Luftreiniger von Mikrobex

Hamburger Gymnasium kämpft mit UV-Licht gegen Coronaviren

| Lesedauer: 6 Minuten
Friederike Ulrich
HAW-Professor Roland Greule (l.), Schulleiterin Gudrun Müller und Hersteller Guntram Uhlig mit einer „Cloud“. An der Decke des Klassenzimmers hängen drei weitere Geräte.

HAW-Professor Roland Greule (l.), Schulleiterin Gudrun Müller und Hersteller Guntram Uhlig mit einer „Cloud“. An der Decke des Klassenzimmers hängen drei weitere Geräte.

Foto: Michael Rauhe

Die Clouds hängen in sechs Klassenzimmern der Hamburger Schule von der Decke. Machen sie den Unterricht wieder sicher?

Hamburg. Die „Clouds“ (deutsch: Wolken) der Firma Mikrobex haben so gar nichts schäfchenwolkiges an sich. Es sind flache quadratische Kästen mit Ventilatoren und UV-C-Niederdrucklampen im Inneren. Sie können durch hochenergetisches Licht Viren, Keime und Bakterien in der Luft zu 99,9 Prozent abtöten – ohne belastende chemische Mittel oder schädliche Strahlungen.

Jeweils drei von ihnen wurden jetzt in sechs Klassenzimmern des Gymnasiums Ohmoor unter die Decke gehängt. Ausgewählt wurden dafür Räume, die kleiner sind als die an der Schule üblichen 70 Quadratmeter – und in denen dennoch rund 25 Schüler zusammensitzen Auch im Lehrerzimmer wurden drei „Clouds“ installiert.

Hamburger Firma Mikrobex verkauft „Clouds“

„Ich freue mich sehr, dass wir jetzt bei der Frage der Infektionsvermeidung einen Schritt weitergekommen sind“, sagt Schulleiterin Gudrun Müller. Sie war durch einen Fernsehbericht auf die Luftreiniger der Hamburger Firma Mikrobex aufmerksam geworden – und hatte sich, nach Rücksprache mit dem Krisenteam der Schule, an Firmeninhaber Guntram Uhlig gewandt. Herkömmliche Luftreiniger seien bei entsprechender Qualität teuer und wartungsintensiv, nähmen Platz weg und machten Lärm.

Tatsächlich ist nur ein leises Rauschen zu hören, während die Schulleiterin spricht. Gemeinsam mit Mikrobex-Gründer Uhlig und Roland Greule, Professor für Medientechnik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), will sie der Presse die Geräte vorstellen. „Mein Wunsch wäre es, dass es nicht bei diesem Einmalprojekt bleibt“, sagt Müller, die den Betrieb der Geräte aber erst einmal testen will.

Behörde stellt 400 Euro pro Klassenzimmer zur Verfügung

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat gerade erneut betont, dass „Lüften das Gebot der Stunde“ sei – Schulen allerdings für Räume, in denen dies nicht möglich ist, aus ihrem Budget technische Lösungen wie Raumluftfilter anschaffen könnten. 400 Euro pro Klassenraum stellt die Behörde dafür zur Verfügung.

Trotz Rabes Einstellung hofft Uhlig, in der Hamburger Schullandschaft Fuß zu fassen, denn bislang hat der Hamburger Unternehmer in seiner Heimatstadt noch keine Schulen als Kunden. In Nordrhein-Westfalen sieht das dagegen ganz anders aus. In Düsseldorf hat Uhlig bereits 90 Grundschulen mit insgesamt 4000 Geräten ausgerüstet – was von der Stadt mit 4,5 Millionen Euro gefördert wurde. „Wir hoffen, dass der Einsatz am Ohmoor auch hier ein Signal für diese günstigste Langzeitlösung ist“, sagt der Firmenchef.

Alle zwei Jahre Austausch der UV-C-Röhren

Rund 20.000 Euro hat das Gymnasium für die Anschaffung der 22 Geräte gezahlt. Alle zwei, drei Jahre werden zusätzlich pro Gerät 40 Euro für den Austausch der UV-C-Röhren fällig, die eine Brenndauer von je rund 9000 Stunden haben. „Den Wechsel kann der Hausmeister vornehmen, es ist alles einfach aufgebaut“, so Uhlig. Die von ihm entwickelte Lichttechnik ist bereits deutschlandweit im Einsatz – die Produktreihe umfasst Geräte zur Oberflächenreinigung, zur Desinfektion der Raumluft (als Standgerät und zur Montage unter der Decke) sowie zur Desinfektion von Koffern und Einkaufswagen.

Der 77 Jahre alte Uhlig und sein Sohn Mirko Imbro gehören mit ihrem Hauptunternehmen Arteko eigentlich zu den führenden Anbietern von hocheffizienten Lichtlösungen für Industrie, Handel und Gewerbe. Mikrobex wurde eher aus der Not heraus gegründet. „Im Frühjahr 2020 waren auch wir von abrupten Auftragseinbrüchen betroffen“, berichtet der Senior.

Mikrobex wurde aufgrund von Auftragseinbrüchen gegründet

„Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken und um die Arbeitsplätze unserer sieben Mitarbeiter zu fürchten, wollten wir an einer konstruktiven Lösung arbeiten. Als Licht-Experten kamen wir rasch auf eine der effizientesten Arten, Viren und Bakterien zu bekämpfen: ul­traviolettes Licht.“ Anstatt zu entlassen, stellte er ein. Heute arbeiten in seiner Produktion in Osdorf 27 Mitarbeiter, eine weitere Produktlinie wird derzeit in Rostock entwickelt.

Lesen Sie auch:

Die Funktion einer „Cloud“ ist schnell erklärt: Leise und leistungsstarke Ventilatoren saugen Luft an, die dann an UV-C-Niederdrucklampen vorbeigeleitet wird. Das hochenergetische Licht löst eine fotochemische Reaktion aus: Bei einer Wellenlänge um 254 Nanometer wird es von den Zell-Nucleinsäuren absorbiert und führt so zu einer Inaktivierung von Viren wie etwa Covid-19 oder Influenza, aber auch Bakterien und Pilzsporen. Unter den Geräten am Gymnasium Ohmoor ist zusätzlich eine CO2-Ampel montiert. Sie soll die Schüler zum Lüften animieren.

„Clouds“ auch für HAW gewünscht

„Durch die Inaktivierung mit UV-C-Licht können sich die Mikroorganismen nicht mehr vermehren und werden so unschädlich gemacht“, sagt HAW-Professor Greule. Auch er wurde durch den Fernsehbericht auf die Mikrobex- „Clouds“ aufmerksam, deren Wirksamkeit er untersucht und bestätigt hat. UV-C-Licht werde schon lange in Operationssälen eingesetzt, so der Leiter des HAW-Lichtlabors.

Dort seien große Geräte im Einsatz, die die Raumluft 20-mal pro Stunde austauschten. Die kleineren Schulgeräte schaffen es drei- bis viermal. „Das ist völlig ausreichend“, sagt Greule, der auf den Einsatz der „Clouds“ auch an der HAW hofft. „Ich würde meine Studenten so gerne mal wieder live sehen.“

Unverständnis von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Dass etliche Kultusminister Geräte zur Luftdesinfektion an Schulen aus Kostengründen ablehnen, stößt bei SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf Unverständnis. Auch wenn ein Profigerät um die 3000 Euro koste, wären das pro Schüler maximal 80 bis 100 Euro, hatte er im September einmal vorgerechnet. Und hinzugefügt: „Kinder dürfen uns nicht weniger wert sein als Wirtschaft.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg