Altenpflege

Pflegereport: Arbeitsbedingungen in der Pflege machen krank

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Altenpflege – ein erfüllender, aber auch belastender Beruf.

Altenpflege – ein erfüllender, aber auch belastender Beruf.

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Eine Untersuchung der Barmer zeigt: Pflegekräfte leiden unter belastenden Bedingungen. Die Krankenkasse fordert ein Umdenken.

Hamburg. Noch nie wurde in Deutschland so viel über Altenpflege diskutiert. Wie belastend dieser Beruf wirklich ist, zeigt der aktuelle Pflegereport der Barmer Krankenkasse. In Hamburg fehlten Pflegerinnen und Pfleger in der Altenpflege im Schnitt an 24 Arbeitstagen. Das zeigt sich auch am Krankenstand, wonach in Hamburg in den ausgewerteten Jahren 2016 bis 2018 7,4 Prozent aller Hilfskräfte und 6,7 Prozent der Fachkräfte in der Altenpflege krankgeschrieben waren. Zum Vergleich: In anderen Berufen lag der Krankenstand im Schnitt bei 4,8 Prozent.

Zudem mussten Altenpflegekräfte häufiger und länger im Krankenhaus behandelt werden als andere Erwerbstätige (170 zu 136 Krankenhausaufenthalte je 1000 Beschäftigte). Während die Zahl der Krankenhausfälle damit um 25 Prozent erhöht ist, liegt die Zahl der Krankenhaustage sogar um 35 Prozent höher, weil auch die durchschnittliche Krankenhausverweildauer um acht Prozent länger ist.

Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen und Präventionsangeboten

„In Hamburg könnten knapp 500 Pflegekräfte mehr aktiv sein, wenn die Arbeitssituation und damit einhergehend die Gesundheit der Pflegerinnen und Pfleger besser wären“, sagt Frank Liedtke, Landesgeschäftsführer der Barmer Hamburg. Mit diesem Potenzial könnten zusätzlich rund 1000 Menschen in Hamburg versorgt werden: „Die Arbeitssituation in der Pflege greift die Gesundheit der Beschäftigten massiv an. Wenn sie ausfallen, werden Kolleginnen und Kollegen zusätzlich belastet. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden, zumal die Corona-Pandemie die angespannte Arbeitssituation der Pflegekräfte noch einmal verschärft.“

Liedtke fordert, dass die Arbeits­bedingungen geändert werden müssen. „Neben geregelten Arbeitszeiten müssen die Arbeitgeber auch stärker auf Vorsorge setzen. So müssen Präventionsangebote für die Beschäftigten in den einzelnen Einrichtungen zum Standard werden“, sagt Liedtke.

Lange Fehlzeiten in der Pflege aufgrund von psychischen Problemen und Muskel-Skelett-Erkrankungen

Wie kräftezehrend der Beruf ist, zeigt sich auch in der Rentenstatistik: Die Erwerbsminderungsquote liegt fast doppelt so hoch wie in anderen Berufen. Laut Studien bleibt eine Pflegekraft nur etwa zwölf Jahre in der Altenpflege.

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„Pflegekräfte haben vor allem lange Fehlzeiten aufgrund von psychischen Problemen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen“, sagt Studienautor Prof. Dr. Heinz Rothgang von der Universität Bremen. So würden Beschäftigte in der Altenpflege etwa 80 bis 90 Prozent mehr Fehltage aufgrund von Depressionen aufweisen als Erwerbstätige in sonstigen Berufen. Rückenschmerzen verursachten bei Fachkräften in der Altenpflege knapp 96 Prozent und bei Hilfskräften etwa 180 Prozent mehr Fehltage als in anderen Jobs.

( pw/HA )

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