Hamburg

Veddel: Stadtteil mit Goldhaus, aber ohne Supermarkt

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Katy Krause
Bei dem Goldhaus mit vergoldeter Fassade auf der Veddel handelt es sich um ein Werk des Künstlers Boran Burchhardt.

Bei dem Goldhaus mit vergoldeter Fassade auf der Veddel handelt es sich um ein Werk des Künstlers Boran Burchhardt.

Foto: picture alliance/Christian Ohde

Auch Post und Drogerie gibt es nicht. Infrastruktur riesiges Problem. Öffnung des einzigen Supermarktes nach Brand verzögert sich.

Hamburg. So golden wie das gestrichene Wohnhaus in der Sonne glänzt, so düster steht es um die Nahversorgung in diesem Hamburger Stadtteil. Denn wer auf der Veddel lebt, braucht entweder starke Nerven oder ein Auto. Und das scheint sich auch auf längere Sicht nicht zu ändern. Im Gegenteil.

Hier auf den Elbinseln gibt es keine Postfiliale, keinen Drogeriemarkt und die ärztliche Grundversorgung ist mangelhaft. Während andernorts Hamburger beim Einkaufen die Qual der Wahl haben, bescheinigt ein Gutachten dem wachsenden Wohnviertel eine Unterversorgung besonders im Bereich Lebensmittel – und das war noch bevor der einzige Supermarkt Mitte Dezember abbrannte. Wäre das nicht schon schlimm genug, verzögert sich die für Anfang Februar vorgesehene Eröffnung deutlich.

Veddel: Neuöffnung des abgebrannten Supermarktes für Mitte März geplant

Wie berichtet, war in der Nacht zum 14. Dezember ein Feuer im Unterstand für die Einkaufswagen ausgebrochen. Es breitete sich schnell aus. Als Feuerwehr und Polizei eintrafen, stand bereits der gesamte Eingangsbereich der Penny-Filiale in Flammen. Der Brand drohte auf das Dach eines angrenzenden Hotels überzugreifen. Gäste und Mitarbeiter wurden in Sicherheit gebracht. Niemand wurde verletzt. Allerdings zerstörte das Feuer den Eingangsbereich und Teile des Daches des Penny-Markts. Die Filiale ist seither geschlossen.

Ursprünglich sahen die Planungen vor, dass die Filiale nach einer Sanierung am 5. Februar wieder eröffnet werden kann. Doch daraus wird nichts. Nach Abendblatt-Informationen geht das Unternehmen derzeit von einer Eröffnung im März aus. Stichtag ist somit nun der 11. März.

Statik wurde durch den Brand in Mitleidenschaft gezogen

Wie Pressesprecherin Katrin Meyer für Penny am Freitag erklärte, gehe man derzeit davon aus, den Markt voraussichtlich Mitte März wieder zu eröffnen, "wenn uns alle Zulieferer planmäßig beliefern". Grund für die Verzögerung sei demnach, dass die Statik des Marktes durch den Brand in große Mitleidenschaft gezogen wurde und die Lieferzeit für die Ersatzteilbeschaffung entsprechend langwierig sei. "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Wiedereröffnung unseres Penny-Marktes", so Meyer. Aber bis dahin gibt es weiterhin keinen Supermarkt auf der Veddel.

Rollender Tante-Emma-Laden steuert nun die Veddel an

Auf Initiative der Bezirkspolitiker hat das Amt mit dem rollenden Tante-Emma-Laden zumindest einen kleinen Ersatz geschaffen. "Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt und mit Uwe Maas und seinem rollenden Tante-Emma-Laden einen ungewöhnlichen, völlig unbürokratischen Weg gefunden", sagt Falko Droßmann, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte. Allerdings steuert der Wagen die Veddel nur einmal die Woche an – und zwar steht er donnerstags von 13 Uhr an auf dem Parkplatz hinter dem Penny am Sieldeich.

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Ansonsten helfen die Bewohner sich selbst. So bietet die SPD einen Einkaufsservice an, erreichbar unter 040/21 99 10 66, Montag bis Freitag zwischen 10 und 11 Uhr, und auch eine Anwohnerinitiative hat ein solches solidarisches Angebot ins Leben gerufen, angesiedelt an der Poliklinik. Die Hotline ist von Dienstag bis Freitag, 10 bis 12 Uhr (außer an Feiertagen), unter 0176/61 03 81 97 erreichbar.

Hausgemachtes Problem, Pläne für neuen Supermarkt liegen vor

"Das Angebot wird gut wahrgenommen", sagt Klaus Lübke, SPD-Mitglied und Kümmerer vor Ort. Besonders betroffen seien diejenigen, die mobil eingeschränkt seien. Die Älteren aber auch diejenigen, für die ein Busticket zum Einkaufen teuer sei. "Die Menschen auf der Veddel halten aber zusammen. Sie sind nicht sozial-schwach, sondern haben bloß nicht so viel Geld", erklärt er. Doch für den langjährigen Politiker ist das Ganze vor allem eines: ein großes Ärgernis. Denn aus seiner Sicht hätte man dieses Problem nie haben müssen.

Schon seit sechs Jahren liegen laut Lübke im Bezirk abgestimmte Pläne vor, die den Bau eines Versorgungszentrums auf einer Fläche im Norden vorsahen. Im Freihafen sollte demnach ein Gebäude entstehen, das Platz für eine Drogerie, einen weiteren Supermarkt sowie ein Ärztehaus geboten hätte. Dann seien plötzlich Rampen, Zäune und ein Haus unter Denkmalschutz gestellt worden.

SPD-Politiker kritisiert Senat: "Man hört uns nicht zu"

"Überall in Hamburg wird abgerissen, vor allem wenn Investoren dahinter stecken. Doch hier soll es plötzlich mutig sein, auch mal etwas stehen zu lassen", kritisiert Lübke. Auch eine weitere mögliche Fläche sieht die Behörde für Stadtentwicklung nun für den Bau einer neuen Sporthalle vor. "Man hört uns einfach nicht zu", sagt Lübke.

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Es mag zwar in den Sternen stehen, wann für die Veddel im Bereich Infrastruktur goldenere Zeiten anbrechen. Aber der Stadtteil verfügt zumindest über das einzige vergoldete Haus in ganz Hamburg. Dabei handelt es sich um ein Werk des Künstlers Boran Burchhardt, das allerdings im Stadtteil selbst nicht so gut ankam. Hier befand man: „Das wahre Gold der Veddel sind wir.“

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