Berne

So finanzieren Wohnquartiere ein neues Stadtteilzentrum

| Lesedauer: 5 Minuten
Axel Ritscher
Die denkmalgeschützte Schule Lienaustraße – hier Kinder und Eltern nach der Einschulung – soll zum Kulturzentrum umgebaut werden.

Die denkmalgeschützte Schule Lienaustraße – hier Kinder und Eltern nach der Einschulung – soll zum Kulturzentrum umgebaut werden.

Foto: Michael Rauhe

Das Konzept zum Umbau des Kulturzentrums Berne sieht auch 262 Wohnungen vor. Dafür verschwinden zwei Sportplätze und Grünflächen.

Hamburg. Für den Umbau der denkmalgeschützten Schule Lienaustraße zum Kultur- und Bildungszen­trum Berne (KuBiZ) will die Stadt offenbar drei große Grundstücke an Wohnungsbauer verkaufen und entwickeln. Das soll die Finanzierung des auf gut 17 Millionen Euro taxierten Gesamtprojekts sichern. Dafür werden zwei Sportplätze aufgegeben. Das ergab eine Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Sandro Kappe an den Hamburger Senat.

„Das ist ein Unding“, sagt Kappe. „Gerade Sportplätze werden in Stadtteilen mit Zuzug dringend gebraucht. Die soziale Infrastruktur besonders in Farmsen und Bramfeld kann jetzt schon kaum mit der Entwicklung Schritt halten.“

Neue Sporthalle für Hamburg

Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) widerspricht: „Wir haben auch aus der Sicht des Sports ein Gesamtpaket geschnürt, das drei Quartiere in Berne, Bramfeld und Jenfeld deutlich stärkt. Es entstehen 255 Wohnungen, eine Sporthalle wird saniert, eine weitere neu gebaut, dazukommen ein Kleinfeld und ein Kunstrasenplatz. Wer will denn heute noch auf Grandplätzen wie in Tonndorf oder Am Stühm Süd spielen?“

Die Senatsantwort auf Kappes Anfrage hat ergeben, dass ein Sportplatz des TuS Berne an der Straße am Stühm Süd (Bramfeld) sowie das Gelände des SV Tonndorf-Lohe am Küperstieg/Tonndorfer Hauptstraße komplett überbaut werden sollen. Rund um die Schule Lienaustraße selbst sind schon 13.052 grüne Quadratmeter für Wohnungsbau reserviert worden. Der private Projektentwickler Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH (steg) ist mit den Vorplanungen für einen neuen Bebauungsplan beauftragt. 54 Wohnungen sollen entstehen.

SV Tonndorf-Lohe fordert neues Vereinshaus

Am Stühm Süd sind laut Senat insgesamt 18.299 Quadratmeter, am Tonndorfer Küperstieg 15.024 Quadratmeter Vereinsgelände für Wohnungsbau vorgesehen und bereits überplant. Die steg hat Bauvoranfragen eingereicht. Die Pläne des Büros Renner, Hainke, Wirth, Zirn, Architekten sehen 94 (Tonndorf) und 114 Wohnungen (Stühm Süd) vor. Am Stühm Süd bespielen allerdings der TuS Berne und der TSC Wellingsbüttel noch einen ramponierten Grandplatz, am Küperstieg residiert derzeit der SV Tonndorf-Lohe.

Er soll vom Küperstieg an die Jenfelder Grunewaldstraße umziehen und ist auch grundsätzlich bereit dazu. Aber: „Wenn uns die Stadt dort nur einen Kunstrasenplatz, aber kein neues Vereinshaus bauen will, haben wir ein Pro­blem“, sagt der Vereinsvorsitzende Thorsten Kittendorf.

„Wir werden alles für einen nahtlosen Übergang tun.“

Der Verein sitze zwar auf städtischem Pachtland und spiele nach wie vor nur auf Grand statt auf Kunstrasen – er müsse aber nicht gehen. „Wir haben Bestandsschutz.“ Dressel sicherte zu, dass das Vereinsheim finanziert werde. „Für den Kunstrasenplatz und Clubhaus stehen 1,8 Millionen Euro bereit. Wir werden alles für einen nahtlosen Übergang tun.“

Lesen Sie auch:

Der TuS Berne dagegen trauert dem Sportplatz Am Stühm Süd nicht hinterher. Der Grandplatz sei nicht nur dringend sanierungsbedürftig, sondern wegen der lärmempfindlichen Nachbarn ohnehin nur sehr eingeschränkt nutzbar, sagt der Vereinsvorsitzende Hajo Pütjer. Für ihn sei die Entwicklung am KuBiZ „ein Glücksfall“.

TuS Berne könnte „auch noch zweiten Sportplatz“ belegen

Das liegt unter anderem daran, dass der TuS Berne sein altes Vereinshaus gegen eine neue Geschäftsstelle im Erdgeschoss der ehemaligen Schule Lienaustraße tauschen und auf seinem Gelände an der Berner Allee ein neues Kleinspielfeld mit Kunstrasen, ein Beachvolleyballfeld, ein neues Materiallager und eine Doppelstockhalle realisieren kann. Außerdem wird im Zuge der rund zehn Millionen Euro teuren Sanierung der von Fritz Schumacher gebauten Schule an der Lienaustraße auch die alte Sporthalle renoviert, sodass der TuS Berne sie weiter nutzen kann.

„Wir könnten sogar noch einen weiteren Sportplatz belegen“, sagte Pütjer. „Wir platzen aus allen Nähten.“ 5,3 Millionen städtische Euros fließen in das neue Sportzentrum Berne. Hinzukommt ein nicht bezifferter Eigenanteil des Vereins.

Kämpferische Berner setzten Erhalt von Schulgebäude durch

Die Genossenschaft fux eG wird als Bauherr das Berner Stadtteilzentrum vorantreiben. Derzeit laufen Verhandlungen über einen Erbpachtvertrag mit der Stadt. Der TuS Berne und der Verein KuBiZ sollen die Räume in der Schule belegen, das Know-how der fux eG, die in Altona mit Erfolg die Viktoria-Kaserne für stadtteilbezogene Nutzer umgekrempelt hat, für einen wirtschaftlichen Betrieb und bezahlbare Mieten in der Ex-Schule sorgen. Die Kita an der Lienaustraße soll bleiben und in das Konzept integriert werden.

2016 hatte die Schließung der Schule Lienaustraße für Unverständnis gesorgt und heftige Proteste im Stadtteil ausgelöst. Das denkmalgeschützte Schulgebäude drohte zu verwahrlosen und letztlich der Abrissbirne zum Opfer zu fallen. Das war zu viel für die Berner, die in der benachbarten Gartenstadt seit Jahren schon einen erbitterten Kampf um den Erhalt ihrer eigenen Häuschen geschlagen hatten und ihrem Vorstand ein klares Bekenntnis zum Denkmalschutz des Gesamt-Ensembles abringen wollten. Am Ende setzten sie mit ihren Demos den Erhalt und die Umnutzung der Schumacher-Schule durch.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg