Bezirk Nord

Sozialbehörde streicht Kinderbetreuung auf Spielplätzen

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Axel Ritscher
Der Aktion Kinderparadies auf 18 Hamburger Spielplätzen droht das Aus.

Der Aktion Kinderparadies auf 18 Hamburger Spielplätzen droht das Aus.

Foto: Aktion Kinderparadies

Die auf 18 Spielplätzen arbeitende „Aktion Kinderparadies“ steht vor dem Aus. Bezirksamt Nord will die Förderung nicht übernehmen.

Hamburg. Was 1952 mit den „Parktanten“ anfing und kleinen Kindern bis sechs Jahre bei den ersten Schritten ohne Eltern half, soll im März 2021 enden. Nach einer langen Erfolgsgeschichte auf mittlerweile 18 Spielplätzen im innerstädtischen Bereich und nach vielen Auszeichnungen unter anderem durch das Bundesfamilienministerium fehlen der „Aktion Kinderparadies – Betreute Kinderspielplätze Hamburg e.V.“ jetzt 52.000 Euro: Die Hamburger Sozialbehörde will die Leitungsstelle des wesentlich ehrenamtlich betriebenen Projekts nicht mehr finanzieren. „Noch 43 Tage verbleiben“, heißt es auf der Internetseite des Vereins.

Auch das Bezirksamt Nord erklärte, kein Geld für die Aktion Kinderparadies zu haben. Im Übrigen sei „die Betreuung kleinerer Kinder sichergestellt“, beschied das Amt in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU zur Zukunft der Kinderbetreuung auf Spielplätzen. Das in Hamburg einmalige Angebot, unter sechsjährige praktisch auf Zuruf bei jedem Wetter draußen auf Spielplätzen zu betreuen, sei „grundsätzlich nicht mehr notwendig“.

Kinderbetreuung: Der Verein lebt auch von zahlreichen Spenden

„Das sehen wir anders“, sagt der CDU-Fraktionschef im Bezirk Nord, Andreas Schott. „Die Betreuung im Kinderparadies ist für viele Eltern ein unentbehrlicher Lückenschließer.“

Pro Betreuungsstunde zahlen die Eltern 1,50 Euro -, „wenn sie es können“, sagt die Vorsitzende des gemeinnützigen Kinderparadies-Vereins, Linde Kohl-Jürgens. „Oft steht auch nur eine Dose da, und wer möchte, wirft etwas Geld hinein.“ Der Verein lebt auch von zahlreichen Spenden. Die Kinder können regelmäßig kommen oder auch nur mal für einen Vormittag oder spontan für einige Stunden. Es gibt keine Anmeldungszeremonien. Wenn die Kinder es brauchen, gibt es Eingewöhnungszeiten wie in der Kita. Die Pädagogin des Vereins stellt sicher, dass die ehrenamtlichen Helfer*innen auf den Spielplätzen regelmäßig geschult und weitergebildet werden. Die Finanzierung dieser Pädagogen-Stelle aber steht jetzt aus.

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CDU fordert langfristige Finanzierung des Projekts

CDU-Fraktionschef Schott forderte den Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz (Grüne) und die Sozialbehörde auf, eine langfristige Finanzierung des Projekts auszuhandeln und den Verein auch durch Hinweise auf sein Angebot etwa auf behördlichen Internetseiten zu unterstützen. „Es geht um 52.000 Euro im Jahr. Nicht im Monat. Und diese 52.000 Euro für eine Stelle schaffen ein Angebot, das auf 18 Spielplätzen eine flexible Vormittagsbetreuung sicherstellt. Das ist nicht nur effektiv, sondern auch überaus preiswert.“

Mit 52.000 Euro im Jahr können noch nicht einmal fünf 5-Stunden-Plätze in einer Hamburger Kita finanziert werden. Auch die Fraktionen von SPD und Grünen im Bezirk wollen das Kinderparadies weiter in Aktion sehen und fordern das für den Erhalt nötige Geld von der Sozialbehörde.

In Pandemiezeiten sind Freiluftangebote eine willkommene Alternative

„Bei bis zu eineinhalb Jahren Wartezeit auf einen Kita-Platz stellt dieses Angebot der Aktion Kinderparadies für viele Familien die einzige Möglichkeit zur Überbrückung dar“ sagen Timo Kranz (Grüne) und Philipp Noß (SPD) in ihrem Antrag für den Hauptausschuss der Bezirksversammlung Nord. „Zudem kann das niedrigschwellige Angebot auch von Eltern genutzt werden, die ihre Kinder Zuhause betreuen, aber dennoch gelegentlich flexible, kostengünstige und naturverbundene Betreuung in Anspruch nehmen wollen.“

Gerade in Pandemiezeiten seien Freiluftangebote eine willkommene Alternative, um mit wenig Risiko für Kinder und Betreuer die ohnehin stark belasteten Familien zu unterstützen und den Kindern in der Stadt die mittlerweile rar gewordenen Bewegungsmöglichkeiten anzubieten.

„Wir hoffen, dass es doch noch klappt“, sagt Linde Kohl-Jürgens. „Bisher haben wir nur die schriftliche Ankündigung der Sozialbehörde, dass Ende März Schluss ist. Der Bescheid ist noch nicht da.“

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