

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