Pandemie

101.000 Hamburger haben vollen Corona-Impfschutz

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Peter U. Meyer, Marc Hasse, Juliane Lauterbach und Insa Gall
Die Impfkampagne hat in Hamburg an Fahrt aufgenommen. (Symbolbild)

Die Impfkampagne hat in Hamburg an Fahrt aufgenommen. (Symbolbild)

Foto: dpa

Sieben-Tage-Inzidenzwert sinkt deutlich auf 134,7. Von Ende April an können sich voraussichtlich alle über 70-Jährigen impfen lassen.

Hamburg.  Die Zahl der Hamburger mit einem Schutz gegen Corona wächst: Eine Viertelmillion Menschen in der Hansestadt sind schon einmal gegen Sars-CoV-2 geimpft worden, mehr als 101.000 Menschen haben zusätzlich eine zweite Dosis und damit den vollen Impfschutz erhalten, wie die Gesundheitsbehörde am Mittwoch mitteilte.

Das Infektionsgeschehen bleibt unterdessen angespannt. Zwar sank die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, von 149,6 am Dienstag auf 134,7 am Mittwoch. Vor einer Woche hatte der Wert 163,7 betragen.

102 Patienten wegen Corona auf Intensivstationen

Allerdings wies das Robert-Koch-Institut (RKI) darauf hin, dass über die Osterfeiertage weniger Menschen als sonst einen Arzt aufgesucht hätten, wodurch weniger Corona-Tests vorgenommen und weniger neue Corona-Fälle an die Gesundheitsämter gemeldet worden seien.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

Die Zahl der in Hamburg an oder mit dem Virus gestorbenen Menschen gab das RKI am Mittwoch unverändert mit 1398 an. In den Kliniken der Hansestadt wurden laut Gesundheitsbehörde mit Stand Mittwoch 305 Corona-Patienten behandelt, davon 102 auf Intensivstationen. Das waren 46 beziehungsweise elf mehr als am vergangenen Sonnabend, als zuletzt Zahlen gemeldet worden waren. 260 stationär betreute Corona-Patienten stammen aus Hamburg.

Impfangebot für die 75-Jährigen in der kommenden Woche

Dass das Impftempo endlich gesteigert werden kann, zeigt sich auch daran, dass immer mehr Menschen der Prioritätsgruppe zwei aufgefordert werden, sich einen Impftermin zu besorgen. Waren es vor Ostern zunächst die mindestens 78 Jahre alten Menschen, die ein Impfangebot erhielten, so kamen über die Feiertage die 77-Jährigen und in der laufenden Woche die 76 Jahre alten Männer und Frauen hinzu.

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„In der kommenden Woche werden wir die 75-Jährigen anschreiben, um ihnen ein Impfangebot zu machen“, sagt Martin Helfrich, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Wer aufgerufen sei, könne sofort einen Termin für die nächsten Tage erhalten.

Viele Impfangebote in den Messehallen

„Wenn alle Zusagen zur Impfstofflieferung eingehalten werden, dann können wir vermutlich Ende April alle Menschen der Prioritätsgruppe zwei ansprechen“, sagte Helfrich. Das bedeutet unter anderem, dass sich dann alle Frauen und Männer, die mindestens 70 Jahre alt sind, impfen lassen können.

Derzeit stehen im Impfzentrum in den Messehallen viele Impfangebote zur Verfügung – für all diejenigen, die gegenwärtig einen Anspruch auf eine Impfung haben. Wie leicht Termine zu buchen sind, zeigt ein Selbstversuch am gestrigen Mittwoch. Um 10.15 Uhr wurden zwei Termine angezeigt: am Montag, 12. April, um 8.30 Uhr und am Donnerstag, 15. April, um 11 Uhr.

Manche versuchen einen Impftermin zu ergattern, obwohl sie noch nicht berechtigt sind

Zwei Stunden später gab es sogar drei Termine zur Auswahl: Bereits am heutigen Donnerstag um 8.45 Uhr, am Montag, 12. April, um 18.45 Uhr und am Sonntag, 18. April, um 9.30 Uhr. Auch beim dritten Versuch um 14.15 Uhr wurde ein Termin am heutigen Donnerstag um 17 Uhr angezeigt sowie ein zweiter am Sonntag, 18. April, um 9.30 Uhr.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Laut Helfrich wird immer wieder beobachtet, dass Menschen einen Impftermin zu ergattern versuchen, obwohl sie noch nicht dazu berechtigt sind. Auch die Abendblatt-Redaktion erreichen solche Fälle. So hat eine 70 Jahre alte Frau einen Impftermin über die Telefonnummer 116 117 erhalten, ihr 71 Jahre alter Mann jedoch nicht.

Schnelltest-Termine an einigen Standorten oft über Tage ausgebucht

„Die Frau hätte keinen Termin erhalten dürfen. Das ist ein ärgerlicher Fehler. Sie wird aber im Impfzentrum abgewiesen werden“, sagte Helfrich. „Ich bitte weiterhin um Solidarität und Geduld, was die Vergabe der Impftermine angeht!“

Unterdessen sind die Schnelltest-Termine an einigen Standorten oft über Tage ausgebucht, während Hamburgerinnen und Hamburger anderswo die freie Auswahl haben. Besonders im Innenstadtbereich gibt es nach Abendblatt-Recherche eine Reihe von Testzentren, bei denen es kein Problem ist, auch sehr kurzfristig noch Termine zu bekommen, etwa am Corona Test Center im Streit’s an der Poststraße oder im Zentrum an der Großen Bäckerstraße.

Die Lage ist entscheidend

In Hamburgs Wohnvierteln – etwa in der Vita Apotheke am Heußweg oder beim ETV an der Bundesstraße – muss man oft tagelang warten, bis endlich wieder ein freier Slot verfügbar ist. Dass die Lage dafür entscheidend ist, wie hoch die Nachfrage ist, hat sich auch in Harburg gezeigt. Dort hatten die Johanniter Mitte März in der Dreifaltigkeitskirche eine Schnellteststation eröffnet und wenig später mangels Nachfrage wieder geschlossen.

„Wir waren sehr davon überrascht, dass es nicht so gut angenommen wurde“, sagt Michael Weber, Regionalvorstand der Johanniter. „Insbesondere, weil es zu der Zeit hieß, dass in Harburg dringend jemand aktiv werden muss, weil es noch kein Zentrum gab.“

Schulen haben die Kapazitäten der Schnell-Selbsttests deutlich ausgeweitet

Parallel zu Harburg hatten die Johanniter ein Zentrum direkt am Wandsbeker Markt eröffnet. Dort erlebten sie das Gegenteil. „Wir wurden geradezu überrannt“, so Weber. „Schließlich haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, das Zentrum in Harburg zu schließen und dafür in Wandsbek aufzustocken.“

So funktioniert das Hamburger Corona-Impfzentrum:

Im Video: So funktioniert das Hamburger Corona-Impfzentrum

Nach Ansicht der Gesundheitsbehörde werden die rund 150 Schnelltestzentren flächendeckend „sehr gut angenommen“. „Die Auslastung liegt nach unserer Einschätzung in der Spanne zwischen 60 und 100 Prozent“, so Sprecher Helfrich. Die Schulen haben die Kapazitäten der Schnell-Selbsttests für Schüler und Schulbeschäftigte deutlich ausgeweitet.

20 Hamburger Kitas sind derzeit wegen Corona geschlossen

Die Auslastung der Kitas, die statt eines eingeschränkten Regelbetriebs wie zuletzt nun nur noch eine erweiterte Notbetreuung anbieten, lag am Dienstag im Schnitt bei rund 39 Prozent. Damit seien mindestens 30.900 von 78.500 Kita-Kindern betreut worden, teilte die Gesundheitsbehörde mit.

Bei knapp sechs Prozent der Kitas habe die Auslastung bei mehr als zwei Dritteln gelegen, bei 80 Prozent der Kitas unter der Hälfte. Zum Vergleich: In der zweiten Märzhälfte lag die Kita-Auslastung zwischen 63 und 71,5 Prozent. 20 Hamburger Kitas sind derzeit wegen Corona und auf Anordnung eines Gesundheitsamtes geschlossen, so die Behörde. Heute soll in den ersten von insgesamt 16 Hamburger Kitas ein Modellversuch mit freiwilligen Corona-Schnelltests bei Kindern beginnen, begleitet durch Kinderärzte.

Die AHAL-Regeln gegen Corona: So verringern sie das Ansteckungsrisiko

  • Abstand halten: Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Hygiene: Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund, waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife und achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Im Alltag Maske tragen: Auch wo die (erweiterte) Maskenpflicht nicht gilt, ist es empfehlenswert, sich und andere vor Ansteckung zu schützen. FFP2-Masken oder OP-Masken bieten Schutz vor Ansteckung
  • Lüften: Wenn Sie sich mit anderen Personen in einem Raum aufhalten, lüften Sie regelmäßig, um das Risiko einer erhöhten Viruskonzentration in der Raumluft zu verringen
  • Außerdem: Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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