Hamburg

Einkaufszentren zeigen der Politik die roten Lampen

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Corona-Lockdown: Die Hamburger Europa Passage erstrahlt am Montagabend in rotem Licht.

Corona-Lockdown: Die Hamburger Europa Passage erstrahlt am Montagabend in rotem Licht.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

"Die Branche blutet aus." Einzelhändler wollen am 8. März wieder öffnen. Viele Händler hätten sogar ihre Altersvorsorge aufgebraucht.

Hamburg. Passanten dürften sich gewundert haben: Am Montag, um 18 Uhr, leuchteten die Schaufenster der Geschäfte und Gastronomiebetriebe mehrerer Hamburger Einkaufszentren in rotem Licht. Bevor die Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin am Mittwoch erneut über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten, wollten die Betreiber ein Zeichen setzen: Der Einzelhandel ist bedroht und damit eine Vielzahl an Arbeitsplätzen. An der Licht­aktion beteiligten sich neben dem Phoenix-Center Hamburg-Harburg und dem Billstedt Center, die Europa Passage und das Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ).

Angestoßen hat die Aktion die Initiative „Das Leben gehört ins Zentrum“ – gegründet von neun Handelsketten, darunter die Buchhandlung Thalia und der Schuhhändler Deichmann. Die Initiative, die mittlerweile von zahlreichen weiteren Unternehmen der Handelsbranche unterstützt wird, will auf die kritischen Auswirkungen des andauernden Lockdowns für den Einzelhandel aufmerksam machen. Sie fordert eine Öffnung des Einzelhandels zum 8. März.

Hamburg: Rotes Licht in den Einkaufszentren

Der Beschluss der vergangenen Ministerpräsidentenkonferenz sieht jedoch erst eine Öffnung des Einzelhandels ab einer Inzidenz von 35 pro 100.000 Einwohnern vor. Neben der Inzidenz gebe es noch weitere Faktoren, die für eine Öffnung entscheidend seien, wie die rückläufige Zahl von Corona-Patienten in den Krankenhäusern und das Voranschreiten des Impfprogramms, so die Initiative.

Jörg Harengerd, Center Manager der Europa Passage, sieht den Handel in Lebensgefahr. Einige Ladeninhaber hätten bereits signalisiert, dass sie nach dem Lockdown nicht wieder öffnen könnten. Viele Händler hätten ihre Altersvorsorge aufgebraucht und bäten darum, ausstehende Summen in Raten zu zahlen, da sie sie anders nicht bedienen könnten. Laut Harengerd ist der Schaden für die Gastronomie und den Handel bei Nicht-öffnung größer als bei Öffnung mit Hygienekonzept. Die Politik müsse jetzt handeln, sonst habe sie bei andauerndem Lockdown viele Insolvenzen zu verantworten. Die Städte und der Handel bluteten aus.

„Werden keine Öffnungskonzepte entwickelt, wird der Leerstand von Verkaufsflächen in der Innenstadt anwachsen“, befürchtet Harengerd. Er plädiert für eine vorsichtige Öffnung mit Hygienekonzepten. Ein sechsfacher Luftwechsel, keimfreie Oberflächen und ein Ampelsystem, das die Anzahl der Personen im Gebäude reguliert, könne verhindern, dass der Einzelhandel zum Infektionsherd werde.

( hspmk/hspjk )

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