Coronavirus

Impfzentrum: Wird die Hamburger Strategie "ausgehebelt"?

Bürgermeister Peter Tschentscher und der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, Walter Plassmann, im Impfzentrum in den Messehallen.

Bürgermeister Peter Tschentscher und der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, Walter Plassmann, im Impfzentrum in den Messehallen.

Foto: Michael Rauhe

Neuer Service: Kinder können Eltern anmelden, Paare zusammen buchen. Aber Impfzentrum kann Kapazität nicht erhöhen.

Hamburg. Die gute Nachricht: In dieser Woche werden in Hamburg wieder neue Impftermine buchbar sein. Außerdem können Paare über 80 Jahren künftig einen gemeinsamen Termin für das Impfzentrum in den Messehallen erhalten – damit hatte es bislang Probleme gegeben. Zudem soll es problemlos möglich sein, dass Kinder für ihre betagten Eltern den Impftermin vereinbaren.

Allerdings sind „Zeitpunkt und Größenordnung der neuen Termine noch nicht festgelegt“, sagte Jochen Kriens, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg. Die schlechte Nachricht: Das mit 500 Impfungen pro Tag gestartete Impfzentrum in der Messe wird seine Kapazitäten nicht so schnell erhöhen können wie erhofft. Die Pläne für bis zu 7000 Dosen am Tag für die Hamburger müssen nach Informationen des Abendblatts aufgeschoben werden.

Impfzentrum: 7000 Dosen am Tag noch nicht möglich

Der fehlende Impfstoff ist nur ein Grund dafür. Wie es aus Senats- und Ärztekreisen heißt, sorgt die Impfpolitik der Bundesregierung für eine Verzögerung, die sich auf Hamburgs Pläne nachteilig auswirkt. Die Ministerpräsidenten haben gemeinsam mit der Bundeskanzlerin vorgegeben, dass bis Mitte Februar alle Alten- und Pflegeheime „durchgeimpft“ werden müssen.

In Hamburg heißt das: Etwa 40.000 Bewohner müssen von den mobilen Impfteams versorgt werden. Etwa 4000 haben die Impfung schon erhalten. In fünf Wochen jedoch den Rest zu impfen, würde bedeuten: Für das Impfzentrum und die Krankenhäuser stünden erheblich weniger Dosen zur Verfügung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Wochenende: „Wir wollen diejenigen zuerst schützen, die am verwundbarsten sind. Wenn erst einmal die Pflegebedürftigen und Ältesten geimpft sind, verliert die Pandemie einen Großteil ihres Schreckens.“ An der Reihenfolge müsse festgehalten werden.

Wie die Hamburger Impfstrategie "ausgehebelt" wird

Dass die Lage in Hamburg angespannt ist, bestätigte Walter Plassmann, der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung: „Es ist bedauerlich, dass die Bundes-Entscheidung die Hamburger Impfstrategie ausgehebelt hat. Denn sie war konservativ und vernünftig.

Wenn bis Mitte Februar zunächst alle Alten- und Pflegeheime durchgeimpft werden sollen, dann können wir den Impfstoff für die zweite Impfung nicht mehr physisch zurücklegen, wie wir es bislang geplant hatten. Jetzt müssen wir hoffen, dass die Lieferkette nicht reißt.“

Maskenpflicht in Hamburg – die Karte

Positiv ist, dass inzwischen aus einem Fläschchen mit dem Impfstoff eine Dosis mehr als gedacht herausgeholt werden kann. Doch die bislang zurückgehaltenen und vorsichtig bei minus 70 Grad Celsius an einem geheim gehaltenen Ort gelagerten Impfstoffe werden jetzt schneller aufgebraucht.

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Wie schnell in großer Zahl Termine vergeben werden können und wann die sind, scheint mit den Vorgaben des Bundes ungewisser. Denn wer die erste Impfung erhalten hat, braucht drei Wochen danach den zweiten Piks mit dem Mittel von Biontech/Pfizer.

Die KV Hamburg erklärte, die über 80-jährigen, die nicht in einem Alten- oder Pflegeheim wohnen, erhalten eine Einladung per Post. Man bitte alle Hamburger, am Montag die Corona-Impf-Hotline 116 117 nicht anzurufen.