Hinter den Kulissen

Drei Tage Vollsperrung: Das Technik-Spektakel auf der A7

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Jens Meyer-Odewald
Der Baubevollmächtigte Bernd Hoffmann, Christian Rohde und Projektkoordinator Christian Merl oberhalb der Abrissstelle an der A 7.

Der Baubevollmächtigte Bernd Hoffmann, Christian Rohde und Projektkoordinator Christian Merl oberhalb der Abrissstelle an der A 7.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Abriss der Bahrenfelder Brücke: Drei Tage Sperrung, 80 gewaltige Maschinen, 2000 Kubikmeter Schutt und Stahl.

Hamburg. Bis zu 50 Tonnen schwere Abbruchbagger, Mammutmeißel und hydraulische Scheren hatten an der Bahrenfelder Chaussee länger zu knabbern als gedacht. Die beiden benachbarten Überquerungen lagen längst auf der Autobahn darnieder; doch die Bahrenfelder Betonbrücke erwies sich am Sonntag als erheblich hartnäckiger. Stahl und Beton waren dermaßen stabil gebaut, dass selbst hammerstarke Hightech-Kolosse schwer zu knacken hatten.

Da letztlich ein Rädchen ins andere griff, deutete sich gegen Abend trotz eines Zeitverlustes von zweieinhalb Stunden an: Zum Start des Berufsverkehrs am frühen Montagmorgen können die Signale vor dem Elbtunnel beiderseits wieder auf Grün geschaltet werden. Plangemäß.

Die fast 80 Stunden lange Vollsperrung der A7 zwischen Volkspark und Heimfeld konnte ohne ausuferndes Autochaos im Großraum Hamburg abgeschlossen werden.

A7 in Hamburg 80 Stunden lang voll gesperrt

„Läuft“, stellte der Baubevollmächtigte Bernd Hoffmann am Sonntag um 10 Uhr trocken fest. Der bodenständige Sachse traf diese Feststellung nicht vor irgendeinem Monitor im Lagezentrum, sondern an Ort und Stelle: mitten auf der Autobahn, in Höhe Abfahrt Othmarschen. Wo sonst der Verkehr vielspurig brummt, gaben am Wochenende 200 Bauarbeiter und Ingenieure Tempo und Ton an.

Rund um die Uhr, von 80 gewaltigen Abrissmaschinen und einer Armada kleinerer Fahrzeuge unterstützt, wurden die Brücken Behringstraße, Bahrenfelder Chaussee und Osdorfer Weg plattgemacht – je zur Hälfte. Und zwar nach einem ausgeklügelten System, sodass der Verkehr ab sofort weiterfließen kann: auf der A7 und auf den halbierten Brücken darüber. Um die Gunst der Vollsperrung zu nutzen, standen weitere Bauarbeiten auf dem Programm.

Die Zaungäste auf den Wällen oberhalb der Autobahn hatten reichlich zu filmen. Ein solches Technikspektakel sieht man nicht alle Tage. „Die Vorbereitungen laufen seit seinem halben Jahr“, sagt Projektkoordinator Christian Merl im Namen des auch für die A7 verantwortlichen Baukonsortiums Deges.

Vollsperrung der A7: Verkehrschaos bleibt aus

Hinter dem Großunternehmen steht der Bund. Funktioniert alles plangemäß, soll der 2230 Meter lange Lärmschutztunnel im Bauabschnitt Altona im Jahr 2028 fertiggestellt sein. Ohne Rücksichtnahme auf den fließenden Verkehr auf Autobahn und den drei Brücken darüber würde die Arbeitszeit nur rund ein Drittel betragen. Und um die Überquerungen zumindest einspurig passierbar zu lassen, ist technische Maßarbeit vonnöten.

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Grob formuliert, wurden die Brücken der drei Straßen zur Hälfte abgerissen. Nach Einbau der neuen Tunnelteile 2022 werden die anderen Hälften plattgemacht. Dann wird es die nächste, wahrscheinlich ebenfalls gut dreitätige Vollsperrung geben. Den Anfang machten diesmal drei monströse Betonsägen mit zwei Meter großen Sägeblättern. Diese sind diamantenbesetzt und bestehen aus ultrahochfestem Stahl.

Von Profis dirigiert, trennten sie die Brücken praktisch in zwei Teile. Anschließend traten 15 riesige Abbruchbagger mit einem Pressdruck bis zu 50 Tonnen in Aktion. Ein 200 Tonnen schwerer Autokran war ebenfalls zur Stelle. Die Bagger rissen mit ihren Zangen kleine Stücke aus der Brücke. „Ein bisschen wie Kekse knabbern“, befand ein Beobachter.

Hinter den Kulissen der Riesenbaustelle A7

Klappte exzellent, bis die Maschinen eben an der Autobahnüberquerung Bahrenfelder Chaussee auf harten Widerstand stießen. Mit der Folge, dass es am Sonntag um 11 Uhr immer noch kraftvoll zur Sache ging. Während die Schuttberge in Höhe Osdorfer Weg und Behringstraße bereits in Stahl und Beton getrennt und von einer Karawane schwergewichtiger Lastwagen Richtung Zwischenlager auf dem Parkplatz Braun am HSV-Stadion abtransportiert waren, ging das Zerhacken der eingestürzten Brücke weiter.

Um den Autobahnbelag vor der herabstürzenden Wucht zu schonen, waren unten Polster aus Holz und Sand installiert. „Trotz minuziöser Planung haben wir kleine Zeitpuffer eingebaut“, sagte der Baubevollmächtigte Bernd Hoffmann. Deswegen blieb er gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Merl während einer Sonntagsinspektion auf der A7 seelenruhig. Vier große Bagger zerlegten die Brocken auf dem Boden.

Je nach Bedarf waren die Fahrzeuge mit hämmernden Meißeln, Greifzangen oder Riesenscheren im Einsatz. Für Außenstehende glich es einem Kunststück, mit solch wuchtigem Gerät kleine Stahlteile auszusortieren und passgenau in einen Container zu bugsieren. Unter dem Strich fielen am langen Wochenende fast 2000 Kubikmeter Betonschutt und Stahl an. 95 Prozent davon werden wiederverwendet.

Nicht schlecht gemacht – mit Tempo und Sorgfalt

Tatsächlich griff eine Hand in die andere und ein Rad ins nächste. Kaum war der Schrott getrennt und abgefahren, rückte eine weitere Arbeitskolonne an. Fachleute kontrollierten den Straßenbelag auf der A7. Teilweise wurde ausgebessert, streckenweise neu asphaltiert. Und weil die Autobahn frei war, wurde parallel alles Mögliche angepackt. So besserten Monteure auf einem Teleskopkran Flutlichter aus.

Im Elbtunnel wurde die Technik gewartet, Richtung Süden dahinter Stahlplatten in der Fahrbahn justiert. Wenn in den kommenden Tagen Fahrerinnen zwischen Othmarschen und Volkspark drei halbierte Brücken betrachten, werden sie erstaunt sein. Nicht schlecht gemacht – mit Tempo und Sorgfalt.

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