Schule in Hamburg

Ties Rabe gibt Eltern Mitschuld an langsamer Digitalisierung

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Schulsenator Ties Rabe bei einer Pressekonferenz im Hamburger Rathaus (Archivfoto).

Schulsenator Ties Rabe bei einer Pressekonferenz im Hamburger Rathaus (Archivfoto).

Foto: dpa

Schulsenator berichtet von Sorgen, dass WLAN den Kindern das "Gehirn zerstrahlt" – und wirbt nun um Verständnis für einen "Kraftakt".

Hamburg. Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat sich gegen Vorwürfe einer zu langsamen Digitalisierung der Hamburger Schulen verteidigt und dabei Eltern und Schülern eine Mitschuld am anfangs zögerlichen Ausbau gegeben.

"Wir haben uns in Hamburg in den letzten Jahren kraftvoll um die Digitalisierung bemüht", sagte der Senator im aktuellen Podcast "Wie ist die Lage?" der Hamburger Morgenpost. Aber es habe in der Hansestadt massenhaft Widerstände gegeben. So hätten Schüler und Eltern etwa Bedenken wegen des Datenschutzes gehabt, so der Senator weiter.

Digitalisierung: Sorge über WLAN bei den Eltern

"Und die Frage, ob Wireless LAN nicht das Gehirn zerstrahlt, habe ich in zahlreichen Elternbriefen beantworten müssen", sagte Rabe. "Also so ist das auch nicht, dass Deutschland die Digitalisierung in den vergangenen Jahren mit großer Leidenschaft vorantreiben wollte. Und die Quittung haben wir jetzt.“

Generell warb Rabe um Verständnis darum, dass die umfassende Digitalisierung der Hamburger Bildungseinrichtungen einen erheblichen Kraftakt darstelle. Die Schule sei keine kleine Firma, "in der man mal ein Kabel verlegt". Hier müsse man ein "riesengroßes Unternehmen" umstellen und dies unter Berücksichtigung aller Beteiligter.

Schulen und Lehrer kritisieren Rabe

Im Januar hatten Hamburger Schulen und die Gewerkschaft GEW den Senator in einem Offenen Brief heftig wegen des Umgangs mit der Corona-Pandemie kritisiert und dabei auch Missstände im digitalen Bereich angeprangert.

Hier hänge Hamburg hinterher, so der Vorwurf: „… die meisten Schulen verfügen noch nicht einmal über eine ausreichend starke Internetverbindung.“ Davon abgesehen reiche die Ausstattung mit Hardware ohnehin nicht aus. Was die Schulen bräuchten, seien digitale Hausmeister und IT-Fachleute.

WLAN-Versorgung hat sich deutlich verbessert

Aus der Sicht des Senators hat die Schule hingegen schon große Fortschritte bei der Digitalisierung gemacht. Schwachpunkte seien allerdings unter anderem die veralteten Server, die in einzelnen Schulen statt einer Cloud-basierten Lernsoftware zur Anwendung kämen, sowie die Kapazitäten im Glasfasernetz der Stadt, erklärte Rabe im Januar.

Die Zahl der staatlichen Schulen mit WLAN-Anschluss hat sich im Vergleich zu der Zeit vor der Corona-Pandemie deutlich erhöht: von 61 auf 266 laut den Zahlen aus dem Januar. Das entspricht einem Sprung von 16 auf 72 Prozent. Störungen bei den Videokonferenzen des Homeschoolings führte die Schulbehörde zuletzt auf Probleme des Schulplattform-Anbieters IServ zurück.

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Der Anspruch Rabes ist, bei der Digitalisierung der Schulen bundesweit unter den "ersten Drei" zu sein. "Und da hat mir noch keiner bewiesen, dass das nicht so ist", so der Senator im aktuellen Podcast.

( bob/HA )

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