Folge der Pandemie

Gefahr für Milliarden Menschen: Institut startet Kampagne

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Prof. Jonas Schmidt-Chanasit weist auf die Gefahr von Tropenkrankheiten hin. (Archivbild)

Prof. Jonas Schmidt-Chanasit weist auf die Gefahr von Tropenkrankheiten hin. (Archivbild)

Foto: Roland Magunia

Das Bernhard-Nocht-Institut beteiligt sich am Kampf gegen Tropenkrankheiten mit einer Initiative. Häufig fehlt Geld für Forschung.

Hamburg. Im großen Abendblatt-Interview hatte Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, Hochschullehrer und Virologe am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), seinen großen Wunsch jüngst so beschrieben: „Ich würde am liebsten sofort alles stehen und liegen lassen und in Asien oder Südamerika meine Forschungsprojekte fortführen. Ich freue mich auf den Tag, wo ich im Amazonasgebiet in die Indianerdörfer fahren und Fledermäuse beproben kann.“

Der Wissenschaftler weist damit auf eine Folge der Pandemie hin, die öffentlich kaum beachtet wird: Durch Corona mussten viele Programme zur Erforschung, Behandlung und Prävention von Tropenkrankheiten gestoppt werden. Laut Bernhard-Nocht-Institut schweben fast zwei Milliarden Menschen in Gefahr, durch Tropenkrankheiten arbeitsunfähig, blind, entstellt oder behindert zu werden oder früher zu sterben.

Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten

Das Institut ruft nun mit Partnern mit einer internationalen Kampagne auf, im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten nicht nachzulassen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet aktuell 20 vernachlässigte Tropenkrankheiten. Dazu gehören Wurmerkrankungen oder die Flussblindheit, von einzelligen Parasiten hervorgerufene Erkrankungen wie die amerikanische Schlafkrankheit, bakterielle Infektionen wie Lepra sowie durch Viren verursachte Erkrankungen wie Dengue und Tollwut.

Diese Krankheiten kommen vor allem in ärmeren Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen und wärmerem Klima vor. Dort können sich Krankheitserreger und Infektionsüberträger wie bestimmte Mückenarten stark vermehren. Durch die Klimaerwärmung, Reisen und Migration sind aber auch zunehmend andere Länder betroffen.

Häufig fehlt das Geld für Medikamente und Forschung

Die WHO hat 2017 das Ziel ausgerufen, bis 2030 die vernachlässigten Tropenkrankheiten stark zu reduzieren. Viele lassen sich bereits heute vermeiden oder behandeln. Häufig fehlen allerdings die nötigen Gelder für Medikamente, Aufklärungskampagnen und Forschung. In den vergangenen Jahren erzielte Fortschritte wurden durch die Coronavirus-Pandemie vielerorts zunichtegemacht.

„Wir müssen dafür sorgen, dass die vernachlässigten Tropenkrankheiten nicht weiter aus dem Blick geraten“, sagt Prof. Jürgen May, Leiter der Abteilung für Infektionsepidemiologie und Vorstandsmitglied. Für Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank hat die Corona-Pandemie erneut gezeigt, dass Krankheitserreger nicht an Grenzen haltmachen: „Es liegt daher in unserem eigenen Inter­esse, die vernachlässigten Tropenkrankheiten besser zu verstehen.“

Auch Moderator Yared Dibaba setzt sich für die Kampagne ein: „Als norddeutscher Jung mit Wurzeln in Oromia kenne ich die Folgen vernachlässigter Tropenkrankheiten aus eigener Anschauung. Kinder in Äthiopien fangen sich zum Beispiel oft die Erreger der Schistosomiasis ein. Noch Jahrzehnte später können sie chronische Folgesymptome entwickeln.“

( HA/pw )

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