Hamburger Studie

Cannabis: Ausgaben für Medikamente steigen deutlich

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Die Ausgaben der Krankenkassen für Cannabis-basierte Arzneimittel in Deutschland sind seit der Legalisierung 2017 drastisch gestiegen.

Die Ausgaben der Krankenkassen für Cannabis-basierte Arzneimittel in Deutschland sind seit der Legalisierung 2017 drastisch gestiegen.

Foto: picture alliance

Arzneimittel auf Cannabis-Basis werden immer beliebter. Doch nicht immer ist das laut einer Hamburger Studie medizinisch sinnvoll.

Hamburg. Die Ausgaben der Krankenkassen für Cannabis-basierte Arzneimittel in Deutschland sind seit der Legalisierung 2017 drastisch gestiegen. Dies geht aus dem "Cannabis Report 2020" hervor, der im Auftrag der Hamburger Betriebskrankenkasse BKK Mobil Oil erstellt wurde.

„Im Jahre 2017 lagen die Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung bei 27 Millionen Euro, 2018 schon bei 73,5 Millionen Euro, 2019 bei 123 Millionen Euro und für 2020 kann man aus den ersten drei Quartalen Ausgaben in Höhe von 151 Millionen Euro prognostizieren", sagt Studienleiter Gerd Glaeske vom Forschungszentrum Socium in Bremen. "Das ist in vier Jahren also ein Zuwachs von mehr als 500 Prozent."

Cannabis für Schmerzpatienten

Laut der Untersuchung erhielt allerdings nur ein Fünftel der Antragsteller für eine Therapie, also nur 173 Patienten, Cannabis-basierte Arzneimittel im Rahmen gut geprüfter und zugelassener Anwendungsgebiete. Dazu gehört nach Meinung der Auftraggeber der Studie vor allem die spezialisierte ambulante Palliativversorgung von Krebspatienten sowie Anträge von Versicherten mit neurologischen Leiden.

Ein Großteil der Patienten habe Cannabinoide jedoch außerhalb der in klinischen Studien geprüften Indikation, etwa aufgrund eines chronischen Schmerzsyndroms (27 Prozent), wegen anhaltender Rückenschmerzen (sieben Prozent), wegen Spastik (sechs Prozent) oder wegen Polyneuropathie (fünf Prozent) bekommen. „Also überwiegend für Indikationen, in denen eine Reihe von Studien gezeigt haben, dass THC-haltige Medikamente im Mittel keine relevante Schmerzlinderung erzeugt“, erklärt der Schmerzmediziner Christoph Maier, ehemaliger Chefarzt der Schmerzklinik an der Universität Bochum.

Glaeske: Archaisch anmutende Therapien

Für die Experten das erstaunlichstes Ergebnis der Studie: 62 Prozent der Ausgaben entfielen 2019 auf unverarbeitete Cannabisblüten und Blüten in Zubereitungen. „Archaisch anmutende Therapien in Zeiten der Verfügbarkeit von standardisiert hergestellten und im Markt verfügbaren zugelassenen Cannabis-Produkten und vor allem gut geprüften, wirksamen und vielfach erprobten Schmerzmitteln“, kritisiert Studienleiter Glaeske.

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Auffällig sei in diesem Zusammenhang, dass vor allem männliche Patienten im Alter von 20 bis 29 Jahren zu den Antragstellern gehörten. Auch die Tagesdosen würden mitunter um ein Vielfaches über denen des staatlichen Cannabisprogrammes der Niederlande liegen. Dies lasse die Frage aufkommen, ob diese Dosierungen noch mit einer verantwortungsvollen Versorgung in Einklang zu bringen seien oder ob getrocknete Cannabisblüten auch als Rauschmittel „auf Rezept“ missbraucht oder sogar weiterverkauft würden, so der Experte.

Bessere Gesetze notwendig?

Glaeske fordert vor diesem Hintergrund bessere gesetzliche Rahmenbedingungen, um die richtige Dosierung und Darreichungsform der Medikamente sicherzustellen. „Cannabis ist schließlich kein Wundermittel", so der Experte.

( HA )

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