Pandemie

Anbieter von Corona-Tests weiten ihre Angebote aus

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Friederike Ulrich
In einem ehemaligen Sonnenstudio an der Gertigstraße werden jetzt Corona-Schnelltests vorgenommen.

In einem ehemaligen Sonnenstudio an der Gertigstraße werden jetzt Corona-Schnelltests vorgenommen.

Foto: Christian Kopp

PCR-Gurgel- oder Antigen-Schnelltest – es gibt viele Möglichkeiten, sich auf Covid-19 untersuchen zu lassen.

Hamburg. Die Corona-Testzentren von privaten Anbietern verzeichnen weiterhin einen großen Zulauf. Nach wie vor melden sich täglich Hunderte online für einen Termin an, um per Antigen-Schnelltest oder PCR-Test eine Corona-Infektion ausschließen zu lassen. Die Gesundheitsbehörde betont, dass die Tests immer nur einen Momentaufnahme sind und sich niemand durch ein negatives Ergebnis zu sehr in Sicherheit wiegen sollte. Doch das Geschäft läuft auch nach den Feiertagen so gut, dass die Anbieter ihre Kapazitäten sogar ausweiten und expandieren wollen.

Etwa Axel Strehlitz, der auf dem Spielbudenplatz PCR-Gurgeltests anbietet. Er hält umfangreiches Testen für absolut notwendig. Denn immer wären unter den Getesteten auch Infizierte, die (noch) keine Symptome hätten und deren Erkrankung daher nur zufällig entdeckt werde. „Bislang waren von den 20.000 bei uns durchgeführten Gurgeltest 0,8 Prozent positiv. Das sind rund 200 Menschen, die nichts von ihrer Infektion wussten und erst durch unseren Test aus dem Verkehr gezogen wurden.“

Angehörige schützen

Der Unternehmer, der normalerweise auf St. Pauli Clubs und Gastronomie betreibt, bietet mit 24,95 Euro den günstigsten PCR-Test in Hamburg an. Grund dafür ist das ressourcensparende Verfahren, das nur wenig Schutzausrüstung und Personal erfordert. Künftig soll der Gurgeltest auch in Niendorf durchgeführt werden – in Kooperation mit einer interessierten Apotheke.

„Die Tests würden von dem Personal vor Ort durchgeführt werden, wir kümmern uns um die technischen Voraussetzungen und die Befundungen der Gurgelbecher“, erklärt Strehlitz, der die Tests in einem Labor außerhalb Hamburgs auswerten lässt. Das Corona-Freepass-Zentrum auf dem Spielbudenplatz sollte ursprünglich nur bis Weihnachten stehen, jetzt will Strehlitz weitermachen. Auf das Ergebnis müssten die Kunden maximal 24 Stunden warten. Geöffnet ist das Zentrum täglich von 8 bis 20 Uhr (www.coronafreepass.de).

Corona: Diese Testverfahren gibt es

  • PCR-Test: Weist das Virus direkt nach, muss im Labor bearbeitet werden – hat die höchste Genauigkeit aller Testmethoden, ist aber auch die aufwendigste
  • PCR-Schnelltest: Vereinfachtes Verfahren, das ohne Labor auskommt – gilt als weniger zuverlässig als das Laborverfahren
  • Antigen-Test: weniger genau als PCR-(Schnell)Tests, dafür zumeist schneller und günstiger. Laut RKI muss ein positives Testergebnis durch einen PCR-Test überprüft werden, ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht aus, insbesondere, wenn die Viruskonzentration noch gering ist.
  • Antigen-Selbsttest: Die einfachste Test-Variante zum Nachweis einer Infektion mit dem Coronavirus. Wird nicht von geschultem Personal, sondern vom Getesteten selbst angewandt. Gilt als vergleichsweise ungenau.
  • Antikörper-Test: Weist keine akute, sondern eine überstandene Infektion nach – kann erst mehrere Wochen nach einer Erkrankung sinnvoll angewandt werden
  • Insgesamt stellt ein negatives Testergebnis immer eine Momentaufnahme dar und trifft keine Aussagen über die Zukunft

Neben dem Reisen ist es aber weiterhin auch der Wunsch, unbesorgt mit anderen zusammenzukommen. Das hat eine App-Abfrage des Covid-Zentrums in der Innenstadt ergeben. „Es geht unseren Kunden darum, Angehörige schützen zu wollen, dann folgen die Arbeit und Freunde treffen“, sagt Manager Daniel Tümpel.

In den ehemaligen Büroräumen in der Großen Bäckerstraße werden täglich zwischen 300 und 500 Antigen-Schnelltests durchführt. Sie kosten 49,90 Euro und werden von medizinisch geschultem Personal vorgenommen, das dafür einen Abstrich im Nasenrachenraum macht.

Gruppentests für Firmen

Das Ergebnis steht – wie bei allen Schnelltests – nach höchstens 20 Minuten fest. Ab nächster Woche wird im Covid-Zentrum auch ein PCR-Test angeboten. Er wird innerhalb von sechs Stunden in einem Labor in Citynähe ausgewertet und soll etwa 119 Euro kosten.

Des Weiteren kann man durch einen Antikörpertest herausfinden lassen, ob man eventuell unbemerkt eine Corona-Infektion durchgemacht hat. Für diesen Test wird eine kleine Menge Blut benötigt, er kostet 59 Euro (www.covidzentrum.de).

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Auch im Café „Knuth“ in der Großen Rainstraße Ottensen wird auf Corona getestet. Dort bietet die Firma Corona Schnelltest Hamburg Antigen-Schnelltests für 29 Euro an – bis wann, steht noch nicht fest. „Unser Testzentrum wird solange hier sein, bis das ,Knuth‘ wieder Café sein darf. Also realistisch sicher bis mindestens Ende Februar“, sagt Geschäftsführer Markus Riesinger. Ein spezielles Angebot sind Gruppentests, etwa für Firmen, die vor Ort im „Knuth“ oder für 39 Euro pro Person auch bei den Unternehmen selbst durchgeführt werden (www.corona-schnelltest-hamburg.de).

Auch spontane Termine sind möglich

Ab vier Personen rollt auch das mobile Serviceteam von upsolut sports an – dem Unternehmen von Sportveranstalter und Hockeyprofi Moritz Fürste. Die Antigen-Schnelltests werden per Nasen- oder Rachenabstrich durchgeführt und kosten je nach Gruppengröße ab 29,99 Euro pro Person (www.schnelltest-hamburg.de).

Während bei allen hier bislang aufgeführten Tests eine Online-Anmeldung nötig ist, kann man bei Tim und Stefan Kraul auch spontan vorbeischauen. Mit Geschäftspartner Streten Stamenkovic haben die Brüder ihr Sonnenstudio in der Gertigstraße 20 (Winterhude) kurzerhand in Covid19 Schnelltest –Hamburg unbenannt. Unter Aufsicht eines Arztes bieten sie einen Antigen-Schnelltest für 49 Euro, einen Antikörpertest für 59 Euro und einen PCR-Test für 129 Euro an, der innerhalb von 24 Stunden ausgewertet wird. Eine Anmeldung ist nur für den Antikörpertest notwendig. Öffnungszeiten: montags bis freitags 8–20 Uhr, sonnabends 10–20 Uhr, sonntags 12–18 Uhr (www.covid19-schnelltest-hamburg.de).

Antigen-Schnelltests werden nicht an medizinische Laien verkauft

Beim Anbieter Centogene in Terminal 1 des Hamburger Flughafens kann man durch eine Online-Anmeldung die Wartezeit verkürzen, die ansonsten schon mal mehrere Stunden dauern kann. Durchgeführt werden ein Antigen-Test für 59 Euro, dessen Ergebnis in der Regel nach 90 Minuten feststeht, ein regulärer PCR-Test für 69 Euro (24 Stunden) sowie ein PCR-6-Test für (6 Stunden). Die PCR-Tests werden täglich von 6.30 – 21 Uhr abgenommen, die Antigen-Schnelltests von 8 – 15 Uhr (www.centogene.com).

Hamburgs Corona-Regeln:

Die aktuellen Corona-Regeln für Hamburg im Überblick

  • Alle Regeln, die im Rahmen der Eindämmungsverordnung bis zum 10. Januar gelten sollten, werden grundsätzlich bis zum 14. Februar verlängert – ein Großteil des Einzelhandels bleibt geschlossen, bestellte Waren dürfen aber abgeholt werden. "Körpernahe Dienstleistungen" wie Friseure, Nagel-, Massage- und Tattoo-Studios dürfen nicht angeboten werden. Auch Kultur- und Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen, Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit bleibt verboten.
  • Kontaktregeln Angehörige eines Haushalts dürfen sich nur noch mit einer weiteren Person treffen. Ausnahmen für Kinder gibt es nicht.
  • Die Maskenpflicht wird angepasst: Stoffmasken reichen in den meisten Fällen nicht mehr aus. Stattdessen müssen medizinische Masken (mindestens OP-Masken, auch FFP2- oder KN95-Masken sind möglich) getragen werden. Bis zum 1. Februar gilt eine Übergangsphase, danach werden Verstöße mit Bußgeldern geahndet.
  • Kitas und Schulen: Die Präsenzpflicht an den Schulen bleibt aufgehoben, stattdessen soll so weit wie möglich Distanzunterricht gegeben werden. Kinder sollen – wann immer möglich – zu Hause betreut werden. Die Kitas wechseln in die "erweiterte Notbetreuung". Die privat organisierte Kinderbetreuung in Kleingruppen bleibt gestattet.
  • Arbeitgeber sind angehalten, so weit wie möglich ein Arbeiten von zu Hause aus zu ermöglichen. Zusätzlich soll eine neue Bundesverordnung Arbeitgeber dazu verpflichten, Homeoffice anzubieten, so weit das möglich ist. Betriebskantinen dürfen nur öffnen, wenn sie für den Arbeitsablauf zwingend erforderlich sind.
  • Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz auf einen Wert über 200 steigen, müsste eine Ausgangsbeschränkung erlassen werden, die den Bewegungsradius auf 15 Kilometer rund um den Wohnort einschränkt. Wie genau diese Regel in Hamburg angewandt würde, ist noch nicht bekannt – der Senat will darüber entscheiden, sollte sich die Inzidenz dem Grenzwert annähern.
  • Senioren- und Pflegeeinrichtungen sollen mehrmals pro Woche Personal und Besucher testen. Das war in Hamburg schon verpflichtend und gilt nun bundesweit.
  • Zwei-Test-Strategie bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten: Ein Corona-Test direkt nach der Einreise ist verpflichtend, die zehntägige Quarantäne kann frühestens fünf Tage nach der Einreise durch einen weiteren Test verkürzt werden. Die Kosten für die Tests werden nicht übernommen.

Antigen-Schnelltests werden derzeit nicht an medizinische Laien verkauft. Die Gefahr, dass falsch vorgenommene Abstriche zu ungültigen Testergebnissen führen können, ist zu groß. Die ersten Unternehmen bieten daher eine ärztliche Begleitung per Video-Sprechstunden an. Das Online-Labor EasyTest etwa schickt für 39 Euro einen Antigen-Schnelltest nach Hause. Der Abstrich findet unter Anleitung eines Arztes statt, der auch den Teststreifen per Handyfoto auswertet (www.easy-testen.de/antigen-test).

Auch manche Haus- und HNO-Ärzte nehmen Corona-Tests vor

Ähnlich verhält es sich mit einem Angebot, dass derzeit nur in Eimsbüttel zur Verfügung steht: Ein Lieferroboter von Starship Technologies bringt im Auftrag des Asklepios-Großlabors Medilys einen PCR-Tests für 99 Euro bis an die Haustür. Dort wartet er, während der Kunde den Abstrich unter Anleitung von Mitarbeitern des E-Health-Anbieters Samedi vornimmt, und bringt ihn anschließend zurück ins Labor. Das Testergebnis wird dem Kunden innerhalb von 24 Stunden mitgeteilt. Geliefert und abgeholt werden die Tests montags bis sonnabends zwischen 9:30 und 17:30 Uhr, demnächst wird das Angebot auch in Altona-Nord eingeführt (www.coronatest-hamburg.com).

Auch manche Haus- und HNO-Ärzte nehmen auf Wunsch ihrer Patienten und anderer Interessenten Corona-Tests vor – etwa Dr. Stefan Tesche und seine Kolleginnen von der HNO-Praxis an der Dammtorstraße 27 (Innenstadt). Während der Öffnungszeiten zwischen 8 und 17.30 Uhr können Interessierte hier einen Antigen-Schnelltest (45 Euro) oder einen PCR-Test (25 Euro plus 55 Euro Laborkosten) machen. Anmeldung telefonisch unter 040 – 345644 oder per Mail an contact@hno-hamburg.net.

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