Kontaktnachverfolgung

Trotz Kritik: Hamburg hält an eigener Corona-Software fest

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Bei der Kontaktnachverfolgung geht Hamburg einen Sonderweg: Die Hansestadt setzt weiter auf ihren eigenen „Hamburg Pandemie Manager“ (HPM).

Bei der Kontaktnachverfolgung geht Hamburg einen Sonderweg: Die Hansestadt setzt weiter auf ihren eigenen „Hamburg Pandemie Manager“ (HPM).

Foto: picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt

Der Senat plant weiterhin nicht, vollständig auf das bundesweit einheitliche System umzusteigen. Das sagt die Sozialbehörde.

Hamburg. Um das Infektionsgeschehen in Hamburg kontrollieren zu können, spielt die Kontaktnachverfolgung weiter die zentrale Rolle – bei der technischen Ausstattung gibt es jedoch anhaltende Kritik an einem „Sonderweg“ des Senats. Hintergrund: Trotz entsprechender Vorgaben des Bundes, möglichst die Software SORMAS zur Kontaktverfolgung zu nutzen, setzt die Hansestadt weiter auf ihren eigenen „Hamburg Pandemie Manager“ (HPM).

Wie jetzt eine Senatsanfrage der FDP-Abgeordneten Anna von Treuenfels in der Bürgerschaft ergab, plant der Senat weiterhin nicht, vollständig auf das bundesweit einheitliche System umzusteigen. „Der HPM auf die Anforderungen der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) zugeschnitten und verfügt derzeit über ein umfangreicheres Leistungsspektrum als die aktuelle Version von SORMAS“, heißt es zur Begründung. Die Entwicklung des eigenen Systems hat 210.000 Euro gekostet, hinzu kamen allein im Jahr 2020 rund 105.000 Euro an Servicekosten.

Kontaktnachverfolgung: Hamburg bleibe starrköpfig bei Sonderweg

Die FDP kritisiert, dass Hamburg sich mit seiner „Insellösung“ die Kontaktverfolgung unnötig schwer mache. Schließlich wird in allen umliegenden Bundesländern SORMAS genutzt – und Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) hatte zuletzt selbst betont, dass insbesondere Pendler ein Treiber der wieder steigenden Infektionszahlen in Hamburg sind.

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„Die Stadt bleibt starrköpfig bei ihrem Sonderweg. Die Frage ist, ob wir uns das angesichts der Lage und einer möglicherweise bevorstehenden dritten Welle noch leisten können“, sagte die FDP-Bezirksabgeordnete Katharina Blume aus Altona.

Sozialbehörde: "Softwareumstellungen kosten Zeit und Energie“

Wie die Sozialbehörde auf Anfrage des Abendblatts bestätigte, gibt es bislang tatsächlich noch keine funktionierende Schnittstelle zu SORMAS. Diese werde nun auf der Bundesebene entwickelt. „Der HPM wird dadurch in der Lage sein, Daten mit dem SORMAS-System auszutauschen“, sagte der Behördensprecher Martin Helfrich.

Bereits jetzt wird der HPM aber als sehr funktionabel und ausreichend angesehen. „Wir wollen unsere Energie investieren, um gute Pandemiebekämpfung zu leisten, Kontakte nachzuverfolgen und wichtige Aufgaben der Gesundheitsämter zu erledigen. Umfangreiche Softwareumstellungen kosten Zeit und Energie“, sagte Helfrich. Er betonte auch, dass der HPM bereits seit dem Frühjahr 2020 eingesetzt wird, als SORMAS noch gar nicht zur Verfügung gestanden habe. Man rechne damit, dass die Schnittstelle nun bis Ende März zur Verfügung stehe.

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Nach Abendblatt-Informationen gab es auch in Reihen der Grünen zuletzt Bedenken, ob die eigene Software in Hamburg sinnvoll sei. Auf Anfrage begrüßte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, Michael Gwosdz, dass mit der neuen Schnittstelle der Datenaustausch leichter werde. „Gleichzeitig kann das umfangreichere Leistungsspektrum des Hamburger Pandemiemanagers (HPM) weiter genutzt werden. Wichtig ist, dass es statt vieler Insellösungen eine bundesweite Lösung gibt.“

( jmw/crh )

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