Prozess in Hamburg

Kokainhandel: Statt dickem Geld droht lange Freiheitsstrafe

| Lesedauer: 3 Minuten
Bettina Mittelacher
Vor dem Landgericht Hamburg begann der Prozess gegen zwei mutmaßliche Drogendealer (Symbolbild).

Vor dem Landgericht Hamburg begann der Prozess gegen zwei mutmaßliche Drogendealer (Symbolbild).

Foto: Peter Steffen / dpa

Auf der Anklagebank sitzt mit Albert X. ein wegen Mordes vorbestrafter Mann. Schon damals ging es um Drogengeschäfte auf dem Kiez.

Hamburg. Sie wollten offenbar das dicke Geld mit Kokainhandel verdienen. Doch statt eines erklecklichen Gewinns steht zwei mutmaßlichen Drogendealern jetzt eine lange Zeit im Gefängnis bevor.

In einem Prozess vor dem Landgericht Hamburg gegen die Angeklagten Albert X. (50) und Horald C. (31) wurde jetzt eine sogenannte Verständigung erzielt, wonach Albert X. eine Haftstrafe von rund zehn Jahren zu erwarten hat. Der jüngere der beiden Männer wird voraussichtlich für etwa sieben Jahre hinter Gitter kommen.

Verdächtige kommunizierten über "abhörsicheres" System

Auf die Verdächtigen waren Polizei und Staatsanwaltschaft im Rahmen sogenannter EncroChat-Ermittlungen gestoßen. EncroChat ist ein fast ausschließlich von Kriminellen genutztes Handykommunikationsnetzwerk, das lange Zeit als abhörsicher galt. Deshalb wurden Verbrechen wie Drogenhandel, Erpressung oder geplante Mordaufträge vorzugsweise auf diesem Weg verabredet und ungewohnt offen darüber kommuniziert. Schließlich gelang es aber Ermittlern, in diese verschlüsselten Netzwerke einzudringen.

So sind in den vergangenen Monaten etliche Verdächtige verhaftet worden, viele davon in Hamburg. Ein Ermittler hatte den Coup eine „ganz dicke Goldader“ genannt – ein massiver Schlag gegen das organisierte Verbrechen. Auch Albert X. und sein mutmaßlicher Komplize Harald C. haben offenbar auf das vermeintlich abhörsichere EncroChat vertraut.

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Ihnen wird seit vergangener Woche der Prozess gemacht, weil sie von bislang unbekannten Lieferanten insgesamt gut hundert Kilogramm Kokain erhalten und später weiterverkauft haben sollen. Dabei sollen sie einen Preis von mindestens 29.000 Euro pro Kilo erzielt haben. Albert X., der zum Prozessauftakt angegeben hat, er sei Mechaniker, ist diesem Beruf bisher in seinem Leben wohl eher wenig nachgegangen. Vielmehr war er schon früher an Drogengeschäften beteiligt, die in blutige Verteilungskämpfe rivalisierender Gruppen um eine Vorherrschaft auf dem Kiez mündeten.

Albert X. soll einen Mann einst gezielt hingerichtet haben

Im Zusammenhang mit dieser brutalen Fehde war es den 90er Jahren zu mehreren Schießereien gekommen. Bei einem dieser Kämpfe war am 12. Dezember 1994 in Altona ein unbeteiligter Kaufmann ermordet worden. Der Täter: Albert X., über den das zuständige Gericht später urteilte, er habe das Opfer „gezielt in den Kopf, wie bei einer Hinrichtung“ getötet. Der damals 25-jährige X. erhielt dafür eine lebenslange Freiheitsstrafe.

2013 wurde er auf Bewährung freigelassen. Gut zwei Jahre, nachdem ihm schließlich im Mai 2018 die Reststrafe erlassen wurde, soll Albert X. mit den neuen Kokaingeschäften wieder straffällig geworden sein.

Umfassende Geständnisse beschleunigen Prozess

Für den jetzigen Prozess gegen den 50-Jährigen und seinen mutmaßlichen Komplizen hat die Kammer bislang sechzehn Verhandlungstage bis Anfang Mai terminiert. Doch jetzt könnte das Verfahren deutlich schneller abgeschlossen werden. Im Gegenzug zu umfassenden Geständnissen wurde Horald C. eine Strafe zwischen 6 Jahren, 8 Monaten und 7 Jahren, 8 Monaten zugesichert. Auf den wegen Mordes vorbestraften Albert X. kommt eine Strafe zwischen neuneinhalb und zehneinhalb Jahren zu.

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