Moritz Fürste

Wie ein Olympiasieger zum Anbieter von Corona-Tests wurde

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Der Hamburger Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste betreibt jetzt Testzentren für Corona.

Der Hamburger Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste betreibt jetzt Testzentren für Corona.

Foto: Imago/Martin Hoffmann

Hockeystar Moritz Fürste ist mit zehn Zentren einer der größten Anbieter in Hamburg. Bis zu 500 Tests am Tag sind pro Standort möglich.

Hamburg. Der zweimalige Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste bekommt in diesen Tagen bisweilen wenig Schlaf. Aber bei dem Pensum, das er derzeit vorlegt, erklärt sich das auch fast schon von selbst. Es geht Schlag auf Schlag: Allein in dieser Woche bringt der 36 Jahre alte Co-Gründer der Agentur „Upsolut Sports“ rund zehn Schnelltestzentren in Hamburg an den Start, in denen sich Bürger kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können. Bis zum kommenden Mittwoch soll ein weiteres hinzukommen. Schon jetzt ist klar: Ein weiterer Standort wird in Kooperation mit Fernsehkoch Tim Mälzer bei der Bullerei entstehen.

Weitere Anfragen kommen von allen Seiten: von Sportclubs, -vereinen und -verbänden, von Fitnessstudios und Kultureinrichtungen. Der Niendorfer TSV ist schon an Bord. Die Hoffnung: Mit einem Schnelltestzentrum auf dem eigenen Gelände könnte der Betrieb schneller, vielleicht sogar schon bald wieder losgehen.

Die Hoffnung, durch mehr Testungen schneller wieder zur Normalität zurückzukehren ist auch der Antrieb, der Fürste dazu gebracht hat, ins Test-Business einzusteigen. Denn auch seine Sportevent-Agentur ist von der Corona-Pandemie massiv betroffen. „Im vergangenen Jahr haben wir uns noch an jeden Strohhalm geklammert und gehofft, dass im Sommer wieder Veranstaltungen stattfinden können. Aber dann wurde uns doch schnell klar, dass daraus nichts wird.“

Corona: Moritz Fürste gründet Schnelltest Service Hamburg

Im Sommer begannen er und sein Team, sich mit dem Thema Testen zu beschäftigen. Wenig später gründete er mit seinem Kompagnon, dem Eventmanager Christian Toetzke, das Unternehmen Schnelltest Service Hamburg. „Uns war schnell klar, dass das langfristig für viele Bereiche die einzige Möglichkeit sein wird, wieder den Betrieb aufzunehmen.“

In den vergangenen Monaten – bevor klar war, dass die kostenlosen Schnelltests flächendeckend angeboten werden sollen ­– hatte sich Fürstes Firma auf Vor-Ort-Testungen in Firmen spezialisiert. „Die sind für Unternehmen natürlich kostspielig, aber die Tests haben es ermöglicht, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Und das war und ist es vielen, insbesondere größeren Firmen, wert.“

Mit dieser Expertise hatten sie sich in eine gute Startposition für die Schnelltestzentren im Hamburger Stadtgebiet gebracht, für die Fürste bereits im Oktober ein Konzept erarbeitet hat. Dennoch: „Die Vorlauffristen waren sehr kurz, wir hatten nur wenige Tage Zeit, um alles umzusetzen.“

Neue Corona-Testzentren in sieben Hamburger Stadtteilen

Aber in großen Teilen hat es nun geklappt: In dieser Woche wurden und werden Testzentren in Barmbek, Bergedorf, Hummelsbüttel, St. Pauli, Harburg, Niendorf und Wellingsbüttel eröffnet (Übersicht und Terminvergabe über www.schnelltest-hamburg.de). Allein im bereits eröffneten Schnelltestzentrum in Bergedorf seien 2000 Anmeldungen in den ersten 24 Stunden eingegangen. „Die Nachfrage ist riesig.“

Zwölf Mitarbeiter kümmern sich derzeit um die Testzentren. Konkret heißt das unter anderem: Örtlichkeiten prüfen, Tests bestellen, „Branding“ und Beschilderung entwerfen, Infrastruktur schaffen, Anmeldesystem anlegen, Personal finden und einstellen und schließlich eröffnen. „Damit der Alltag im Schnelltestzentrum rundläuft, müssen immer drei Personen vor Ort sein. Einer für die Anmeldung, ein medizinischer Mitarbeiter für die Testung und ein weiterer für die Auswertung und Mitteilung der Ergebnisse.“

Corona: Diese Testverfahren gibt es

  • PCR-Test: Weist das Virus direkt nach, muss im Labor bearbeitet werden – hat die höchste Genauigkeit aller Testmethoden, ist aber auch die aufwendigste
  • PCR-Schnelltest: Vereinfachtes Verfahren, das ohne Labor auskommt – gilt als weniger zuverlässig als das Laborverfahren
  • Antigen-Test: weniger genau als PCR-(Schnell)Tests, dafür zumeist schneller und günstiger. Laut RKI muss ein positives Testergebnis durch einen PCR-Test überprüft werden, ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht aus, insbesondere, wenn die Viruskonzentration noch gering ist.
  • Antigen-Selbsttest: Die einfachste Test-Variante zum Nachweis einer Infektion mit dem Coronavirus. Wird nicht von geschultem Personal, sondern vom Getesteten selbst angewandt. Gilt als vergleichsweise ungenau.
  • Antikörper-Test: Weist keine akute, sondern eine überstandene Infektion nach – kann erst mehrere Wochen nach einer Erkrankung sinnvoll angewandt werden
  • Insgesamt stellt ein negatives Testergebnis immer eine Momentaufnahme dar und trifft keine Aussagen über die Zukunft

Pro Standort sollen so 500 Tests am Tag möglich sein. „Das ist schon ganz schön herausfordernd“, sagt Fürste. Und noch laufe auch nicht alles glatt. „Aktuell haben wir in einigen Fällen noch das technische Problem, dass die Test-Ergebnisse mit etwas Verspätung kommen. Da sind wir gerade mit Hochdruck dabei.“

Wie genau abgerechnet wird, ist noch nicht ganz klar

Aber grundsätzlich klappe das meiste sehr gut. „Es ist toll, dass wir das machen können und damit hoffentlich auch Erfolg haben werden“, sagt der Olympiasieger. Derzeit gebe es noch offene Fragen. „Wie genau die Abrechnung mit der Kassenärztlichen Vereinigung laufen soll, ist noch nicht klar.“ Ein unternehmerisches Risiko bleibe. „Bisher sind wir mit allem in Vorleistung getreten.“

Für die kommenden Wochen und Monate sieht er auch viel Potenzial für Schnelltest-Stationen in den Sport- und Kultureinrichtungen selbst. „Gerade auch für große Vereine ist diese Perspektiven interessant.“

Ein Punkt aber bereitet Fürste Sorgen. „Es muss allen klar sein, dass allein durch das massenhafte Testen die Inzidenz weiter steigen wird“, sagt er. Wenn das wiederum zur Folge haben würde, dass der Lockdown verlängert wird, wäre das der falsche Schluss. „Durch das Testen sind ja nicht mehr Menschen positiv, wir wissen nur von mehr coronapositiven Menschen.“ Der Inzidenzwert müsse also zwangsläufig „an Bedeutung verlieren“, sagt er. Sonst würde das Testen dazu führen, dass die Corona-Beschränkungen immer weiter verlängert würden. „Mit den Schnelltests müssten auch neue Parameter zur Risikobewertung angesetzt werden“, fordert Unternehmer Fürste.

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