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Ab in die Wälder: 7 Ausflugsziele in Hamburg und Umland

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Jens Meyer-Odewald
dylle pur: Damwild im Niendorfer Gehege

dylle pur: Damwild im Niendorfer Gehege

Foto: imago stock Hoch Zwei Stock/Angerer

Botanikexperte Hans-Helmut Poppendieck erklärt die biologische Vielfalt und gibt Tipps für besondere Spaziergänge in der Natur.

Hamburg. Da dem Glücklichen besonders in der Natur keine Stunde schlägt, ist der Frühlingsanfang an diesem Wochenende Einladung zu einem Spaziergang in urwüchsiger Umgebung. Von jeder Ecke unserer Stadt aus ist ein attraktives Waldgebiet unkompliziert zu erreichen. Zwar ist beim Flirt mit dem Frühling aktuell noch Fantasie gefragt, doch sprießt es hier und da schon verführerisch.

Der Grünexperte Hans-Helmut Poppendieck, seit 39 Jahren Vorsitzender des Botanischen Vereins zu Hamburg und Autor mehrerer Bücher zum Thema, verrät sieben Tipps für besonders schöne Waldausflüge – speziell in dieser Jahreszeit. Getreu der babylonischen Weisheit: Die Wälder sind das Leben eines Landes.

Das Niendorfer Gehege

Der Innenstadt am nächsten gelegen ist das Niendorfer Gehege. Kaum zu glauben, dass ein solcher Wald quasi vor der Haustür liegt. Im Vorübergehen kann man das Glück haben, kleine Überraschungen zu entdecken. „Man muss nur die Augen öffnen“, weiß der promovierte Wissenschaftler. Auch wenn die Frühlingswälder im Großraum Hamburg ihre Reize erst bei einem Temperaturanstieg richtig entwickeln, entpuppt sich die Natur zwischen Frühlingsstart jetzt und Ostern in zwei Wochen von Tag zu Tag intensiver.

„Das Niendorfer Gehege bietet eine Frühlingsflora für Einsteiger“, sagt Poppendieck beim Rundgang durch die 142 Hektar umfassende Idylle im Bezirk Eimsbüttel. Mit Buchen und Eichen ist dieses Waldgebiet bestens bestückt, in feuchteren Bodenregionen zudem mit Erlen und Eschen. Exoten wie Lorbeerkirschen, Douglasien oder Pracht-Himbeeren stammen aus alten Parks und sind Teil der biologischen Vielfalt.

In diesen Tagen wird’s in den hiesigen Wäldern immer bunter. Dafür sorgen Frühblüher wie Buschwindröschen, Scharbockskräuter, Primeln, Lerchensporne und Veilchen. Voraussetzung sind nahrhafte Böden. Da diese im Umland in üppiger Form vorhanden sind, folgen sechs weitere Vorschläge des Botanikers.

Der Wohldorfer Wald

Der Wohldorfer Wald im Nordosten der Hansestadt gehört seit 1437 zu Hamburg. Schon im 19. Jahrhundert galt dieser klassische Wald als beliebtes Ausflugsziel in der Frühlingszeit. Das Gebiet steht seit 1980 unter Naturschutz. Früher pflegten Naturfreunde mit der Kutsche anzureisen. „Wer genau hinguckt, erkennt die innige Beziehung zwischen Frühlingsblumen und Ameisen“, weiß Poppendieck.

Die fleißigen Insekten sorgen dafür, Pflanzensamen in der Umgebung zu verstreuen. Praktisch als Belohnung für ihren Einsatz erhalten sie „Ameisenbrot“. Das sind winzige Anhängsel beispielsweise an Samen der Buschwindröschen, Schneeglöckchen, Märzenbecher oder Goldsternen.

Der Forst Höpen-Rosengarten

Der Forst Höpen-Rosengarten liegt jenseits der Landesgrenze im Kreis Harburg und ist ein Juwel der Frühjahrsblüher. Experten können sich dort über die seltene Einbeere freuen. Sie heißt so wegen ihrer schwarzen Beere, umgeben von vier Blättern. Blüte ist im April; die Beere reift im Juni.

Der Sachsenwald

Ein stadtbekanntes Paradies. Im Bachtal der Schwarzen Au wechseln sich schöne Feuchtwälder mit Wiesen ab. Die Strecke zwischen Aumühle und Friedrichsruh ist einen halben Wandertag lang, indes voller Überraschungen am Wegesrand. Traumhaft ist ein am Ufer der Bille gelegener Waldhang. Am Beispiel dieses Erholungsgebietes erläutert Poppendieck den Grund für so viele bunte Frühlingsblumen ausgerechnet in Wäldern.

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Da diese Blumen im März/April vor den Bäumen austreiben, müssen sie mit ihren Blüten und Früchten fertig sein, bevor Buchen und andere Bäume Anfang Mai ihr Blätterdach ausbreiten. Anschließend wird es für viele Waldblumen zu dunkel. „Also müssen für Buschwindröschen und Scharbockskraut ein paar Monate ausreichen, um ihren Lebenszyklus zu vollenden“, sagt Poppendieck. Auf Wiesen, Äckern und am Wegesrand können sich die Blumen mehr Zeit lassen.

Das Tal der Süderbeste

Das Tal der Süderbeste ist prima mit der Regionalbahn zu erreichen (Station Kupfermühle). Auch wegen der besonders reichhaltigen Frühlingsflora zählt dieser Wald seit mehr als einem Jahrhundert zu den Lieblingsgebieten des Botanischen Vereins zu Hamburg. Ihm gehören 442 Mitglieder an. 28 von ihnen haben an einem Wanderführer für Hamburg und Umgebung mitgewirkt, der in diesen Tagen in dritter Auflage aktualisiert er-scheint.

Hans-Helmut Poppendieck ist als einer der drei Herausgeber mitverantwortlich für das lesenswerte Werk mit Anregungen für Tagestouren und Spaziergänge in Stadt und auf dem Land. Die Beste mündet in Bad Oldesloe in die Trave. Im Flusstal sind im Frühling der Hohle Lerchensporn, auch bekannt als „Zottelhose“, und das Lungenkraut Besonderheiten. Letzteres wechselt im Laufe der Zeit die Farbe – von Rot und Blau, so wie das Blut in der Lunge.

Der Forst Beimoor

Der Forst Beimoor bei Großhansdorf und Ahrensburg war früher das Jagdgehege des Grafen Heinrich Carl von Schimmelmann. Für Spezialisten ist dieser Wald Geheimtipp für eine grandiose, allerdings etwa 18 Kilometer lange Frühlingswanderung.

Sie kann von den Bahnhöfen Ahrensburg oder Großhansdorf über den Forst Beimoor, Hammoor und Lasbek bis zur Rohlfshagener Kupfermühle führen. Wer das geschafft hat, kehrt mit der Regionalbahn zurück Richtung Hamburg. Wie in allen Wäldern ist Rücksichtnahme Ehrensache. „Nicht von den Wegen abweichen oder kreuz und quer durch den Wald laufen“, bittet Poppendieck.

In Corona-Zeiten ziehe es mehr Menschen als sonst hinaus in den Wald. Ohnehin reagieren die bunten Waldblumen empfindlich auf Störungen. „Kahlschläge, Gehölzpflanzungen und Durchforstungen bringen sie zum Verschwinden“, weiß Poppendieck.

Borsteler Wohld

Im Borsteler Wohld im Kreis Pinneberg lohnt sich ein Abstecher ins kostenpflichtige „Arboretum Thiensen“, eine Gartenschau und ein Baumpark. Im Wohld finden wir Moschuskraut und Ährige Teufelskralle. In der Bilsbekniederung kann man eine prachtvolle Wiesen- und Weidelandschaft bewundern.

Wenn man in den Wald zurückkehrt, kann man das Glück des Dichters und Naturforschers Johann-Wolfgang von Goethe noch besser verstehen: „Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn.“

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