Versuchter Totschlag

Vom Nachbarn angefahren: Mann schildert Schikane in Sülldorf

| Lesedauer: 3 Minuten
Ein 55-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Hamburg wegen versuchten Totschlags verantworten. Er hatte einen Nachbarn absichtlich mit dem Auto angefahren (Symbolbild).

Ein 55-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Hamburg wegen versuchten Totschlags verantworten. Er hatte einen Nachbarn absichtlich mit dem Auto angefahren (Symbolbild).

Foto: picture alliance / xim.gs | xim.gs

Nach der Attacke liegt Jan E. 16 Tage in einer Klinik. Er hat eine Vermutung, warum sein Nachbar solche Aggressionen gegen ihn hegte.

Hamburg. Reue sähe wohl anders aus. Nachdem er seinen Nachbarn mit dem Auto angefahren, mit der Wagenfront an einem Zaun eingeklemmt und schwer verletzt hatte, stand Michael S. da, die Hände in die Hüften gestemmt. Und dann formte er eine Hand zu einer Pistole.

Dieses Bild zumindest hat jener Mann in Erinnerung, der von dem 55-Jährigen mit dem Auto attackiert wurde. Der Zusammenstoß Fahrzeug gegen Fußgänger ist der vorläufige Höhepunkt eines Streits unter Menschen, die in enger Nachbarschaft wohnen. Versuchter Totschlag lautet der Vorwurf gegen Michael S. wegen des Vorfalls vom 18. August vergangenen Jahres.

Nachbarn in Sülldorf angefahren – oder nur ein "Stoß"?

Der arbeitslose Physiker, der in Untersuchungshaft sitzt, hatte am ersten Prozesstag vor dem Schwurgericht beteuert, er habe seinem Widersacher lediglich „einen kleinen Stoß versetzen“, ihm „einen Schreck einjagen“ wollen, als er an jenem Tag mit dem Auto auf ihn zusteuerte. „Ich hatte nie die Absicht, ihn zu verletzen, geschweige denn, ihn zu töten“, hatte der Hamburger gesagt. Die Anklage wirft ihm indes vor, er sei „mit Vollgas“ auf das Opfer zugesteuert.

Laut Schilderung von Jan E., der nach dem Zusammenstoß wegen schwerster Beinverletzungen 16 Tage lang in einer Klinik behandelt werden musste, sorgt der Angeklagte Michael S. schon seit mehr als fünf Jahren für Konflikte in der Sülldorfer Reihenhaussiedlung, wo beide wohnen. Jan E. war mehrere Jahre lang Vorsitzender eines Vereins, in dem viele Angelegenheiten der Siedlung geregelt werden – und damit offenbar für Michael S. ein rotes Tuch.

Hundekot, Baseballschläger und zerstochene Reifen

Zunächst ging es Michael S. bei der Genehmigung eines geplanten Hausanbaus wohl nicht schnell genug. „Wenige Wochen später kamen die ersten Vorfälle“, erinnert sich Zeuge Jan E. Er habe Hundekot an seiner Haustür vorgefunden und Unrat auf dem Parkplatz. Eines Abends habe Michael S. kurz vor Mitternacht so aggressiv an seiner Haustür gepoltert, dass Jan E. sich genötigt sah, den Nachbarn mit einem Baseballschläger auf Abstand zu halten. „Das war reiner Selbstschutz“, so der 49-Jährige. Später seien bei seinem Wagen die Reifen zerstochen worden.

Lesen Sie auch:

Am 18. August schließlich seien er und Michael S. schon morgens in Streit geraten, in dessen Folge der Angeklagte ihm einen Schlag gegen den Hals versetzt habe. „Ich holte nun mein Handy raus, weil ich dokumentieren wollte, was auch immer jetzt passiert“, erzählt Jan E. Michael S. sei nun in sein Auto gestiegen. „Dass er in dem Moment Vollgas gibt, war für mich undenkbar.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

( bem )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg