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Hamburg kommt bei Fahrradfreundlichkeit nur schleppend voran

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dpa
Zwei Fahrradfahrer stehen mit ihren Fahrrädern in der Sonne an einem Geländer und schauen in Richtung Landungsbrücken.

Zwei Fahrradfahrer stehen mit ihren Fahrrädern in der Sonne an einem Geländer und schauen in Richtung Landungsbrücken.

Foto: dpa

Hamburgs rot-grüne Koalition versucht seit Jahren den Radverkehr in der Hansestadt attraktiver zu machen. Die Radfahrer selbst goutieren das jedoch noch nicht. Im Fahrradklima-Test des ADFC verharrt Hamburg unter den Großstädten im Mittelfeld.

Hamburg kommt nach einer Untersuchung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) bei der Fahrradfreundlichkeit in nur kleinen Schritten voran. Im Vergleich zu 2018 konnte sich die Hansestadt im Jahr 2020 unter den Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern zwar um einen Platz auf Rang sieben verbessern, wie der ADFC am Dienstag mitteilte. Doch die Verbesserung der Note von 4,21 auf 4,10 ist dem sogenannten Fahrradklima-Test zufolge so gering, dass der ADFC die Entwicklung als "relativ konstant" bewertet. Platz eins ging den Angaben zufolge mit 3,57 wieder an Bremen, Schlusslicht wurde mit 4,37 erneut Köln.

Der Fahrradclub hat für den inzwischen neunten bundesweiten Städtevergleich 27 Aspekte bei Radfahrern abgefragt - etwa die Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer, öffentliche Fahrräder oder das Sicherheitsgefühl. An der Online-Umfrage beteiligten sich rund 230 000 Menschen, rund 4250 davon aus Hamburg. Das Ranking ist nicht repräsentativ, gilt aber als Stimmungsbarometer. Laut ADFC ist es die größte Umfrage zur Zufriedenheit von Radfahrern weltweit.

Verbesserungen gab es in Hamburg der Umfrage zufolge bei der Werbung für das Radfahren (3,6), bei der Fahrradmitnahme im öffentlichen Nahverkehr (3,3) und im Bereich öffentliche Fahrräder (1,9). Deutlich bergab ging es dagegen bei der Reinigung (4,7) und der Ausschilderung der Radwege (3,8). Konstant schlecht oder etwas schlechter bewertet wurden die Ampelschaltungen für Radfahrer (5,0), die Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen (5,1) und die Breite der Radwege (5,2).

"Hamburg wird seinem Anspruch auf eine Vorreiterrolle in Sachen Fahrradstadt nicht gerecht", sagte der stellvertretende Landesvorsitzender des ADFC Hamburg, Cajus Pruin. Trotz des signifikant gestiegenen Radverkehrsanteils herrsche noch immer große Unzufriedenheit über die Verteilung des öffentlichen Verkehrsraums auf die einzelnen Verkehrsträger, "über die auch die umfangreichen Kampagnen der letzten zwei Jahre nicht hinwegtäuschen können". ADFC-Vize Tom Jakobi betonte: "Durch Werbung für den Radverkehr verbessern sich Sicherheit und Komfort beim Radfahren noch nicht."

Generell nimmt der Radverkehr in Hamburg stetig zu. Nach Angaben des rot-grünen Senats wurden im vergangenen Jahr allein an der Alster mehr als 2,3 Millionen Fahrradfahrten gezählt - 163 000 oder sieben Prozent mehr als 2019. Ein Grund für die Zunahme ist, dass viele Hamburger in der Corona-Pandemie das Fahrrad bevorzugten.

Ende April findet in Hamburg digital der 7. Nationale Radverkehrskongress (NRVK) statt. Ausgerichtet wird die bundesweit größte Veranstaltung dieser Art vom Bundesverkehrsministerium und der Hamburger Verkehrsbehörde. Dort soll unter anderem der Nationale Radverkehrsplan 3.0 vorgelegt und der Deutsche Fahrradpreis 2021 verliehen werden.

© dpa-infocom, dpa:210316-99-843490/3

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( dpa )