Prozess

Fünf Brandstiftungen in Schnelsen? Angeklagter schweigt

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Bettina Mittelacher
Vor dem Landgericht Hamburg hat am Montag ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Brandstifter begonnen (Symbolbild).

Vor dem Landgericht Hamburg hat am Montag ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Brandstifter begonnen (Symbolbild).

Foto: picture alliance / xim.gs | xim.gs

Brennende Autos und Müllcontainern in Flammen. Nach einer Brandserie im vergangenen Herbst steht jetzt ein 41-Jähriger vor Gericht.

Hamburg. Ein Brandstifter geht um. Und er hat einen besonderen Bezug zum Stadtteil Schnelsen. Diese Überlegungen drängten sich geradezu auf, als es im vergangenen Herbst immer wieder in einem örtlich eng begrenzten Radius zu Feuern kam. Autos standen in Flammen, Müllcontainer brannten. Es loderte immer wieder — bis der Polizei schließlich ein Mann in Netz ging.

Ist dieser Festgenommene verantwortlich für insgesamt fünf Feuer, bei denen unter anderem mehrere Autos schwer beschädigt wurden? Vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts muss sich seit Montag der Angeklagte Michael K. wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung verantworten. Der 41-Jährige, ein schmaler, verschüchtert wirkender Mann im grauen Sportdress, möchte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Mehrere Brandstiftungen in wenigen Wochen

Im Einzelnen wird Michael K. vorgeworfen, am Abend des 5. September vergangenen Jahres an der Holsteiner Chaussee einen VW Polo in Brand gesetzt zu haben. Dabei sei der Motorblock des Wagens vollständig ausgebrannt und ein daneben parkender PKW durch das Feuer beschädigt worden, heißt es in der Anklage. Später brannten drei Altpapiercontainer. In der Nacht zum 4. Oktober 2020 soll der Angeklagte einen Müllcontainer in einem hölzernen Unterstand angezündet haben. Das Feuer breitete sich rasch aus und drohte, auf ein angrenzendes und zu diesem Zeitpunkt leerstehendes Geschäftsgebäude überzuspringen.

Nur der Einsatz der Feuerwehr habe Schlimmeres verhindern können, so die Ermittlungen. Nur zwölf Tage später soll Michael K. an einer Schnelsener Wohnstraße an einem VW Passat Feuer gelegt haben. Dadurch sei ein Sachschaden in Höhe von 15.000 Euro entstanden. Und gerade mal einen weiteren Tag darauf zündete der 41-Jährige laut Anklage einen Mercedes Benz an, der vollständig ausbrannte.

Staatsanwalt: Bewährungsstrafe kommt „auf keinen Fall“ in Betracht

Der Verteidiger von Michael K. regte zum Auftakt des Prozesses ein Rechtsgespräch unter den Berufsjuristen an. Wie der Vorsitzende Richter im Anschluss an dieses Gespräch mitteilte, sehe die Kammer auch weiterhin einen „dringenden Tatverdacht“ bei dem Angeklagten. Und eine mögliche Bewährungsstrafe, wie sie laut Verteidigung denkbar sei, komme wiederum aus Sicht der Staatsanwaltschaft „auf keinen Fall“ in Betracht, geschweige.

Der Anwalt indes scheint Zweifel an der Beweislage zu haben. Zudem sei es „merkwürdig“, dass die Polizei eines Tages plötzlich bei seinem Mandanten vor der Tür gestanden habe, argumentierte er demnach. Dazu sagte der Vorsitzende, dass es ja schließlich innerhalb weniger Wochen in Schnelsen öfter gebrannt habe. „Da ist es nachvollziehbar, dass die Polizei in der Region häufiger Streife fährt.“

Angeklagter erhielt schon einmal eine Strafe wegen Brandstiftung

Der Angeklagte ist bereits wegen ähnlicher Delikte schon mit der Justiz in Konflikt geraten. Im Jahr 2008 erhielt er eine Bewährungsstrafe von neun Monaten unter anderem wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung. Im Prozess vor dem Landgericht ist ein psychiatrischer Sachverständiger zugegen. Bislang sind acht Verhandlungstage bis Mitte April vorgesehen. Am kommenden Donnerstag wird als Zeuge ein ermittelnder Kriminalbeamter erwartet.

Laut Polizei sind im vergangenen Jahr im gesamten Hamburger Stadtgebiet insgesamt 99 vorsätzliche Brandstiftungen an PKW registriert worden. In diesem Jahr wurden allein bis Mitte März insgesamt 20 entsprechende Straftaten festgestellt.

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