Corona

Kostenlose Schnell- und vergriffene Selbsttests in Hamburg

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Solche Corona-Schnelltests sollen allen Hamburgern ab Montag einmal wöchentlich kostenlos angeboten werden.

Solche Corona-Schnelltests sollen allen Hamburgern ab Montag einmal wöchentlich kostenlos angeboten werden.

Foto: imago images/Future Image

Discounter Aldi verspricht schnellen Nachschub, Hamburg will kostenlose Tests bereitstellen. Manuela Schwesig kritisiert "Verramschen".

Hamburg. Kostenlose Schnelltests und schnell vergriffene Selbsttests bestimmten die Diskussion über den Umgang mit dem Coronavirus am Wochenende: Der Discounter Aldi hat am Sonnabend bundesweit als Erster Schnelltests für den Hausgebrauch in Umlauf gebracht, parallel kündigte die Stadt Hamburg an, von Montag an die ersten kostenlosen Antigen-Tests in Testzentren und Hausarztpraxen zur Verfügung zu stellen.

In beiden Fällen handelt es sich um Antigen-Schnelltests, die sich aber in der Handhabung unterscheiden: Während die Proben bei den Selbsttests aus dem vorderen Rachenraum entnommen werden, entnimmt bei den konventionellen Schnelltests geschultes Personal einen Abstrich aus dem hinteren Nasen- oder Rachenraum. Zur Auswertung der Probe ist in beiden Fällen kein Labor notwendig.

Selbsttests ausverkauft – Aldi verspricht: "Nachschub kommt"

In vielen Aldi-Fililalen in Hamburg waren die Bestände bereits am frühen Sonnabendmorgen ausverkauft – obwohl die Abgabemenge der Pakete mit jeweils fünf Tests pro Kunde begrenzt war. Große Schilder an den Eingängen wiesen Kunden darauf hin, dass die Corona-Tests vorerst nicht mehr verfügbar seien.

Tatsächlich hatten die Märkte aufgrund der "sehr herausfordenden" Beschaffung "nur eine sehr begrenzte Menge" von Schnelltests im Angebot, so ein Aldi-Nord-Sprecher am Sonnabend auf Abendblatt-Anfrage. "Auch wenn wir im Vorfeld immer betont haben, dass der Artikel schnell ausverkauft sein kann, bitten wir die Kunden um Verständnis, die am heutigen Samstag leer ausgegangen sein sollten und versichern: Nachschub kommt. In den nächsten Tagen werden unsere Märkte bereits mit neuer Ware beliefert."

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„Wir appellieren hier auch wieder ein Stück weit an die Solidarität unserer Kunden“, hatte der Deutschlandchef von Aldi Nord, Nicolás de Lope, bereits am Freitag dem Sender RTL/ntv gesagt. Eine Packung mit fünf Tests kostet rund 25 Euro. De Lope erklärte dazu: „Ich kann Ihnen versichern, dass wir das zum Selbstkostenpreis verkaufen und dass wir daran so gut wie nichts verdienen.“

Corona-Selbsttests: Schwesig kritisiert Bund und Aldi

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) übte am Sonnabend harsche Kritik an der Bundesregierung und den Discountern: "Ich will an dieser Stelle nicht verhehlen, dass ich sehr verärgert bin darüber, dass der Bund es zulässt, dass zunächst Aldi und Co. Selbsttests verramschen können und wir die Selbsttests erst Mitte März geliefert bekommen."

Kanzleramts-Chef Helge Braun hatte im Gespräch mit dieser Zeitung bereits zuvor mit Blick auf Schnelltests betont, dass die Anschaffung nicht in die Verantwortung des Bundes falle: "Das ist die Aufgabe der Länder selbst. Der Bund bezahlt, aber er schafft nicht die Infrastruktur – und er schafft die Tests auch nicht an. Man kann sie am Markt jetzt kaufen."

Auch der Konkurrent Lidl und die Supermärkte von Rewe und Edeka wollen bald mit dem Verkauf von Selbsttests in ihren Filialen beginnen. Die Drogeriemarkt-Ketten Rossmann und dm planen den Start für Dienstag. Apotheken wollen die Produkte ebenfalls anbieten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte am 24. Februar die ersten Sonderzulassungen für Tests zur Eigenanwendung durch Laien erteilt.

Corona-Schnelltests: Hamburg beginnt mit kostenlosem Angebot

In Hamburg beginnt am Montag die Bereitstellung von kostenlosen Schnelltests für alle: Für die neue Teststrategie habe der Senat bisher 27 der bereits in Hamburg ansässigen Testzentren und 18 Apotheken sowie 67 Hausarztpraxen gewinnen können, teilte die Gesundheitsbehörde am Wochenende mit.

Sie hätten zusammen eine Kapazität von mehr als 25.000 Antigen-Schnelltests pro Tag sowie für 14.000 gegebenenfalls erforderliche Nachtestungen mit PCR-Tests. Das Angebot solle schrittweise ausgebaut werden. Für den Test in einem der Zentren ist laut Behörde eine Anmeldung erforderlich, die online über die Website des jeweiligen Anbieters vorgenommen werden könne. Terminvereinbarungen für Schnelltests in einer der Hausarztpraxen können online oder telefonisch unter 116 117 getroffen werden.

Corona-Schnell- und Selbsttests: Was das Ergebnis aussagt

Einzelheiten zu der Teststrategie und anderen Corona-Fragen sind online unter www.hamburg.de/corona zu finden. In der kommenden Woche würden dort auch die Apotheken-Standorte veröffentlicht, hieß es. Die Übersicht der Stadt, welche Testzentren am Schnelltest-Programm teilnehmen, stellt das Abendblatt Ihnen hier zur Verfügung. Hamburg setzt mit dem Angebot den Beschluss der Regierungschefs von Bund und Ländern vom vergangenen Mittwoch um, allen Bürgern einmal wöchentlich einen kostenlosen Test zur Verfügung zu stellen.

Für beide Formen des Antigen-Tests gilt: Ein negatives Testergebnis stellt zum einen nur eine Momentaufnahme dar - zum anderen entbindet es nicht von den Corona-Regeln. Ein positives Ergebnis muss durch einen PCR-Test bestätigt werden: Bis das zweite Testergebnis vorliegt, ist man verpflichtet, sich in Quarantäne zu begeben. Ist der PCR-Test ebenfalls positiv, wird das Gesundheitsamt durch das Labor informiert, das den PCR-Test ausgewertet hat.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).
( mit dpa/AFP )

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