Corona-Krise

Hamburger Traditionshotel entlässt Mitarbeiter – Prozess

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Bettina Mittelacher

Foto: IMAGO / Lars Berg

Baseler Hof spricht Kündigungen aus. Ein 38 Jahre alter Beschäftigter wollte sich das nicht gefallen und zog vor Gericht. Das Ergebnis.

Hamburg. Unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben einzelne Branchen besonders zu leiden: Reiseunternehmen zum Beispiel, Kulturschaffende, die Gastronomie – und das Hotelgewerbe.

Auch ein renommiertes Traditionshaus wie das Vier-Sterne-Hotel Baseler Hof mit bester Adresse an der Esplanade bekommt die Beschränkungen, die im Lockdown herrschen, deutlich zu spüren: Es dürfen kaum Gäste kommen, aber die hohen Fixkosten bleiben. „Das ist die größte Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs“, sagt Prokurist Sven Oliver Schmidt. Um eine Verkleinerung des Personalstandes komme man nicht mehr herum.

Gekündigter Mitarbeiter verlangt Abfindung

Jetzt hat das Hotel zwei betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. Das allerdings wollte einer der betroffenen Mitarbeiter, Restaurantfachmann René Biebricher, nicht hinnehmen. Der 38-Jährige zog vor das Arbeitsgericht.

Am 18. Januar dieses Jahres hat der Hamburger seine Kündigung erhalten, wirksam werden sollte sie zum 31. Mai. Seit dem Sommer 2012 war Biebricher als Restaurantfachmann in unterschiedlichen Bereichen des Baseler Hofs tätig gewesen, unter anderem als Keller und Barkeeper, bis 2102 hat er dort seine Ausbildung absolviert.

Er hat gegen seine Kündigung geklagt, unter anderem mit dem Argument, dass er nicht nur in einem sehr beschränkten Bereich einsetzbar sei, sondern unterschiedliche Tätigkeiten übernehmen könne. „Der Arbeitsvertrag ist betriebsübergreifend.“

Kündigung in der Corona-Krise: Einigung in der Pause

„Gibt es Ideen für eine gütliche Einigung?“, fragt der Richter im Prozess vor dem Arbeitsgericht. Sein Mandant könne sich vorstellen, einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum 31. Mai zuzustimmen, teilt Biebrichers Anwalt Lennart Melbye mit. Der Vorschlag des Klägers: Er bekommt eine Abfindung in Höhe von 16.000 Euro. Das sei zu viel, entgegnet der Prokurist vom Baseler Hof.

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Doch während einer Pause einigen sich die streitenden Parteien doch auf einen Betrag. Das Ergebnis des Vergleichs, von dem beide Parteien noch zurücktreten können: Biebrichers Arbeitsverhältnis endet zum 31. Mai, er wird sofort freigestellt, erhält 8000 Euro Abfindung.

Hotel Baseler Hof: Zehn Zimmer belegt - statt 169

„Ein Jahr ist zu Ende gegangen mit großen Verlusten, wo vorher Gewinn stand“, sagt Sven Oliver Schmidt vom Baseler Hof. Sein Haus sei „personalintensiv. Wir verwöhnen unsere Gäste gern.“ Doch wegen der Corona-Beschränkungen dürften ja nur Geschäftsreisende in den Hotels unterkommen. „Wir haben zehn Zimmer belegt statt 169.“ Man habe lange versucht, ohne aktive Kündigungen auszukommen. Aber Kurzarbeitergeld und die November- und Dezemberhilfen brächten das Haus nicht aus der Verlustzone. „Wir stehen derzeit mit dem Rücken zur Wand.“

Kläger Biebricher findet den Vergleich „durchaus akzeptabel“. Er habe vorher gesagt, dass er einen Champagner trinken werde, wenn bei dem Termin ein sehr gutes Ergebnis erzielt werde, und ein Bier, wenn es für ihn als herbe Enttäuschung ende. „Jetzt habe ich den Crémant-Moment.“ Er wolle sich jetzt beruflich vom Hotelgewerbe weg und Richtung Einzelhandel bewegen, „am liebsten zum Weineinzelhandel“. Der habe in Zeiten der Pandemie eher Zuwächse.

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