Corona-Krise

Ärger um Impftermine: "Das hier ist digitale Steinzeit"

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Insa Gall
Termine im Impfzentrum in den Messehallen sind äußerst begehrt.

Termine im Impfzentrum in den Messehallen sind äußerst begehrt.

Foto: dpa

Beim Buchen machten viele Hamburger am Montag schlechte Erfahrungen – sowohl online als auch telefonisch.

Hamburg. Viele Leser waren am Montag höchst frustriert, als sie versuchten, einen der 33.500 neuen Termine im Impfzentrum zu buchen. Claudia Hess beispielsweise spricht von einem „kolossalen Fehler im Buchungssystem“. Als sie bereits dachte, einen Termin bekommen zu haben, die Daten ihrer Mutter eingab und auf „buchen“ klickte, meldete das System plötzlich, der Termin sei schon vergeben.

Das passierte ihr mehrfach. Ganz ähnliche Erfahrungen machte Dr. Cay Kuschel. Auch ihm wurden viele Termine für seine 82-jährige Mutter zur Auswahl angeboten, aber als er sie auswählte, waren sie bereits weg. „Das hier ist digitale Steinzeit“, empört er sich.

Gleiches erlebte Werner Arendt von der Ambulanten Pflege Team Krugmann GmbH (APTK), der für das Pflegepersonal des Unternehmens eine Impfung vereinbaren wollte. „Es ist ein einziges Desaster!“, schreibt er. „Heute Morgen, um 8 Uhr, waren über mehrere Tage über den ganzen Tag verstreut offene Termine, aber wenn man einen buchen wollte, war der angeblich gerade vergeben. Um 12 Uhr mittags wurden mir online zwei Termine als frei gemeldet, aber bei der Buchung die gleiche Meldung: „gerade vergeben“. Verärgert fragt Arendt, ob der Staat nicht in der Lage sei, ein brauch­bares Buchungssystem zu installieren.

Stundenlange Versuche, einen Impftermin in Hamburg zu bekommen

Telefonisch versuchte Wolfgang Bergner, einen Termin zu vereinbaren. Als er am Morgen nach einer Stunde bei der Hotline 116 117 durchkam, hieß es, alle Termine seien vergeben. Zumindest zur Hälfte war Hartmut Helmke erfolgreich. Er konnte am Montagmorgen um kurz nach 8 Uhr tatsächlich im Internet einen Termin für seine 89-jährige Mutter buchen. Als er gleich darauf einen Termin auch für seinen Vater reservieren wollte, wurden ihm keine Termine mehr angezeigt.

Tschentscher stellt Impfversprechen bis Sommer infrage:

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Parallel versuchte er es telefonisch unter 116 117. Nach 40 Minuten Wartezeit teilte ihm eine freundliche Frauenstimme mit, dass es keine Termine mehr gebe und er es um 9.30 Uhr noch einmal übers Internet versuchen solle. Dann gebe es neue Termine. Nach zweieinhalbstündigem Versuch hatte er noch immer keinen Erfolg. „Ich frage mich, wie die 80-Jährigen, die keine Hilfe haben, das überhaupt bewerkstelligen sollen?“, sagt Helmke

20 Minuten lang Pausenmusik

Robert Heinicke machte die gleiche Erfahrung wie andere Leser: Als er nach Eingabe der Daten auch „buchen“ klickte, war der Impftermin bereits vergeben. Zumindest für ein Elternteil hat er einen Termin bekommen, fragt sich aber, warum keine gemeinsame Online-Anmeldung für beide Ehepartner möglich ist? „Kein Wunder, dass unsere über 80-Jährigen hier verzweifeln, wenn ich als computererfahrener Ingenieur es kaum schaffe“, sagt er. Auch Annelore Bratek scheiterte mit ihren Versuchen sowohl digital als auch telefonisch.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Susanne Krebs gelang es, am Montag Termine für ihren 86-jährigen Mann und die 88 Jahre alte Schwägerin zu bekommen – sie versucht es allerdings bereits seit dem 7. Januar mehrmals täglich. Ursula (85) und Werner Geithe (88) wurden am Montag ab 8 Uhr mit der Bandansage vertröstet, sie sollten es später noch einmal versuchen. Als sie dann endlich durchkamen und 20 Minuten lang Pausenmusik angehört hatten, waren alle Termine weg.

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Positivere Erfahrungen machte Reiner Harbrucker aus Iserbrook. Nach zwei Stunden hatte er seine Termine gemacht. Aber das Prozedere sei kompliziert, sagt er. Wer seine Mailadresse eingebe, müsse sich erst einmal regis­trieren lassen und nachweisen, dass er impfberechtigt sei. Nach Bestätigung der Mailadresse erhalte man einen Code, den man vor Terminerhalt eingeben muss.

Wer hier das Browserfenster schließe, um an den E-Mail-Account zu kommen, könne ganz von vorne anfangen. „Recht kompliziert und benutzerunfreundlich“, findet Harbrucker. Pro­blemlos konnte er dann aber den kostenfreien Fahrservice des Deutschen Roten Kreuzes für seine Impftermine buchen.

Hamburgs Corona-Regeln:

Die aktuellen Corona-Regeln für Hamburg im Überblick

  • Alle Regeln, die im Rahmen der Eindämmungsverordnung bis zum 10. Januar gelten sollten, werden grundsätzlich bis zum 14. Februar verlängert – ein Großteil des Einzelhandels bleibt geschlossen, bestellte Waren dürfen aber abgeholt werden. "Körpernahe Dienstleistungen" wie Friseure, Nagel-, Massage- und Tattoo-Studios dürfen nicht angeboten werden. Auch Kultur- und Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen, Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit bleibt verboten.
  • Kontaktregeln Angehörige eines Haushalts dürfen sich nur noch mit einer weiteren Person treffen. Ausnahmen für Kinder gibt es nicht.
  • Die Maskenpflicht wird angepasst: Stoffmasken reichen in den meisten Fällen nicht mehr aus. Stattdessen müssen medizinische Masken (mindestens OP-Masken, auch FFP2- oder KN95-Masken sind möglich) getragen werden. Bis zum 1. Februar gilt eine Übergangsphase, danach werden Verstöße mit Bußgeldern geahndet.
  • Kitas und Schulen: Die Präsenzpflicht an den Schulen bleibt aufgehoben, stattdessen soll so weit wie möglich Distanzunterricht gegeben werden. Kinder sollen – wann immer möglich – zu Hause betreut werden. Die Kitas wechseln in die "erweiterte Notbetreuung". Die privat organisierte Kinderbetreuung in Kleingruppen bleibt gestattet.
  • Arbeitgeber sind angehalten, so weit wie möglich ein Arbeiten von zu Hause aus zu ermöglichen. Zusätzlich soll eine neue Bundesverordnung Arbeitgeber dazu verpflichten, Homeoffice anzubieten, so weit das möglich ist. Betriebskantinen dürfen nur öffnen, wenn sie für den Arbeitsablauf zwingend erforderlich sind.
  • Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz auf einen Wert über 200 steigen, müsste eine Ausgangsbeschränkung erlassen werden, die den Bewegungsradius auf 15 Kilometer rund um den Wohnort einschränkt. Wie genau diese Regel in Hamburg angewandt würde, ist noch nicht bekannt – der Senat will darüber entscheiden, sollte sich die Inzidenz dem Grenzwert annähern.
  • Senioren- und Pflegeeinrichtungen sollen mehrmals pro Woche Personal und Besucher testen. Das war in Hamburg schon verpflichtend und gilt nun bundesweit.
  • Zwei-Test-Strategie bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten: Ein Corona-Test direkt nach der Einreise ist verpflichtend, die zehntägige Quarantäne kann frühestens fünf Tage nach der Einreise durch einen weiteren Test verkürzt werden. Die Kosten für die Tests werden nicht übernommen.

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