Messehallen

Impfzentrum: Zugang für Mitarbeiter nur mit Schnelltest

| Lesedauer: 3 Minuten
Catharina Jäckel
Dorothee von der Wense macht
Schnelltests bei den Mitarbeitern und
Gästen

Dorothee von der Wense macht Schnelltests bei den Mitarbeitern und Gästen

Foto: Andreas Laible / Funke Foto Services

An Dorothee von der Wense kommt im Impfzentrum niemand vorbei. Sie arbeitet sieben Stunden am Tag für die Sicherheit.

Hamburg. „Hier kommen fast alle ängstlich um die Ecke und gehen glücklich wieder raus“, sagt Dorothee von der Wense. Die 41-Jährige steht im Schnelltestbereich direkt hinter dem Mitarbeitereingang des Corona-Impfzentrums in den Messehallen. Sieben Stunden am Tag schiebt sie Mitarbeitern und Gästen ein Teststäbchen tief in die Nase, tupft das Stäbchen anschließend in ein mit Testflüssigkeit gefülltes Reagenzgläschen, schüttelt dieses und lässt die Flüssigkeit auf einen Testsreifen tropfen. Dann heißt es abwarten.

Der Antigen-Schnelltest ist für alle Mitarbeiter des Impfzentrum mindestens einmal in der Woche Pflicht. „Hier soll nur geimpft werden, aber keiner soll sich anstecken“, sagt Matthias Brosch, Leiter des Projektmanagements bei Doctari. Die Ärztevermittlungsfirma stellt das gesamte medizinische Fachpersonal für das Hamburger Impfzentrum, mit Ausnahme der Ärzte, die über die Kassenärztliche Vereinigung kommen.

Etwa 120 bis 150 Tests führen zwei angestellte Pflegekräfte an einem normalen Tag durch. Auf dem Armband mit Chip, das jeder Mitarbeiter bekommt, ist das Datum des letzten Tests gespeichert. Liegt dieser mehr als sechs Tage zurück, bleibt die Schranke zu den Impfhallen geschlossen.

Corona: Diese Testverfahren gibt es

  • PCR-Test: Weist das Virus direkt nach, muss im Labor bearbeitet werden – hat die höchste Genauigkeit aller Testmethoden, ist aber auch die aufwendigste
  • PCR-Schnelltest: Vereinfachtes Verfahren, das ohne Labor auskommt – gilt als weniger zuverlässig als das Laborverfahren
  • Antigen-Test: weniger genau als PCR-(Schnell)Tests, dafür zumeist schneller und günstiger. Laut RKI muss ein positives Testergebnis durch einen PCR-Test überprüft werden, ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht aus, insbesondere, wenn die Viruskonzentration noch gering ist.
  • Antigen-Selbsttest: Die einfachste Test-Variante zum Nachweis einer Infektion mit dem Coronavirus. Wird nicht von geschultem Personal, sondern vom Getesteten selbst angewandt. Gilt als vergleichsweise ungenau.
  • Antikörper-Test: Weist keine akute, sondern eine überstandene Infektion nach – kann erst mehrere Wochen nach einer Erkrankung sinnvoll angewandt werden
  • Insgesamt stellt ein negatives Testergebnis immer eine Momentaufnahme dar und trifft keine Aussagen über die Zukunft

„Bei fast allen fließen die Tränen"

An diesem Vormittag ist wenig los. Dorothee von der Wense nutzt die freie Zeit, um Teststreifen vorzubereiten. Die gelernte Krankenschwester hatte eigentlich ganz andere Pläne, „so wie fast alle hier“, sagt sie. Von der Wense hatte sich im Fitnessbereich fortgebildet und Trainer-Lizenzen erworben, 2020 wollte sie durchstarten – dann kam Corona. „Als es hier losging, habe ich mich direkt beworben“, sagt sie. Am 1. Januar 2021 kam die Zusage von Doctari, fünf Tage später hatte sie schon die Teststäbchen in der Hand.

„Ich finde die Arbeit hier total sinnvoll und es macht wahnsinnig Spaß!“ Der Test an sich sei natürlich weniger angenehm. Dabei reagierten Männer deutlich empfindlicher, hat von der Wense festgestellt. „Bei fast allen fließen die Tränen. Ich heule ja selbst jedes Mal wie ein Schlosshund“, sagt sie. Die Gewissheit nach dem Test, aktuell negativ zu sein, sei jedoch für viele befreiend. Etwa 20 Minuten dauert es, bis der erlösende rote Strich auf dem Streifen erscheint. Dreimal schon seien zwei Streifen erschienen. Das Testergebnis war in diesen Fällen positiv, erzählt Brosch von Doctari.

Medizinisches Fachpersonal gesucht

Die positiv Getesteten seien direkt informiert und dem Gesundheitsamt gemeldet worden. Sie mussten einen PCR-Test machen. Mitarbeiter, die Kontakt hatten, wurden ebenfalls nachgetestet. „Das lief alles problemlos“, so Brosch. Derzeit ist Doctari noch auf der Suche nach medizinischem Fachpersonal. „Wenn hier mal Hochbetrieb ist, sollen hier jeden Tag 260 Leute von uns arbeiten“, sagt er.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Laut Brosch wird die Arbeit deutlich übertariflich vergütet, das ziehe vor allem junge Berufsanfänger an. Dorothee von der Wense ist zunächst bis Ende Mai angestellt. Vermutlich werde sie aber auch noch danach gebraucht. Wer weiß das schon? „Planung ist bei Corona sowieso für den Eimer, ich lasse das auf mich zukommen“, sagt die 41-Jährige.

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