Corona-Pandemie

Fischauktionshalle: Umsatzverlust von 6,5 Millionen Euro

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Ulrich Gaßdorf
Brauchen eine Perspektive: Jens Stacklies und seine Söhne Philipp (l.) und Felix (r.) möchten endlich wieder Gäste in ihrer Gröninger Privatbrauerei empfangen.

Brauchen eine Perspektive: Jens Stacklies und seine Söhne Philipp (l.) und Felix (r.) möchten endlich wieder Gäste in ihrer Gröninger Privatbrauerei empfangen.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Großgastronom Jens Stacklies und seine Söhne sprechen über die Krise in Hamburg. 120 Veranstaltungen in Fischauktionshalle abgesagt.

Hamburg. Die Fischauktionshalle ist eine echte Hamburgensie und gehört wohl zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt. Das imposante unter Denkmalschutz stehende 1896 errichtete Gebäude ist aber vor allem eine der beliebtesten Veranstaltungsflächen der Stadt. Jeden Sonntag, wenn der Fischmarkt ruft, feiern hier Tausende Hamburger und Touristen bei Livemusik.

Auch für Preisverleihungen oder glamouröse After-Show-Partys ist die Fischauktionshalle ein beliebter Ort, ebenso für große Firmenjubiläen oder Produktpräsentationen. Die Oktoberfeste haben längst Kultstatus, und dafür macht sich sogar manch Münchner auf den Weg in die Hansestadt. Pause. Das war bis vor einem Jahr so, dann kam der erste Lockdown; seitdem ist aus diesem Ort voller Lebensfreude und Platz für bis zu 4500 Menschen ein Geisterhaus geworden.

Fischauktionshalle: Umsatzverlust von 6,5 Millionen Euro

Der Hausherr ist Jens Stacklies. Der Großgastronom hatte 2005 die Fischauktionshalle von der Stadt erworben. „Wir haben seit März 2020 eine Schmuckmesse gehabt, ansonsten keine einzige Veranstaltung. Eigentlich waren die Bücher voll, und wir hätten im vergangenen Jahr in der Fischauktionshalle 120 Events ausgerichtet“, sagt Stacklies.

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Der Unternehmer hält beim exklusiven Abendblatt-Gespräch einen Moment inne und sagt dann: „Wir haben alleine coronabedingt in der Fischauktionshalle einen Umsatzverlust von 6,5 Millionen Euro. Der schlingernde Kurs der Regierung verunsichert unsere Kunden, Gäste und Mitarbeiter total. Es ist alles nicht mehr zu verstehen und nachzuvollziehen.“ Und auch viereinhalb Monate nach dem zweiten Lockdown gebe es immer noch keine Perspektive für die Branche, obwohl die Hygienekonzepte für alle Bereiche auf dem neuesten Stand seien.

Stacklies-Gruppe beschäftigt rund 200 Mitarbeiter

In dieser Branche sind Jens Stacklies und seine Frau Taika echte „Big Player“. Die Stacklies-Gruppe beschäftigt rund 200 Mitarbeiter, dazu kommen Aushilfen bei Veranstaltungen. Zu ihrem Unternehmen gehören die Restaurants Schönes Leben in der Speicherstadt und auf einem rund 450 Jahre alter Bauernhof in Neuendeich bei Uetersen. „Das sind auch beliebte Locations für Hochzeiten und Familienfeiern. Wir mussten nahezu 100 Prozent aller Veranstaltungen seit März 2020 stornieren“, sagt Stack­lies.

Der Unternehmer befürchtet: „Auch 2021 wird ein totes Jahr werden. Wer plant schon ein großes Fest, wenn keiner weiß, wann und und mit welchen Regeln das wieder erlaubt ist? Und wenn wir Anfragen haben, können wir auch keine klaren Aussagen treffen, ob das Fest wegen der Pandemieauflagen stattfinden kann.“

Sein Unternehmen veranstaltet den Weihnachtsmarkt in Pinneberg und bewirtschaftet zwei große Stände auf dem Roncalli-Weihnachtsmarkt auf dem Rathausmarkt. „Die fanden natürlich auch nicht statt. Das heißt wir haben keinen Cent verdient“, sagt Stacklies. Ein weiterer eigener Betrieb macht Catering und Events – auch hier sei die Verunsicherung der Kunden groß.

„Wir haben gerade rund 14.000 Liter Bier wegschütten müssen“

Zum Treffen mit dem Abendblatt hat Stacklies in den Firmensitz in das historische Gröninger-Haus an der Willy-Brandt-Straße geladen. Vor 25 Jahren hatte er die 1793 gegründete Gröninger Privatbrauerei gekauft. Bis heute wird hier – in der Altstadt – Bier gebraut. Gäbe es die Pandemie nicht, würden im Braukeller mit den blank polierten Kupferkesseln bis zu 750 Gäste sitzen und sich Pils und Schweinshaxen schmecken lassen.

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Das Brauhaus ist auch bei Touristen und Messebesuchern aus dem Ausland beliebt. Doch auch das Lokal ist bedingt durch den Lockdown seit mehr als vier Monaten geschlossen. „Wir haben gerade rund 14.000 Liter Bier wegschütten müssen“, sagt Stacklies beim Rundgang durch die Gewölbe.

Beim Gespräch ist auch die nächste Generation dabei, die Söhne Philipp und Felix. Die beiden sind bereits seit fünf Jahren Assistenten der Geschäftsleitung. „Wir lieben diesen Beruf, haben schon als Jugendliche in unserem Familienbetrieb mitgearbeitet. Es macht mich wirklich traurig, dass wir uns in dieser Zwangspause befinden“, sagt Felix. Der 28-Jährige hat Hotel- und Restaurantmanagement auf der Hotelfachschule in Lausanne studiert.

Wir machen uns große Sorgen um unsere Existenz

Sein 26 Jahre alter Bruder Philipp, der seine Ausbildung zum Hotelfachmann im Luxusresort A-Rosa auf Sylt gemacht hat, ergänzt: „Das unsere Branche von der Politik einfach im Stich gelassen wird und gar keine Wertschätzung erfährt, macht mich traurig. Was wir jetzt brauchen ist endlich ein Zeitplan für die Wiederöffnung von Gastronomie, Hotels und natürlich von Eventlocations.“

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Eigentlich sollte 2020 ein ganz besonderes Jahr werden. Vor 25 Jahren haben sich Jens Stacklies und seine Frau Taika selbstständig gemacht – zuvor war er unter anderen sechs Jahre Direktor im Hotel Grand Elysée des Unternehmers Eugen Block, und er war auch Mitglied im Vorstand der Block Gruppe. Dieses Jubiläum sollte mit einem rauschenden Fest gefeiert werden, aber daraus wurde wegen der Pandemie nichts.

Und eigentlich sollten die Söhne 2020 in die Geschäftsleitung aufrücken. Auch das wird verschoben, bis wieder Normalität eingekehrt ist. „Wir machen uns große Sorgen um unsere Existenz. In einer solchen Situation können wir nicht kürzer treten. Jetzt geht es erst mal darum, dass endlich wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Aber es weiß ja keiner, wann das sein wird“, sagt Stacklies, der auch Dehoga-Vizepräsident ist.

Will Stacklies verkaufen?

Auch wenn es um die aktuelle finanzielle Situation seines Unternehmens geht, spricht Stacklies Klartext. Etwa 2,2 Millionen an staatlichen Hilfen würden ihnen zustehen, rechnet Stacklies vor, davon habe er bislang nur rund 15 Prozent ausbezahlt bekommen. Das zeige auch, dass da wohl etwas mit den staatlichen Hilfen schieflaufe. Außerdem habe er aus seinem privaten Vermögen Geld in den Betrieb gegeben und einen Kredit über 800.000 Euro aufgenommen.

Jetzt müsse er wohl auch noch an seine private Altersvorsorge gehen, sagt Stacklies. Etwa 14 Millionen Umsatz seien ihm durch Corona weggebrochen. Es gibt auch Gerüchte, dass die Gröninger Privatbrauerei samt Immobilie auf dem Markt ist. Will Stacklies verkaufen? „Sagen wir es so. Es gibt Interessenten, und wir schauen uns die Angebote an. Aber wir wollen eigentlich nicht verkaufen.“

Aufgeben kommt nicht infrage: „Wir werden kämpfen. Denn schließlich wollen mein Bruder und ich später das Unternehmen gemeinsam weiterführen“, sagt Philipp. Aktuell werden im Schönes Leben auf dem Lande Gästeappartements ausgebaut. Das Restaurant in der Speicherstadt wird modernisiert, und die Fischauktionshalle hat neue Bars bekommen. Denn für Jens Stacklies und seine Familie steht fest: „Wenn wir endlich wieder loslegen dürfen, dann möchten wir den Gästen wieder eine schöne Zeit bereiten.“

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