Corona-Krise

Schnelltests: Bislang sind 16 Hamburger Apotheken dabei

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Marc Hasse, Juliane Lauterbach und Matthias Popien
Diese und ähnliche Schnelltests sollen jetzt massenhaft eingesetzt werden.

Diese und ähnliche Schnelltests sollen jetzt massenhaft eingesetzt werden.

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Sieben-Tage-Inzidenz ist leicht gesunken, aber mit 78,7 immer noch recht hoch. Ärzte fordern Verzicht auf Priorisierung beim Impfen.

Hamburg.  Keine neuen Todesfälle, die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt leicht: Die aktuellen Corona-Zahlen beinhalten durchaus Lichtblicke. 203 Neuinfektionen wurden am Mittwoch gemeldet, das sind 31 weniger als am Mittwoch vergangener Woche. Die Inzidenz liegt nun bei 78,7. Am Tag zuvor waren es 79,3. Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen ist nur leicht angestiegen – von 87 am Dienstag auf nun 88. Die Zahl der Verstorbenen liegt unverändert bei 1312.

Unterdessen kommt es offenbar bei der zentralen Terminvergabehotline 116 117 immer noch häufig zu Problemen. Laut Informationen eines Mitarbeiters, der namentlich nicht genannt werden möchte, hätten insbesondere Menschen über 70 häufig Probleme, dem Anmelde- und Vergabeprozess zu folgen.

Senioren kämpfen oft mit technischen Herausforderungen

Sie seien den damit verbundenen technischen Herausforderungen oftmals nicht gewachsen, es fehle auch an der notwendigen Ausstattung. „Viele haben weder eine Handynummer noch eine E-Mail-Adresse und kennen auch niemanden mit einem Drucker, der die Bescheinigung für sie ausdrucken kann.“

Im Schnitt habe er nach jedem fünften Anruf ein „mulmiges Gefühl“, sagte der Mitarbeiter der Terminvergabe. „Da bleiben dann Zweifel, ob es der Anrufer oder die Anruferin wirklich ins Impfzentrum schafft.“

Prozesse vereinfachen

Ältere Ehepaare hätten berichtet, dass sie Termine an vier verschiedenen Tagen (für beide Impfungen) bekamen, aber nicht wüssten, wie sie das organisieren sollten, zumal sie manchmal lange Anfahrten hätten. Aus Sicht des Hotline-Mitarbeiters müsste der Prozess für diese Altersgruppe deutlich vereinfacht werden. „Am sichersten wäre es, sie würden direkt beim Hausarzt geimpft werden.“

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Wie berichtet, können alle 1300 Hamburger Hausärzte sowie zahlreiche niedergelassene Fachärzte von April an ­– also in etwa drei Wochen – in ihren Praxen von April gegen Corona impfen, sofern dann genügend Impfstoff vorliegt. Über das genaue Vorgehen bei den Einladungen und der Terminvergabe können die Ärzte selbst entscheiden.

Neues Onlineprogramm für Corona-Terminvergabe

Wie Walter Plassmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Hamburg, erläuterte, sind zur Organisation der Impfungen in den Praxen mehrere Vorgehensweisen denkbar: Hausärzte könnten eine offene Corona-Impfsprechstunde anbieten; sie könnten zur Impfung berechtigte Patienten anrufen oder anschreiben, orientiert an den Vorgaben der Behörde zur Impfberechtigung – und berechtigte Patienten könnten sich selbst für einen Termin an ihre Praxis wenden.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

Zudem habe die KV für die Terminvergabe ein neues Onlineprogramm entwickelt, sagte Plassmann. Den Praxen steht es frei, die Software zu nutzen. Entscheidet sich ein Arzt dafür, soll er per E-Mail Impfeinladungen verschicken können, in denen ein Code enthalten ist, mit dem der Patient dann online einen Impftermin in der Praxis ausmachen kann. Wenn der Arzt diese Möglichkeit nicht nutzen will, übernimmt die KV diese Einladungen.

Priorisierung ist ein Streitthema

Unterdessen forderte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, gegenüber der Zeitung „Die Welt“, die strenge Priorisierung der Ständigen Impfkommission müsse schrittweise zurückgezogen werden, um schnell so viele Bürger wie möglich zu impfen. Diese Ansicht teilt der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt. Er sagte der „Rheinischen Post“: „Zu viele Vorgaben halten uns nur unnötig auf. Das sollten wir unbedingt vermeiden.“

Von der Hamburger Gesundheitsbehörde hieß es dazu am Mittwoch auf Nachfrage: Solange es in Hamburg noch Engpässe bei der Verfügbarkeit von Corona-Impfdosen gebe und hauptsächlich im zentralen Impfzentrum in den Messehallen geimpft werde, bleibe die Priorisierung wichtig, um sicherzustellen, dass ältere Menschen und Impfberechtigte mit Vorerkrankungen zum Zuge kommen.

Aktualisierte Liste der Testzentren liegt vor

Wenn die Knappheit an Impfdosen überwunden sei, wenn von April an auch zunehmend Hausärzte und viele Fachärzte in Hamburg gegen Corona impfen könnten, werde die Bedeutung der Priorisierung „perspektivisch abnehmen“.

Wie sicher sind Corona-Schnelltests?

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Die Gesundheitsbehörde hat derweil ihre Auflistung aktualisiert. Die Testzentren und erstmals auch 16 Apotheken, in denen die Hamburgerinnen und Hamburger kostenlose Antigen-Schnelltests in Anspruch nehmen können, finden sich in einem PDF-Dokument im Internet unter folgendem Link: http://t.hh.de/14945388. Zudem erstellt die Behörde eine Übersichtskarte mit Adressen, die heute unter hamburg.de/corona aufzurufen sein soll.

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Kostenlose Corona-Schnelltests sollen auch in mindestens 68 Arztpraxen möglich sein, allerdings ist dazu keine Liste veröffentlicht worden, weil die Testmöglichkeiten in den Praxen sehr unterschiedlich sind. Einen Termin in einer Praxis vereinbaren können Hamburger unter der Rufnummer 116 117 – oder sie sollten sich in ihrer Hausarztpraxis danach erkundigen, empfiehlt Jana Husemann, Vorsitzende des Hausärzteverbandes in Hamburg.

Unterdessen werden die Hamburg Harley Days erneut verschoben. 2020 waren sie ausgefallen. In diesem Jahr sollten sie ursprünglich im Juni stattfinden. Nun sollen es die Tage vom 13. bis 15. August sein. Es zeichne sich zwar ein Weg aus der Corona-Krise ab, doch bei Events dominiere immer noch eine starke Unsicherheit, teilten die Veranstalter am Mittwoch mit. Der neue Termin erhöhe die Chancen für die Großveranstaltung deutlich.

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