Corona-Pandemie

23 Kinder in Hamburger Kita erkrankt – keine Virusmutation

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In einer Kita in Hamburg-Bahrenfeld gab es einen Corona-Ausbruch mit vielen Infizierten (Symbolbild).

In einer Kita in Hamburg-Bahrenfeld gab es einen Corona-Ausbruch mit vielen Infizierten (Symbolbild).

Foto: imago/Kirchner-Media

13 der 14 Erzieherinnen haben sich mit dem Virus infiziert. Wann die Kita in Bahrenfeld wiedereröffnen kann, ist unklar.

Hamburg.  Nach dem Corona-Ausbruch in der Kita Elbpiraten in Hamburg-Bahrenfeld Mitte Januar geht es vielen der erkrankten Erzieherinnen noch immer schlecht. Das berichtete Geschäftsführer André Kühnel am Dienstag.

Inzwischen sei klar, dass sich 13 von 14 Erzieherinnen und 23 Kinder mit dem Coronavirus infiziert haben. „Und leider ist es so, dass viele Mitarbeiter auch am Ende der Quarantänezeit noch sehr schwach sind“, so Kühnel. So sei derzeit noch unklar, ob die Kita wie ursprünglich geplant in der kommenden Woche wieder öffnen kann.

Corona-Ausbruch in Kita: Keine Hinweise auf Virusmutation

„Wir werden am Mittwoch ein Zoom-Meeting mit den Mitarbeitern veranstalten und danach entscheiden, was kommende Woche möglich ist", sagt Kühnel. "Klar ist, dass auch das Thema Angst derzeit wichtig ist. Viele fürchten sich nun natürlich, wieder in die Kita zu kommen. Auch darüber müssen wir sprechen.“ Bisher hätte allerdings auch nur eine Familie für kommende Woche Bedarf angemeldet.

Unterdessen liegen erste Ergebnisse der Sequenzierung vor, die Aufklärung darüber bringen sollte, ob es sich womöglich um eine mutierte Virusform handelt. Doch dafür gibt es nach Angaben des Bezirksamtes Altona derzeit keine Hinweise.

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Corona in Kita Elbpiraten – Erzieherin hatte zuerst Symptome

„Bislang sind zehn Tests auf neue Virusmutationen erfolgt, alle mit negativem Ergebnis“, so Bezirksamtssprecher Mike Schlink. „Wir können daher mit größter Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass keine der bekannten, neuen Mutationen zum Ausbruchgeschehen in der Kita Elbpiraten geführt hat.“

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Angefangen hatte alles damit, dass eine Erzieherin vor knapp zwei Wochen über Symptome klagte. „Wir haben sie sofort nach Hause geschickt“, berichtet Geschäftsführer Kühnel. „Das Ergebnis war bereits am folgenden Tag da und leider war es positiv.“

Kita-Geschäftsführer führte sofort Schnelltests durch

Und dann ging alles ganz schnell. Kühnel, der selbst Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist, besorgte Schnelltests und testete die anderen Mitarbeiter kurzerhand selbst, um so wenig Zeit wie möglich verstreichen zu lassen. Nur wenige Tage später wurden auch die Kita-Kinder bei einem freiwilligen Massentest des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) getestet. Zunächst wurden 14 positiv getestet, nach aktuellem Stand sind es 23.

Hamburgs Corona-Regeln im Überblick:

Die aktuellen Corona-Regeln für Hamburg im Überblick

  • Alle Regeln, die im Rahmen der Eindämmungsverordnung bis zum 10. Januar gelten sollten, werden grundsätzlich bis zum 14. Februar verlängert – ein Großteil des Einzelhandels bleibt geschlossen, bestellte Waren dürfen aber abgeholt werden. "Körpernahe Dienstleistungen" wie Friseure, Nagel-, Massage- und Tattoo-Studios dürfen nicht angeboten werden. Auch Kultur- und Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen, Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit bleibt verboten.
  • Kontaktregeln Angehörige eines Haushalts dürfen sich nur noch mit einer weiteren Person treffen. Ausnahmen für Kinder gibt es nicht.
  • Die Maskenpflicht wird angepasst: Stoffmasken reichen in den meisten Fällen nicht mehr aus. Stattdessen müssen medizinische Masken (mindestens OP-Masken, auch FFP2- oder KN95-Masken sind möglich) getragen werden. Bis zum 1. Februar gilt eine Übergangsphase, danach werden Verstöße mit Bußgeldern geahndet.
  • Kitas und Schulen: Die Präsenzpflicht an den Schulen bleibt aufgehoben, stattdessen soll so weit wie möglich Distanzunterricht gegeben werden. Kinder sollen – wann immer möglich – zu Hause betreut werden. Die Kitas wechseln in die "erweiterte Notbetreuung". Die privat organisierte Kinderbetreuung in Kleingruppen bleibt gestattet.
  • Arbeitgeber sind angehalten, so weit wie möglich ein Arbeiten von zu Hause aus zu ermöglichen. Zusätzlich soll eine neue Bundesverordnung Arbeitgeber dazu verpflichten, Homeoffice anzubieten, so weit das möglich ist. Betriebskantinen dürfen nur öffnen, wenn sie für den Arbeitsablauf zwingend erforderlich sind.
  • Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz auf einen Wert über 200 steigen, müsste eine Ausgangsbeschränkung erlassen werden, die den Bewegungsradius auf 15 Kilometer rund um den Wohnort einschränkt. Wie genau diese Regel in Hamburg angewandt würde, ist noch nicht bekannt – der Senat will darüber entscheiden, sollte sich die Inzidenz dem Grenzwert annähern.
  • Senioren- und Pflegeeinrichtungen sollen mehrmals pro Woche Personal und Besucher testen. Das war in Hamburg schon verpflichtend und gilt nun bundesweit.
  • Zwei-Test-Strategie bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten: Ein Corona-Test direkt nach der Einreise ist verpflichtend, die zehntägige Quarantäne kann frühestens fünf Tage nach der Einreise durch einen weiteren Test verkürzt werden. Die Kosten für die Tests werden nicht übernommen.

Kühnel wirkt immer noch erschüttert von den Ereignissen. „Im Grunde können wir es uns nicht erklären“, sagt er. „Wir haben uns an alle vorgeschriebenen Hygieneregeln gehalten. Von Händewaschen bis Abstandhalten. Außerdem haben alle Erzieherinnen in festen Gruppen gearbeitet, die sich nicht vermischt haben.“

60 von 80 Kinder kurz vor Corona-Ausbruch in der Kita

Allerdings sei die Auslastung in der Kita in der Woche vor dem Ausbruch recht hoch gewesen. „Rund 60 der knapp 80 Kinder waren da, was natürlich viel ist und was es im Zweifel auch schwerer macht, das Hygienekonzept in jeder Sekunde einzuhalten.“ Kühnel betont, dass die Kita für Kinder und Eltern da sein möchte, die auf die Betreuung angewiesen sind.

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„Wir möchten arbeiten und unserem Auftrag nachkommen“, sagt der 40-Jährige. Die Frage sei aber, ob es eine Grenze geben müsse, die verhindere, dass es zu solch hohen Auslastungen kommt. „Wir selbst dürfen niemanden ablehnen und das wollen wir auch nicht. Aber wie alle anderen Kitas auch geben wir die Zahlen jeden Tag an die Behörde weiter. Die Lage war also zu jedem Moment transparent.“

( cia/maj )

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