Forschung

UKE erhält fast fünf Millionen für App gegen Internetsucht

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Cornelia Werner
Mit einer neuen App will das UKE Heranwachsende behandeln, die an Internetsucht leiden (Symbolbild).

Mit einer neuen App will das UKE Heranwachsende behandeln, die an Internetsucht leiden (Symbolbild).

Foto: picture alliance / dpa Themendienst | Franziska Gabbert

Das digitale Behandlungsprogramm soll Kindern und Jugendlichen aus der Abhängigkeit helfen. Start des Projekts ist im September.

Hamburg. Vor allem Heranwachsende sind zunehmend süchtig nach Medien und speziell nach Computerspielen. Das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) will jetzt eine App zur Behandlung der Internetsucht entwickeln. Dafür erhält das Projekt eine finanzielle Förderung in Höhe von 4,79 Millionen Euro vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss.

Internetsucht:3-5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen betroffen

In Deutschland leiden 3-5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen an einer internetbezogenen Abhängigkeit, die sich auf unterschiedliche Bereiche beziehen kann, wie etwa Computerspiele oder soziale Medien. 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zeigen ein riskantes Konsumverhalten. Kriterien sind Kontrollverlust, signifikant ungünstige Auswirkungen auf Familie, Schule und soziale Kontakte, der Konsum rückt gegenüber anderen Aktivitäten wie Schule, Hobbys, Freund immer mehr in den Vordergrund und trotz negativer Auswirkungen wird das Verhalten fortgesetzt.

Treffen diese Kriterien über einen Zeitraum von 12 Monaten durchgehend zu, sprechen Experten von einer Abhängigkeit. Wenn das schädliche Verhalten nicht so ausgeprägt sei und über einen kürzeren Zeitraum bestehe, spreche man von riskantem Verhalten, sagt Prof. Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE.

Dieses Zentrum leitet das Forschungsprojekt, das über vier Jahre hinweg laufen soll und an dem 40 kinderpsychotherapeutische Praxen, etwa fünf davon in Hamburg, sieben Kliniken und fünf große Krankenkassen in Deutschland beteiligt sind. Für die Kassen sei es deswegen interessant, weil sie an digitalen Interventionen interessiert seien, mit denen man auch Menschen erreiche, die durch die üblichen Behandlungsangebote nicht erreichbar seien, sagt Thomasius.

Die App ist ein Behandlungsprogramm über zwölf Wochen

"Die App ist ein Zwölf-Wochen-Programm und die digitalisierte Version des Behandlungsmodells, das wir unter dem Titel ,Lebenslust statt Onlinefrust' auch bei unseren Patienten anwenden", sagt Thomasius. Damit sollen die Kinder und Jugendlichen unter anderem lernen, reale Kontakte aufzunehmen, ihre Computernutzungszeit zu begrenzen und andere Aktivitäten aufzunehmen. "Wir lenken die Interessen der Jugendlichen auf Räume außerhalb des Internets", sagt Thomasius.

Zeitgleich werden auch die Eltern per App unterstützt. "Sie lernen zum Beispiel, sich mehr für die Computerspiele und sozialen Netzwerke ihrer Kinder zu interessieren, mit ihnen Verträge über Nutzungszeiten und -inhalte abzuschließen und ihnen Alternativen zur Freizeitgestaltung anzubieten", erklärt Thomasius.

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Im September soll das Programm starten und es wird wissenschaftlich begleitet. Um die Wirksamkeit zu untersuchen, wird ein Teil der Patienten mit den jetzt üblichen Therapiemethoden behandelt, der andere Teil erhält zusätzlich das Behandlungsprogramm per App.

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