Fotografie

Neuer Bildband: Spektakuläre Luftbilder von Hamburg

Wenn die Stadt noch im Morgendunst liegt, greift der Fotograf am liebsten zur Kamera.

Wenn die Stadt noch im Morgendunst liegt, greift der Fotograf am liebsten zur Kamera.

Ungewöhnliche Perspektiven aus dem Flugzeug: Gut 100 Stunden war Fotograf Martin Elsen dazu in der Luft.

Hamburg. Ob er ein Lieblingsmotiv hat, eine Perspektive auf Hamburg, die er in seinem neuen Bildband „Faszination Hamburg“ vielleicht am schönsten empfindet? Martin Elsen überlegt kurz und schüttelt dann bei dieser Frage den Kopf. Nein, so ein spezielles Motiv könne er eigentlich nicht nennen, sagt er. Aber ein Lieblingslicht für seine Aufnahmen, das gebe es schon. Eben diese besondere Stimmung, wenn die Stadt noch im Morgendunst liegt und darüber die ersten Sonnenstrahlen des Tages den milchigen Vorhang von oben her langsam aufweichen.

Von Bergwanderungen kennt man solche Blicke ins Tal. Oder eben aus dem Flugzeug, das neben der Kamera das Hauptwerkzeug des auf Luftbilder spezialisierten Fotografen ist. „Faszination Nordsee“ und „Faszination Ostsee“ sind vom ihm in den letzten Jahren schon erschienen. Immer mit diesem Blick aus knapp 300 Meter Höhe. Oft tauchen da schon solche Motive aus den ersten Stunden des Tages auf, wenn sein Lieblingslicht die Szenerie beherrscht. Und jetzt eben auch im neuen Hamburg-Bildband (Koehler-Verlag, 29,95 Euro).

Spannende Blicke aus ungewohnter Perspektive

Neben vielen spannenden Blicken aus ungewohnter Perspektive auf die Stadt ist es immer wieder dieses Spiel aus Licht, Farben und Dunst, das die besondere Stimmung der Aufnahmen ausmacht: Michel und Fernsehturm ragen da beispielsweise aus einem nebligen Schleier hervor, der gerade noch die Stadtkulisse schemenhaft erkennen lässt. Oder der Blick auf den Hafen bei Sonne und Gegenlicht: Containerbrücken und Windräder stechen wie dunkle Schatten aus dem gelblichen Dunst, der den mächtigen Fluss erst nach einiger Zeit zu erkennen gibt. Gut 100 Stunden war Elsen für die insgesamt 240 Seiten seines neuen Buches in der Luft.

Meist war dann Dennis Hannemann sein Pilot. Hannemann ist Berufspilot und fliegt Business-Jets, in seiner Freizeit aber auch vom kleinen Stader Sportflughafen aus mit einer Cessna oder für Elsner noch lieber mit dem Motorsegler. Mit der großen Spannweite kann dieses Flugzeug verhältnismäßig langsam mit Tempo 100 geflogen werden und sich extrem steil in die Kurven legen – ideal für Elsen. „Dennis übernimmt alles: Funk, Fliegen – und ich kann mich aufs Fotografieren konzentrieren“, sagt er. Meist arbeitet Elsen dann mit einer Nikon-Vollformatkamera und zwei Zoom-Brennweiten.

Elsen wurde bei Firmen der Region bekannt

Und er nimmt die Motive im Rohdatenformat RAW auf, sodass sie hinterher gut bearbeitet werden können. „Eine Stunde fliegen, heißt zehn Stunden Arbeit am PC“, sagt der 51-Jährige, der seit 15 Jahren als Berufsfotograf arbeitet und zuvor einen handwerklichen Beruf gelernt hatte. Als Kind schon habe er gerne fotografiert, lange blieb es ein Hobby. Doch auf seine Fotos von den eigenen Kindern oder seiner Heimatstadt Stade wurden bald andere aufmerksam. Die Stader Tourismus-Abteilung kaufte ihm etliche Motive für die eigenen Broschüren ab, Elsen wurde bei Firmen der Region bekannt, spezialisierte sich zunächst auf diese Auftragsfotografie und kam irgendwann auf die Idee, Firmengebäude auch von oben mit Hilfe des Stader Luftsportvereins aufzunehmen. „Da hat es mich erwischt“, sagt er.

Seit einigen Jahren nun schon hat er sich einen Namen als Luftbildfotograf gemacht, der besonders die norddeutschen Küstenlandschaften im Blick hat. Seine Fotos verkauft er über den eigenen Onlineshop. Vielfach statten Unternehmen ihre Büros mit großformatigen Motiven aus, aber auch Privatleute kaufen bei ihm. In den sozialen Medien ist er unterwegs und zeigt eine Auswahl seiner Bilder im eigenen You-Tube-Kanal.

80 Prozent der Aufnahmen entstanden im Corona-Jahr

Nachdem er in den letzten Jahren vor allem Land und Meer aus der Fliegerperspektive gezeigt hat, kam vor einiger Zeit die Idee für das Hamburg-Buch. „Die schönste Stadt Deutschlands und unglaublich facettenreich“, wie er sagt. Aber es kam auch das Corona-Jahr, in dem in den vergangenen Monaten gut 80 Prozent der Bilder des neuen Bandes entstanden sind. Das brachte zunächst einige ungewohnte Motive: So zum Beispiel die Alster im Sonnenlicht – nur völlig ohne Boote in Zeiten des Lockdowns. Um aber auch Hafengeburtstag oder St. Pauli-Stadion im Normalleben zeigen zu können, hat Elsen einige Aufnahmen aus 2019 hinzugenommen – die man derzeit gerade mit einiger Wehmut betrachten kann.

Das Corona-Jahr brachte aber auch zwei Vorteile für das Projekt. Zunächst ist es für Sportflieger nicht leicht hier zu fliegen, weil im Luftraum natürlich reger Flugverkehr herrscht – nur nicht in diesem Jahr. Und dann hatte aus genau dem gleichen Grund sein Pilot und Freund Hannemann mehr Zeit als sonst, weil die professionelle Fliegerei weltweit zusammengestutzt ist. Und das bot die Möglichkeit für beide, um auch einmal ganz spontan ins Flugzeug steigen zu können, weil es gerade eine Chance für Elsen Lieblingslicht gibt: Eben früh morgens an den wenigen Tagen im Jahr, wenn sich abzeichnet, dass Nebel und Sonne noch lange darum kämpfen werden, wer die nächsten Stunden beherrschen wird.

Weitere Infos: www.luftbild.fotograf.de