Corona-Krise

Von Hamburg abgehängt? Harburg fehlt Schnelltestzentrum

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Marc Hasse und Jette Koch
Corona-Abstrich bei einem Schnelltest. (Symbolbild)

Corona-Abstrich bei einem Schnelltest. (Symbolbild)

Foto: picture Alliance

Bei den kostenlosen Antigen-Tests ruckelt es. Einige Firmen wollen die Untersuchung später anbieten, woanders herrscht Verwirrung.

Hamburg. Die ersten Interessenten standen am Montag schon gegen 8 Uhr auf der Matte, um sich einem kostenlosen Antigen-Schnelltest zu unterziehen. Bis 16 Uhr hätten sich 133 Menschen in seiner Firma untersuchen lassen, sagte Matthias Möller, Geschäftsführer des Corona Test Centers im Streit’s Haus an der Poststraße. Zudem gebe es schon mehr als 300 Online-Buchungen für Termine in dieser und der nächsten Woche.

So groß wie hier in der City war der Andrang allerdings längst nicht in allen Hamburger Einrichtungen und Arztpraxen, die der Gesundheitsbehörde zufolge von Montag an allen Bürgerinnen und Bürgern einmal pro Woche kostenlose Corona-Schnelltest anbieten sollen. Vielmehr ruckelte es zum Start stellenweise noch, wie Abendblatt-Anfragen bei einigen der 27 Testzentrumsbetreiber zeigen, mit denen die Behörde entsprechende Vereinbarungen getroffen hatte.

Unklarheit bei Kostenübernahme der Schnelltests in Hamburg

So teilte etwa ein Testzentrumsbetreiber mit Standorten in Barmbek, Poppenbüttel und Winterhude am Montag mit, unter anderem wegen „Unklarheiten bei der Kostenübernahme“ seien noch keine kostenlosen Tests möglich. Auch ein weiterer Betreiber erklärte auf Anfrage, aus dem in der vergangenen Woche übermittelten Angebot der Stadt zur Vergütung gehe nicht eindeutig hervor, ob ein Testzentrum alle entstehenden Kosten erstattet bekomme.

Daneben haben einige Testzentren offenbar noch technische Schwierigkeiten, online Termine für kostenlose Antigen-Schnelltests anzubieten, wie sich auf Anfrage herausstellte.

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Abendblatt-Stichproben für Termine ergaben dann dementsprechend große Unterschiede bei den Verfügbarkeiten. In einem Testzentrum war ein Termin am Montag zu bekommen. Ein anderes Zentrum bot Termine für Dienstag an. Drei weitere Betreiber hatten gar keine Termine für kostenlose Schnelltests freigeschaltet und erklärten, dies erst im Lauf dieser Woche tun zu wollen.

Keine Liste mit Zentren für Tests im Bezirk Harburg

Die Gesundheitsbehörde erklärte, die Vergütung der Tests sei in einer Verordnung des Bundes festgelegt worden, die erst seit Sonntagabend vorliege. Demnach sollen 12 Euro für einen Abstrich und 6 Euro für Materialkosten vergütet werden.

Etliche Abendblatt-Leser äußerten sich am Montag in Zuschriften verärgert darüber, dass die Gesundheitsbehörde in ihrer am Sonnabend verschickten Liste keine Zentren für kostenlose Schnelltests im Bezirk Harburg aufgelistet hatte.

„Es ist schäbig von der Hansestadt, sich um diese Bewohner nicht zu kümmern. Ein richtiges Armutszeugnis“, schrieb ein Leser. Eine Leserin fragte: „Geht so Pandemiebekämpfung, wenn wichtige Bevölkerungsteile abgehängt sind oder nur mit erhöhtem Aufwand ihren Anspruch auf einen kostenlosen Covid-19-Test wahrnehmen können?“

Unterschiedliche Nachfrage bei Hamburger Hausärzten

Behördensprecher Martin Helfrich erklärte dazu am Montag, die Behörde wolle in diesen Stadtteilen so schnell wie möglich Abhilfe schaffen: „Wir werden in dieser Woche im Süderelberaum Testzentren ergänzen.“

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Die Nachfrage nach kostenlosen Schnelltests bei Hamburger Hausärzten fiel am Montag sehr unterschiedlich aus. 68 Praxen hatten sich zur Unterstützung bereit erklärt. „In manchen Praxen waren die Testtermine am Montag schnell ausgebucht, in anderen Praxen gab es gar keine Nachfrage“, sagte Dr. Jana Husemann, Vorsitzende des Hausärzteverbandes in Hamburg.

Große Belastung für Hausärzte

Husemann bat um Verständnis dafür, dass einige Hausärzte anlasslose kostenlose Antigen-Schnelltests gar nicht anbieten. Zusätzlich zu ihrer alltäglichen Arbeit müssten die Hausärzte derzeit Corona-Tests bei symptomatischen Patienten und bei Berufsgruppen wie Lehrern, Physio- und Psychotherapeuten durchführen.

„Angesichts dieser Belastung sind anlasslose Tests für manch eine Praxis nicht zu stemmen“, sagte Husemann. Wer Interesse an einem anlasslosen kostenlosen Antigen-Schnelltest bei einem Hausarzt in Hamburg habe, könne über die Rufnummer 116 117 einen Termin vereinbaren oder sollte sich in seiner Hausarztpraxis danach erkundigen.

Forscher: Britische Mutante in Hamburg bei 40 Prozent

Unterdessen ist in Hamburg keine Entspannung des Infektionsgeschehens absehbar. Wie die Gesundheitsbehörde mitteilte, wurden am Montag 196 Neuinfektionen in der Hansestadt gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, sank zwar im Vergleich zum Vortag von 82,6 auf 79,3. Sie liegt aber fast auf dem Niveau der Inzidenz vor einer Woche (80,3).

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

Die ansteckendere britische Variante des neuartigen Coronavirus breitete sich in Hamburg weiter aus: B.1.1.7 sei in der siebten Kalenderwoche für 40 Prozent von 190 untersuchten Neuinfektionen verantwortlich gewesen, sagte der Virologe Prof. Adam Grundhoff vom Heinrich-Pette-Institut am Montag dem Abendblatt. In der sechsten Kalenderwoche hatte der Anteil der Mutante bei 30 Prozent gelegen, in der fünften Kalenderwoche bei 20 Prozent.

121.158 Menschen haben Corona-Erstimpfung erhalten

Wie berichtet, bilden Forschende um Grundhoff und die Virologin Prof. Nicole Fischer vom Uniklinikum Eppendorf eine Allianz, um die Ausbreitung von Corona-Mutanten in Hamburg zu untersuchen und unbekannte Virusvarianten nachzuweisen.

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Die Zahl der Menschen, die in Hamburg an oder mit dem Virus starben, lag am Montag dem Robert-Koch-Institut zufolge unverändert bei 1312. Die Gesamtzahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern der Stadt gab die Gesundheitsbehörde mit 243 an, allerdings noch mit Stand Freitag. 114 der Betroffenen auf Normalstationen waren aus Hamburg. 87 Corona-Patienten mussten auf Intensivstationen behandelt werden, 71 dieser Patienten waren aus Hamburg.

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Inzwischen haben 121.158 Menschen in Hamburg eine Corona-Erstimpfung erhalten, 61.786 sind ein zweites Mal geimpft worden. Der Sprecher der Gesundheitsbehörde stellte auf Nachfrage klar, dass auch Inhaber von Arzt- und Therapeutenpraxen (nicht nur deren Angestellte) jetzt ein Recht auf eine Impfung haben.

Zuvor hatte eine selbstständige Logopädin gegenüber dem Abendblatt erklärt, sie sei nach einer geprüften Terminvergabe im Impfzentrum in den Messehallen abgewiesen worden mit der Begründung, sie sei keine Angestellte.

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