Tag der Kriminalitätsopfer

Hasskriminalität im Netz – heute Gottesdienst in St. Jacobi

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Heute um 18 Uhr findet in St. Jacobi ein Gottesdienst zur Hasskriminalität statt (Symbolbild).

Heute um 18 Uhr findet in St. Jacobi ein Gottesdienst zur Hasskriminalität statt (Symbolbild).

Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Joko | Bildagentur-online/Joko

Weißer Ring will mit der Kirche ein Zeichen gegen Hetze und Hass im Internet setzen. Besuch des Gottesdienstes auch digital möglich.

Hamburg. Hass schafft Opfer. Er beleidigt Menschen, bedroht sie, verletzt sie. Erst auf den zweiten Blick sichtbar sei die schleichende Gefahr für die Gesellschaft, die vom Hass ausgeht. Denn der Hass greife die Säulen der Demokratie an. Darauf möchte die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“, hinweisen. Schon jetzt belegten Studien, dass die zunehmenden Beleidigungen und Bedrohungen im Netz die Meinungsfreiheit beschädigen, so der „Weiße Ring“.

Gottesdienst gegen Hass und Hetze mit Finanzsenator Dressel

„Wer sich gegen Hass und Hetze stellt, betreibt aktiven Opferschutz“, sagt Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“. „Er beschützt Menschen – und er beschützt gleichzeitig die Demokratie, die nach wie vor beste, sicherste und freiste Staatsform, die wir je hatten.“ Mit dem 30. „Tag der Kriminalitätsopfer“ am heutigen 22. März möchte der Weiße Ring eine breite Öffentlichkeit dafür sensibilisieren.

So laden in Hamburg Bischöfin Kirsten Fehrs und die Stellvertretende Landesvorsitzende des Weißen Rings, Kristina Erichsen-Kruse, für 18 Uhr in der Hauptkirche St. Jacobi zu einem — wegen der Corona-Pandemie überwiegend digitalen — Gottesdienst ein. Mitwirkende sind unter anderem Finanzsenator Andreas Dressel, Kantor Gerhard Löffler und die Sopranistin Pia Davila sowie Erichsen-Kruse.

Begrenzte Sitzplätze und digitale Teilnahme

Dieser ganz besondere Gottesdienst diene als Zeichen der Solidarität mit Betroffenen und deren Angehörigen und solle dabei unterstützen, einen Weg aus der verstärkt wahrzunehmenden Gewaltspirale aus Hass und Hetze zu finden, hieß es. Wegen der aktuell erforderlichen Hygienemaßnahmen sind die Sitzplätze begrenzt und eine Anmeldung ist unter lbhamburg@weisser-ring.de oder 040 – 2517680 notwendig. Zuschalten können sich Interessierte unter dem Link https://m.youtube.com/channel/UC-b7btVeIrjzd75JNAIN8DA

„Gemeinsam gegen Hass, Hetze und Gewalt – so lautet in diesem Jahr der Titel unseres Gottesdienstes zum Tag der Kriminalitätsopfer“, sagt Kristina-Erichsen Kruse. „Zu Recht gewinnen wir den Eindruck, dass sich Hass und Hetze den Weg in unseren Alltag suchen: hemmungslos, aggressiv, abwertend.“ Menschenverachtung zeige sich in vielen Facetten und mache sich fest an Hautfarbe, Herkunft, Sexualität, Geschlecht, Religion oder auch einfach nur am vermeintlich Anderssein.

Dressel: Hasskriminalität noch effektiver bekämpfen

„Anonymes Geifern im Internet bleibt scheinbar ohne Konsequenzen“, so Erichsen-Kruse. Opfer von Hetze und Hass seien „wir alle. Denn: Eine Gesellschaft, in der sich Hass und Hetze ungehindert ausbreiten können, läuft Gefahr, blockiert und ihrer Kreativität und Lebendigkeit beraubt nur reaktiv zu sein“. Deshalb sei heute mehr denn je ein „Wir gemeinsam“ gefordert. „Wir signalisieren deutlich: Mit uns nicht – wir stehen gemeinsam gegen Hass und Hetze und Gewalt.“

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Senator Dressel betont, es dürfe nicht hingenommen werden, „dass vor Hass triefende Hetzreden zu Gewalt führen. Weder im Internet, noch in der analogen Welt. Die Menschen, die gezielt gegen andere hetzen, dürfen nicht anonym bleiben. Der Rechtsstaat, die Demokratie, sie müssen wehrhaft sein. Hamburg stellt sich entschieden gegen Hass im Netz, Hetzpropaganda, Fake News und Verschwörungstheorien. Wir haben uns das Ziel gesetzt, Hasskriminalität noch effektiver zu bekämpfen – gemeinsam mit Polizei und Justiz, gemeinsam mit einer starken Zivilgesellschaft.“

Die meisten Fälle von Hass und Hetze im Netz nicht erfasst

„Wir müssen uns einer Verrohung der Gesellschaft gemeinsam entgegenstellen“, fordert auch der Vorsitzende des Weißen Rings, Ziercke. Der Hass im Internet richte sich oft gegen Minderheiten, zum Beispiel gegen Menschen mit Migrationshintergrund, Homosexuelle oder Behinderte. Aber auch Frauen seien Hass und digitaler Gewalt ausgesetzt, heißt es beim „Weißen Ring“. So hätten bei einer Umfrage des Kinderhilfswerk Plan International 70 Prozent der in Deutschland befragten Mädchen und jungen Frauen angegeben, bereits im Internet beschimpft, belästigt oder bedroht worden zu sein.

Die Kriminalitätsstatistik des Bundeskriminalamtes verzeichnet für 2019 insgesamt 8585 Fälle von politisch motivierter Hasskriminalität. Das sind aber nur die angezeigten Taten. Die meisten Fälle von Hass und Hetze vor allem im Internet würden erst gar nicht erfasst: Die Betroffenen zeigten sie nicht an, unter anderem, weil ihnen die Rechtslage unklar erscheine. „Wir wollen allen Betroffenen Mut machen, sich Unterstützung zu holen“, sagt der Bundesvorsitzende des „Weißen Rings“.

Zum „Tag der Kriminalitätsopfer 2021“ hat der „Weiße Ring“ sein Magazin „Forum Opferhilfe“ unter das Thema „Hass und Hetze“ gestellt.

( bem )

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