Schutz vor Corona

Führender Gynäkologe: "Schwangere sollten geimpft werden"

| Lesedauer: 4 Minuten
Christoph Rybarczyk
Prof. Dr. Volker Ragosch, Gynäkologe und Perinatalmediziner an der Asklepios Klinik Altona, spricht sich für eine Corona-Impfung von Schwangeren aus.

Prof. Dr. Volker Ragosch, Gynäkologe und Perinatalmediziner an der Asklepios Klinik Altona, spricht sich für eine Corona-Impfung von Schwangeren aus.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Bislang wird die Corona-Impfung den Frauen nicht empfohlen. Asklepios-Mediziner Volker Ragosch wägt Chancen und Risiken ab.

Hamburg. Einer der führenden Gynäkologen und Perinatalmediziner Deutschlands hat sich für Corona-Impfungen von werdenden Müttern ausgesprochen. Prof. Dr. Volker Ragosch (As­klepios Klinik Altona) sagte dem Abendblatt: „Man sollte auch Schwangere impfen. Erste Studien haben gezeigt, dass es praktisch kein Risiko für sie gibt, weitere Untersuchungen laufen derzeit.“

Der Schutz der Schwangeren vor einer Covid-19-Erkrankung sei besonders wichtig. Es könne die Frauen in der ohnehin belastenden Pandemie nicht nur beruhigen, sondern verhindere auch, dass es zu einem schweren Verlauf einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus komme.

Experten befürworten Impfen von Schwangeren

Bei der Abwägung eines sehr geringen Risikos einer negativen Impffolge und einer sehr großen Wahrscheinlichkeit eines Schutzes auch für das Kind lässt Ragosch keinen anderen Schluss zu: Experten der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin befürworten das Impfen ebenfalls. Eine offizielle Empfehlung werde kommen, sagte Ragosch.

Natürlich gebe es keine Impfpflicht, und er rate zu Aufklärungsgesprächen. „Aber eine Impfung ist auch für das Kind super. Nach ersten Studienergebnissen zeigen die Frauen eine erhöhte Immunantwort.“ Eine US-Studie hatte bei mit Biontech und Moderna geimpften Frauen später Antikörper in der Nabelschnur und in der Muttermilch nachgewiesen. In den USA werden Schwangere geimpft. Eine weitere US-Studie hatte gezeigt, dass bei einer Corona-Infektion das Risiko einer Frühgeburt oder einer Fehlgeburt um 60 Prozent steige.

Schwangere nahmen Teil an Studien zum Impfstoff

Ragosch bemüht sich immer wieder, mit dem Mythos des mRNA-Impfstoffes beispielsweise von Biontech/Pfizer aufzuräumen. Das sei eben kein „Gen-Impfstoff“, wie vielfach behauptet werde. Seit Jahren sei diese Impfstoff-Bauweise bekannt und bewährt. In den ersten Studien zur Wirksamkeit des Biontech-Vakzins waren bereits Schwangere dabei.

Wie das Unternehmen Biontech aus Mainz zuletzt ankündigte, liefen gerade weitere Untersuchungen und Zulassungsstudien über die Wirksamkeit bei Schwangeren und Kindern. Dabei geht es auch um die Frage, wie lange die Immunisierung anhält, wann eine Impfung aufgefrischt werden muss. Dazu gibt es bisher keine sicheren Erkenntnisse.

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Zudem stehen die Mutanten im Fokus. In Hamburg ist die britische Variante verbreitet. Der Wirkstoff kann an die Veränderungen des Coronavirus angepasst werden.

Medizinisches Personal ist "praktisch durchgeimpft"

Ragosch sagte, in der Asklepios Klinik Altona habe er das Impfzentrum für Ärzte und Pflegekräfte mitaufgebaut. Vor allem die, die mit Covid-Patienten arbeiten, hätten ganz vorne in der Schlange gestanden. Allen sei bewusst, wie schwerwiegend eine Erkrankung verlaufen könne. Deshalb habe das Impfen höchste Priorität. Zudem werde weiterhin mit Schnelltests gearbeitet, auch wenn das medizinische Personal praktisch durchgeimpft sei. Dass Hamburg jetzt zwei Kontaktpersonen die Möglichkeit gebe, sich impfen zu lassen, nannte Ragosch „das Mindeste“, was man machen kann.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Für die Schwangeren sei es enorm wichtig, dass ihre Partner oder Familienmitglieder sie gefahrlos durch die Schwangerschaft begleiten können. Außerdem sei der Kontakt unmittelbar nach der Geburt enorm wichtig.

Corona: Schwangere fühlen sich oft einsam

Das unterstrich die Vorsitzende des Hebammenverbandes, Andrea Sturm. Sie sagte im Gespräch mit dem Abendblatt, es habe in der ersten Impfwelle sogar Schwangere gegeben, die ihre
Hebammen zum Impfen empfohlen haben – Hauptsache, die Helferinnen seien geschützt und tragen das Virus nicht weiter.

In der ersten Corona-Welle im vergangenen Frühjahr habe sich gezeigt, dass Schwangere sich oft einsam gefühlt hätten. „Und junge Mütter brauchen im Wochenbett eine enge Betreuung“, sagte Sturm.Neben dem Partner könne diese Rolle auch die Mutter oder eine Freundin übernehmen. Sturm begrüßte, dass es unbürokratisch möglich sein soll, dass Schwangere sich mit dem Mutterpass ausweisen und dann auf ihrem Formular ihre beiden Impf-Empfehlungen benennen können. Die Sozialbehörde will dazu Vordrucke auf ihrer Internetseite zur Verfügung stellen.

Ragosch erklärte im Zusammenhang mit der Impfung von Schwangeren-Kontaktpersonen in Hamburg noch einen Gedanken, der bei der priorisierten Impfung von Senioren in Alten- und Pflegeheimen zu kurz gekommen sei. Auch hier, so der Mediziner, hätte man auch die häufigen Kontaktpersonen vorziehen können, denn sie waren es zumeist, die das Coronavirus in die Einrichtungen mitgebracht hätten.

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