Literatur

Grundschüler lesen sich mit Millionen Seiten nach Prag

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dpa
Eine Illustration für das Projekt "Lesebrücke" stellt Teile der Städtelandschaften von Prag und Hamburg dar.

Eine Illustration für das Projekt "Lesebrücke" stellt Teile der Städtelandschaften von Prag und Hamburg dar.

Foto: dpa

Jede gelesene Seite hat viele Hamburger Grundschüler in den vergangenen Wochen näher zu Prag gebracht. Die Mädchen und Jungen haben beim Projekt "Lesebrücke" mitgemacht - und mit ihrem Erfolg selbst Kinderbuchautorin Kirsten Boie überrascht.

Hamburg/Prag. Seite für Seite haben sich Kinder aus Hamburg und Prag in der Corona-Krise in den vergangenen Monaten auf eine Lesereise begeben und die knapp 500 Kilometer Entfernung lesend zurückgelegt. Dafür haben die Mädchen und Jungen zusammen etwa drei Millionen Seiten gelesen. "Das ist jetzt überraschend schnell gegangen", sagte Projektleiterin Maren Töbermann der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Vor Beginn der Aktion wurde gerechnet: Sechs Bücherseiten ergeben etwa einen Meter, für einen Kilometer mussten also 6000 Seiten gelesen werden und für die Strecke Hamburg - Prag eben etwa 3 Millionen Seiten.

Anlass für die Aktion war die seit 30 Jahren bestehende Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Prag, die 2020 begangen wurde. Das im November gestartete Projekt sollte zudem niedrigschwellig Lust aufs Lesen machen und so die Lesekompetenz bei den sechs- bis elfjährigen auf spielerische Weise fördern. "Ganz viele Lehrer haben uns gesagt, dass die Lesebrücke eine unglaublich tolle Motivation für die Schüler war", sagte Töbermann.

Auch Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie, die schon seit Jahren das Lesen bei Kindern aktiv fördert, ist begeistert von der Lesebrücke. "Vor allem in der Zeit des Homeschooling war die Lesebrücke für die Kinder an 30 Hamburger und Prager Schulen noch mal ein wunderbarer Anreiz zum Lesen", sagte Schriftstellerin Kirsten Boie der Deutschen Presse-Agentur. "Niemand - ich am allerwenigsten - hätte geahnt, dass die beteiligten Kinder tatsächlich die gesamte Strecke zwischen den Städten in so kurzer Zeit erlesen würden."

Komplett beendet ist die Lesebrücke mit dem virtuellen Brückenschlag beider Seiten nicht. "Wir wollen nun zumindest noch über Ostern mal schauen, welche europäischen Metropolen wir hätten verbinden können", sagte die Projektleiterin. Die Lesebrücke ist ein Projekt unter anderem der Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg, der Senatskanzlei und der Schulbehörde. Für die Zukunft kann sich Töbermann weitere Lesebrücken vorstellen. "Shanghai, St. Petersburg und Chicago sind ja auch Partnerstädte Hamburgs. Da bräuchten wir dann auch die älteren Schüler."

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( dpa )