Pandemie

Corona-Tests: Auf dem Kiez wird gegurgelt – und gespuckt

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Friederike Ulrich
Axel Strehlitz mit den Utensilien für den Spuck-Test.

Axel Strehlitz mit den Utensilien für den Spuck-Test.

Foto: Friederike Ulrich

Unternehmer Axel Strehlitz validiert auf eigene Rechnung 1000 Schnelltests – und hofft, dass er sie künftig sogar gratis anbieten kann.

Hamburg. Mit seinen günstigen PCR-Gurgeltests hat der Kiez-Unternehmer Axel Strehlitz schon von sich reden gemacht. Mehr als 40.000 Menschen haben sich in seinem Testzentrum auf dem Spielbudenplatz bereits für 24,95 Euro testen lassen – laut Strehlitz derzeit wohl das günstigste Angebot in Europa. Betreut werden die Kunden dabei von 30 seiner mehr als 100 Angestellten, die ohne Lockdown unter anderem in der Panik-City, der Wunderbar, dem Restaurant Dorf oder dem Musikclub Bahnhof Pauli tätig wären.

Strehlitz und sein Geschäftspartner Heiko Fuchs bieten das (technische) Know-how ihres neuen Unternehmens Corona-Freepass mittlerweile in Bremen, Berlin, Dresden und Hannover – jeweils mit Kooperationspartnern, die ebenfalls aus der Kulturbranche kommen.

Außergewöhnliche Idee

Nun möchten die beiden Hamburger den Corona-Test-Markt erneut mit einer außergewöhnlichen Idee bereichern: Von einem deutschen Importeur haben sie gerade 1000 chinesische Antigen-Schnelltests gekauft – nicht die, bei denen Wattestäbchen in Rachen oder Nase eingeführt werden, sondern welche, bei denen man in ein Tütchen spuckt. „Wir möchten untersuchen, wie gut diese Schnelltests sind und ob sie in der Alltagsanwendung halten, was der Hersteller aus China verspricht“, sagt Strehlitz.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Für das Prozedere benötigt man vier Utensilien: ein kleines Papiertütchen, eine Pipette, um das Sputum aufzusaugen, einen kleinen Behälter mit einer Pufferlösung, in den das Sputum gefüllt wird, und eine Test-Kartusche, auf die die – vorher gut geschüttelte – Lösung aufgetragen wird. Dort erscheint dann bei einem negativen Ergebnis, ein farbiger Streifen, bei einem positiven Ergebnis sind es zwei.

Spuck-Test hat eine Sensitivität von 97,5 Prozent

Die Zuverlässigkeit des Spuck-Tests wird vom Hersteller mit einer Sensitivität von 97,5 (so viele positive Fälle werden richtig erkannt) und einer Spezifität von 99,4 (so viele negative Fälle werden richtig erkannt) angegeben. Ob das stimmt und ob die Ergebnisse des Spuck-Tests mit denen seiner zu 100 Prozent zuverlässigen PCR-Gurgeltests übereinstimmen, möchte Strehlitz mit Unterstützung seiner Kunden rausfinden. „Wir bitten einfach alle, die bei uns gurgeln, auch den – natürlich für sie kostenfreien – Spuck-Test zu machen.“

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 6532 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 199.955), 450 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 65), 2059 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1617,6 (Stand: Freitag).
  • Schleswig-Holstein: 5415 neue Corona-Fälle (180.911), 315 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 58). 1932 Todesfälle (+4). Sieben-Tage-Wert: 896,1, Hospitalisierungsinzidenz: 5,87 (Stand: Donnerstag).
  • Niedersachsen: 11.332 neue Corona-Fälle (541.564), 136 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung in Krankenhäusern, 7039 Todesfälle (+10). Sieben-Tage-Wert: 571,2; Hospitalisierungsinzidenz: 6,1 (Stand: Freitag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 2424 neue Corona-Fälle (126.652), 257 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1607 Todesfälle (+4), Sieben-Tage-Wert: 737,7; Hospitalisierungsinzidenz: 5,9 (Stand: Freitag).
  • Bremen: 1941 neue Corona-Fälle (73.950), 163 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 21), 623 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1294,0; Bremerhaven: 1369,4; Hospitalisierungsinzidenz Bremen: 14,83, Bremerhaven: 14,97 (Stand: Freitag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

Während die Gefäße mit den Gurgel-Lösungen zweimal am Tag in ein Labor nach Sachsen-Anhalt gebracht und dort untersucht werden, werten die Corona-Freepass-Mitarbeiter die Spuck-Tests gleich vor Ort aus. Bei positiven Ergebnissen wird gleichzeitig das Gesundheitsamt informiert.

Täglich 300 bis 600 Kunden im Testzentrum

In wenigen Tagen wird Strehlitz, dessen Testzentrum täglich 300 bis 600 Kunden aufsuchen, Gewissheit haben. Dann wird er entscheiden, welchen Antigentest er neben seinen PCR-Gurgeltests künftig anbieten wird. Dass er auch die Schnelltests sehr günstig anbieten wird, steht für ihn bereits fest. Spielen die Hamburger Behörden mit, müssten seine Kunden eventuell gar nichts zahlen; vorausgesetzt, die Kosten für die Beschaffung und die Durchführung – seiner Meinung nach insgesamt 18 Euro – würden ihm vom Gesundheitsamt erstattet.

Er habe den verschiedenen involvierten Behörden seine Unterstützung bereits angeboten, so Strehlitz. Reagiert habe bislang noch niemand. Das versteht er nicht. „Wir brauchen eine Strategie, um unser altes Leben wieder zurückzuerhalten. Weil ich mir selber nichts mehr als das wünsche, habe ich das hier ja alles entwickelt“, sagt Strehlitz und weist auf das aus Containern bestehende Testzentrum.

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„Wir haben hier die Expertise und die Technik, um sowohl den Kunden als auch gegebenenfalls den Gesundheitsämtern die Ergebnisse mitzuteilen. Zudem haben wir ein Konzept, um positive Schnelltests durch eine PCR-Analyse zu überprüfen. Ich würde das gerne zur Verfügung stellen.“

Die AHAL-Regeln gegen Corona: So verringern sie das Ansteckungsrisiko

  • Abstand halten: Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Hygiene: Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund, waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife und achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Im Alltag Maske tragen: Auch wo die (erweiterte) Maskenpflicht nicht gilt, ist es empfehlenswert, sich und andere vor Ansteckung zu schützen. FFP2-Masken oder OP-Masken bieten Schutz vor Ansteckung
  • Lüften: Wenn Sie sich mit anderen Personen in einem Raum aufhalten, lüften Sie regelmäßig, um das Risiko einer erhöhten Viruskonzentration in der Raumluft zu verringen
  • Außerdem: Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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