Kommunikation an Schulen

Studie sieht Schulen in Pandemie „auf gutem Weg“

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Peter Ulrich Meyer
Jeder fünfte Schüler hat keinen Computer zu Hause.

Jeder fünfte Schüler hat keinen Computer zu Hause.

Foto: Ulrich Perrey / dpa

Lehrer finden „technisch-methodisch vielfältige Lösungen für Herausforderungen“, aber Defizite bei Digitalisierung.

Hamburg.  Das ist nach aller Kritik an der schleppenden Digitalisierung der Schulen dann doch ein überraschender Befund. Die großangelegte Studie „Kontinuität und Wandel der Schule in Krisenzeiten (KWiK) kommt nach einer Zwischenauswertung zu dem Ergebnis, dass „die Schulen in der Corona-Krise auf einem guten Weg sind“.

Die Universität Hamburg, das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel sowie die International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) haben in einem ersten Schritt im Sommer und Frühherbst 2020 rund 800 Schulleiterinnen und Schulleiter von Grund- und weiterführenden Schulen befragt. Schulen in Baden-Württemberg, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg nahmen an der Studie teil. Eine länderspezifische Auswertung gibt es nicht, da die Stichprobe dafür zu klein war.

Schulleiter: Kommunikation während des ersten Lockdowns hat gut funktioniert

Im März 2020 wurden die Schulen bundesweit wegen der Pandemie geschlossen. Vor Weihnachten kam es zum zweiten Lockdown, der in Hamburg nach den Frühjahrsferien in der kommenden Woche schrittweise beendet wird. Nach Einschätzung der Befragten hat die Kommunikation während des ersten Lockdowns innerhalb des Kollegiums, aber auch mit Eltern und Schülern gut funktioniert. 39 Prozent der Schulleiter gaben an, dass alle Schüler erreicht wurden, 48,3 Prozent sagten, dass 90 Prozent erreicht wurden. Nur 3,6 Prozent der Schulleitungen berichten, dass die Lehrer mit weniger als 80 Prozent der Schüler kommunizierten.

Die Übermittlung der Lernmaterialien erfolgte in der Zeit des Fernunterrichts an Grundschulen überwiegend analog – per Post, per Telefon, durch Abholen in der Schule oder indem Lehrer die Materialien nach Hause gebracht haben. Mehr als 90 Prozent der weiterführenden Schulen gaben an, digitale Austauschplattformen benutzt zu haben, aber nur 45,9 Prozent der Grundschulen.

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„Die Schulen haben technisch-methodisch vielfältige Lösungen für die
Herausforderungen des Fernunterrichts gefunden. Was jedoch auffällt, ist, dass dialogische und kommunikative Formate im Unterschied zum Präsenzlernen nur wenig umgesetzt werden. Der Frontalunterricht erlebt ein teilweise notgedrungenes Revival“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Ingrid Gogolin, Sprecherin der Studie für die Uni.

Die Studie deckt aber auch die Defizite im Bereich Digitalisierung auf. Fast zwei Drittel der Schulleitungen gaben an, dass nach ihrem Eindruck bis zu 20 Prozent der Schüler nicht über die nötige digitale Ausstattung zu Hause verfügen. Immerhin schätzt rund die Hälfte der Befragten, dass die Mehrzahl der Eltern ihre Kinder beim häuslichen Lernen am digitalen Gerät unterstützen können.

Einige Schüler benötigen deutlich mehr Unterstützung

„Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien, Familien mit Migrationshintergrund oder mit sonderpädagogischem Förderbedarf scheinen schlechter erreicht worden zu sein. Diese Schüler benötigen deutlich mehr Unterstützung, ganz einfach angefangen mit einem digitalen Endgerät“, sagt Prof. Gogolin. Allerdings hätten die Schulen während der Wiedereröffnung zusätzliche Angebote bereitgestellt, um durch den Lockdown erlittene Verluste auszugleichen.

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