Bezirk Eimsbüttel

Stadtplanung: Ein neues Zentrum für Eidelstedt

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Axel Ritscher
Grünen-Fraktionschef erläutert die Pläne für Eidelstedts Mitte

Grünen-Fraktionschef erläutert die Pläne für Eidelstedts Mitte

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Billigläden und Wettbüros – im beliebten Wohnviertel herrscht Tristesse. Das soll sich ändern. Irgendwann.

Hamburg. Die grün-schwarze Koalition im Bezirk Eimsbüttel will das Eidelstedter Zentrum komplett überplanen und attraktiver machen. Die Stadtplanungsabteilung des Bezirksamtes soll dazu Ansätze entwickeln und dafür die Stadtentwicklungs- und die Verkehrsbehörde um Unterstützung bitten.

Im Zentrum der Überlegungen stehen die Verkehrsführung und die kommende Anbindung Eidelstedts an das S-Bahn-Netz sowie der Zuzug von etwa 3200 Menschen durch Wohnungsneubau. Dazu soll eine umfangreiche Bürgerbeteiligung starten. „Die Neugestaltung ist lange überfällig“, sagt Grünen-Fraktionschef Ali Mir Agha. „Um das Zentrum herum passiert sehr viel, deshalb kann in der Mitte nicht alles so bleiben, wie es ist. Der Busbahnhof war schon in den 1990er-Jahren ein Problem.“

Eidelstedt ins 21. Jahrhundert führen

Für den kleinen Koalitionspartner ergänzt Sören Ehrlich, CDU-Vorsitzender in Stellingen/Eidelstedt: „Wir wollen Eidelstedt aus den 1980er-Jahren ins 21. Jahrhundert führen. Eidelstedt soll wieder ein attraktiver Ort zum Einkaufen werden.“

In einer gemeinsamen Sitzung von Planungsausschuss und Regionalausschuss Stellingen/Eidelstedt will Grün-Schwarz versuchen, vor allem die SPD mit ins Boot zu bekommen, um die Initiative auf eine breite Basis zu stellen. Der positiven Entwicklung mit neuen Wohnungen nördlich des Bahnhofs und der kommenden Erneuerung des Bürgerhauses stünden die Leerstände im Eidelstedt-Center und die gescheiterte Belebung des Zentrums gegenüber, heißt es im Antrag der beiden Fraktionen.

Eidelstedt-Center hat nicht die erhoffte Magnetfunktion

Mit der Neueröffnung des Eidelstedt-Centers vor rund 18 Monaten sei die Hoffnung auch auf die Belebung des Ortskerns verbunden gewesen. Doch das Center habe sich zum bloßen Nahversorger entwickelt und biete nicht die erhofften Gründe für den klassischen Einkaufsbummel.

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Jetzt zeige sich, dass ohne eine Ma­gnetfunktion des Centers der Ortskern nicht von der Neueröffnung des Centers profitiere. Gastronomie sei verschwunden, und prägend für das Umfeld seien mittlerweile Wettbüros, Ein-Euro-Shops und Nischenläden.

Tägliches Verkehrschaos

Zudem sorge der Busbahnhof an der ehemaligen Wendestelle der 1978 abgeschafften Straßenbahn für ein tägliches Verkehrschaos mit Staus, weil die Verkehrsführung im Zusammenspiel mit der Pinneberger und der Holsteiner Chaussee sowie Lohkampstraße und Ekenknick nicht funktioniere. Die Führung der Fahrradwege sei „unklar und gefährlich“, Gleiches gelte für die „unattraktiven“ Fußwege.

„Das Herz des Stadtteils blockiert heute ein Parkplatz für Busse“, sagte Ehrlich. Mir Agha: „Wir erleben, dass viele junge Familien sich in den letzten Jahren ein neues Zuhause in Eidelstedt geschaffen haben. Trotzdem ist Eidelstedt im Bezirk der einzige Stadtteil mit einem negativen sozialen Trend. In den letzten Jahren sind viele Projekte gerade auch im Zentrum angeschoben worden.

Öffentlichen Raum attraktiver machen

Die Sanierung und Erweiterung des Bürgerhauses und die Bebauung der früheren Opel-Dello-Fläche sind gute Beispiele dafür. Aber wenn wir den Trend nachhaltig drehen wollen, müssen wir den öffentlichen Raum attraktiver machen.“

Nach den Vorstellungen der Politik soll der bestehende Bushaltepunkt Eidelstedter Platz zurückgebaut und zur rund 350 Meter entfernten AKN-Halte-stelle Eidelstedter Platz verlegt werden, um das Umsteigen zu erleichtern. Dort wird später auch die S-Bahn halten. Die Straßen Lohkampstraße, Pinneberger Chaussee, Ekenknick und Lohwurt sollen konfliktfreier und weniger stauträchtig geführt werden. Ekenknick und Lohkampstraße könnten perspektivisch eine Fußgängerzone bilden, ohne dass dazu schon genaue Vorschläge vorliegen.

„Es wird lange dauern, aber wir sehen dringenden Bedarf“

Die Grundeigentümer sollen in die Überlegungen einbezogen werden, sagte Mir Agha. „Es wird nicht einfach werden, das Eidelstedter Zentrum lebens- und liebenswerter zu machen. Es wird sehr lange dauern, das wissen wir“, sagte Mir Agha mit Blick auf die vielen Beteiligten und den Abstimmungsbedarf auch zwischen Senats- und Bezirksebene bzw. mit der Bahn und der Hochbahn.

„Aber wir sehen dringenden Handlungsbedarf.“ Städtebauliche Anpassungen der Gebäude sind ausdrücklich erwünscht, um die Aufenthaltsqualität im Zentrum zu erhöhen und die für Ankermieter zu kleinen Ladenflächen zu vergrößern. Es würden aber mehrere Bebauungspläne erneuert, bestätigten die Koalitionäre.

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