Zimmerquarantäne

Seeleute stranden wegen Corona in Hamburger Jugendherberge

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Monica Döring spricht mit Seeleuten aus Kiribati.

Monica Döring spricht mit Seeleuten aus Kiribati.

Viele Seeleute hängen derzeit in Hamburg fest: Trotz politischer Einigung konnte noch niemand ins Heimatland Kiribati zurückreisen.

Hamburg. Tekemau Kiraua ist Kapitän und pendelte zuletzt mit einem 175 Meter langen Containerfrachter zwischen Australien und Neuseeland. Zu Hause ist der 50-Jährige in der Republik Kiribati, ein aus Korallenatollen und Inseln entlang des Äquators bestehender Staat inmitten des Pazifiks. Allerdings ist Kiraua schon lange nicht mehr zu Hause gewesen.

Denn er sitzt – fast eineinhalb Jahre nach seinem letzten Besuch bei seiner Frau und den vier Kindern im Alter von 17 bis 22 Jahren – bereits seit gut drei Monaten mit etlichen anderen Seeleuten in Hamburg in einer Jugendherberge fest. Schuld daran ist das Coronavirus und der Umgang seiner Regierung mit der Pandemie.

Regierung machte wegen Corona Grenzen dicht

Jene hat aus Angst vor ersten Corona-Fällen vor knapp einem Jahr den Ausnahmezustand verhängt und kurzerhand alle Grenzen dicht gemacht, auch für die eigenen Staatsbürger. Matthias Ristau, Seemannspastor der Nordkirche, und Monica Döring von der katholischen Seemannsmission kümmern sich mit weiteren Kolleginnen und Kollegen um die Gestrandeten.

Für die Seeleute hat das Vorgehen ihrer Regierung gravierende Folgen. Anders als die meisten der weltweit bis zu 500.000 zeitweise irgendwo festsitzenden Seeleute waren sie plötzlich alle heimatlos, wussten nicht, wohin. „Denn wenn das Heimatland sie nicht haben will, dann will sie auch kein anderer haben“, sagt Pastor Ristau.

Kapitän Kiraua reiste 16.000 Kilometer nach Hamburg

Viele Reedereien entschieden sich nach Rücksprache mit den jeweiligen Regierungen, die Seeleute zu ihren Stammsitzen zu bringen, darunter auch Leonhardt & Blumberg aus Hamburg. Weil deren Seeleute wie Kapitän Kiraua mangels Visa die Schiffe nicht etwa in Australien verlassen und so zumindest in der Region hätten bleiben können, reisten sie fast 16.000 Kilometer in die Hansestadt. „Es ist kein Schiff nach Hamburg gekommen“, sagt Ristau. „Alle sind mit dem Flugzeug gekommen.“

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Insgesamt rund 150 Seeleute landeten seit Oktober auf diese Weise in der Jugendherberge an der Trabrennbahn Horn. „Erst Ende Februar zeichnete sich nach Verhandlungen unter anderem des Auswärtigen Amts und der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO eine Lösung ab, allerdings eine komplizierte.

Zimmerquarantäne für Seeleute in Hamburg

Die Rückreiseroute sieht nun so aus: Nach einer zweiwöchigen Zimmerquarantäne in der Jugendherberge geht es mit dem Bus nach Frankfurt, dann mit dem Flugzeug nach Doha (Katar), weiter nach Brisbane (Australien), dann nach Auckland (Neuseeland) und von dort auf die Fidschi-Inseln, wo die Seeleute wieder zwei Wochen in Quarantäne müssen. „Dann ist es an Kiribati, sie zurückzuholen“, sagt Pastor Ristau. „Theoretisch“, fügt er an. Denn bislang hat es weltweit kein Seemann geschafft, tatsächlich nach Kiribati zu kommen.“

( dpa )

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