Großbaustelle

Neues Congress Center Hamburg wird noch später fertig

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Ulrich Gaßdorf
Der Platz vor dem CCH sieht bereits einladend aus, im Gebäude werkeln noch die Bauarbeiter.

Der Platz vor dem CCH sieht bereits einladend aus, im Gebäude werkeln noch die Bauarbeiter.

Foto: Roland Magunia

Die für 2019 geplante Wiedereröffnung lässt auf sich warten – und teurer wird es auch. Senat will Baufirmen verklagen.

Hamburg.  Eigentlich hätte das Congress Center Hamburg (CCH) im Sommer 2019 wiedereröffnet werden sollen. Doch daraus wurde nichts. Immer wieder kam es zu Verzögerungen auf der Großbaustelle, und das Prestigeprojekt wurde immer teurer. Bereits Ende März vergangenen Jahres hatte Projektleiter Hellmut Körner bei einem Ortstermin mit dem Abendblatt angekündigt, dass man auf der Zielgeraden sei.

Doch auch ein Jahr danach ist das Kongresszentrum immer noch eine Baustelle. Die Container der vielen an dem Großbauvorhaben beteiligten Firmen stehen noch immer auf dem Areal, das nach wie vor von einem Zaun umgeben ist. Vor dem Haupteingang ist noch ein Gerüst zu sehen, und auch das Geländer auf dem Balkon wurde noch nicht angebracht.

Schuld an der Verzögerung soll jetzt Corona sein

Im Inneren wird ebenfalls noch gewerkelt. Die Übergabe an die Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC) werde Ende Dezember 2020 erfolgen, hatte Körner im Oktober vergangenen Jahres bei einem weiteren Ortstermin angekündigt. Doch auch daraus wurde nichts. Vor Kurzem befasste sich mal wieder der Haushaltsausschuss der Bürgerschaft mit diesem brisanten Thema, und aus dem Protokoll dieser Sitzung – es liegt dem Abendblatt vor – geht hervor, wie dramatisch die Lage ist.

Schuld soll jetzt Corona sein. In dem Protokoll heißt es: Die Senatsvertreter berichteten, die zweite Corona-Welle habe auch dieses Projekt erheblich betroffen. Durch Erkrankungen und Quarantäneverordnungen seien in den vergangenen Monaten und aktuell diverse Ausfälle zu verzeichnen.

Erneute Verzögerung der Maßnahme sei schwer einzugrenzen

Das Ziel der Fertigstellung der Baumaßnahmen bis zum Jahreswechsel 2020/2021 habe so nicht erreicht werden können. Man habe nur unter Schwierigkeiten überhaupt neue Zeitpläne aufstellen können. Und aus dem Protokoll geht auch hervor, was denn jetzt auf der langen „Zielgeraden“ noch ansteht: Arbeiten wie zum Beispiel das Verlegen von Teppichen und das Schließen von Deckenlöchern seien noch zu erledigen.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Dass die Projektverantwortlichen bei der Stadt offensichtlich selber nicht mehr einschätzen können, wann das Endlosbauvorhaben fertig wird, ist dem Protokoll ebenfalls zu entnehmen: Die erneute Verzögerung der Maßnahme sei schwer einzugrenzen.

Offensichtlich wird es noch einmal teurer

Ende des ersten, Anfang des zweiten Quartals 2021 sollten die reinen Bauleistungen abgeschlossen sein. Dann seien die Abnahmen durchzuführen. Und auch diese Formulierung ist wenig konkret: Ziel sei, im Sommer das Haus wieder zu bespielen, sofern das unter Pandemiebedingungen möglich sei.

Und es wird offensichtlich noch einmal teurer: Ursprünglich waren für den Umbau des in den 70er-Jahren eröffneten CCH 194 Millionen Euro veranschlagt worden. Dann gab es eine Kostensteigerung auf 230 Millionen Euro. Das Abendblatt berichtete bereits im Oktober 2020, dass vielleicht noch eine weitere Finanzspritze in Anspruch genommen werden muss.

25-Millionen-Euro-Kredit wird in Anspruch genommen

Aus einer Drucksache ging hervor: „Um die erforderliche kurzfristige Anordnung von Maßnahmen zur Umsetzung des neuen Zeit- und Inbetriebnahmeplans zu ermöglichen, hat die CCHI GmbH (Anm. d. Red.: Betreibergesellschaft im Eigentum der Stadt) deshalb nach Gesellschafterbeschluss einen Darlehensvertrag über einen Kontokorrentvertrag bis zu maximal 25 Millionen Euro abgeschlossen.“ Die Stadt bürgt dafür.

Dieser 25-Millionen-Euro-Kredit wird nun tatsächlich in Anspruch genommen: „Die Liquiditätshilfe muss deshalb aufgrund der coronabedingten Verzögerungen jetzt eingesetzt werden, um den Bau ohne Stillstand trotz der großen Probleme durch die Pandemie so zügig wie möglich fertigzustellen und damit weitere zusätzliche Kosten zu vermeiden“, sagte Projektleiter Körner dem Abendblatt.

Stadt fordert Schadenersatz in zweistelliger Millionenhöhe

Aber es könnte auch wieder Geld hereinkommen: Nach Abendblatt-Informationen bereitet die Stadt Klagen gegen an dem Bau beteiligte Firmen vor. Damit verbunden sind auch Schadensersatzforderungen in zweistelliger Millionenhöhe. Aber bevor etwaige Klagen eingereicht werden, soll erst das CCH fertiggestellt sein.

Deutliche Kritik kommt von dem CDU-Haushaltsexperten Thilo Kleibauer. „Ursprünglich sollte das CCH bereits vor zwei Jahren fertig sein, nun gibt es immer noch keine Terminklarheit. Dieses Projekt ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Inzwischen ist bei vielen großen Bauvorhaben das von Rot-Grün versprochene kostenstabile Bauen nicht mal ansatzweise erkennbar.“ Kleinbauer fordert. „Jetzt muss transparent dargelegt werden, welche Mehrkosten durch die zusätzliche Bauzeitverlängerung entstehen.“

CCH soll nach der Wiederöffnung über rund 50 Säle und Besprechungsräume verfügen

Die rot-grüne Koalition dürfte über die Problembaustelle wenig begeistert sein. Die läuft schon seit Jahren alles andere als glatt, aber jetzt ist die Pandemie schuld: „Corona hat sich massiv auch auf den Umbau des CCH und die Übergabe an die HMC ausgewirkt. Wir haben das genau im Auge.

Ziel muss es sein, Verzögerungen zu vermeiden, damit keine weiteren Kosten entstehen“, sagte Milan Pein, Fachsprecher für Haushalt der SPD. Für Grünen-Haushaltsexperte Dennis Paustian-Döscher steht fest: „Im Haushaltsausschuss ist deutlich geworden, dass die aktuellen Verzögerungen der Corona-Krise zuzurechnen sind.

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Wir Grüne sind immer daran interessiert, dass der Grundsatz des kostenstabilen Bauens gerade für Großprojekte eingehalten und weiterentwickelt wird. Leider können solche guten und bewährten Systeme die Auswirkungen einer Pandemie dieser Tragweite nicht verhindern.“

Nach der Fertigstellung soll das CCH eines der modernsten Kongresszentren in Europa sein und das Tagungsgeschäft weiter ankurbeln. Das CCH besteht aus drei Gebäudeteilen, die durch den gläsernen Gang „Belvedere“ verbunden werden. Vom neu erbauten Ostteil gelangen die Besucher in den sanierten Mittelteil und danach in den 2007 eröffneten Westteil. Das CCH soll nach der Wiederöffnung über rund 50 Säle und Besprechungsräume mit Platz für insgesamt 12.000 Menschen verfügen.

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