Ohlsdorf

Hamburg hilft dem jüdischen Friedhof mit 1,5 Millionen Euro

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Edgar S. Hasse
Andreas Dressel (v. l.), Mika Harari, Michael Werner-Boelz.

Andreas Dressel (v. l.), Mika Harari, Michael Werner-Boelz.

Foto: Roland Magunia

Der Hamburger Senat unterstützt die Sanierung der Trauerhalle und der Außenanlagen auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf.

Hamburg.  Die Türen der Trauerhalle auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf an der Ilandkoppel standen offen, als Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) eine kurze Rede hielt. „Der jüdische Friedhof ist ein herausragendes Zeugnis jüdischen Lebens, ein Geschichtsbuch, das viele Hamburger gar nicht kennen“, sagte er.

Und verkündete, dass der Senat die Sanierung und Restaurierung der Trauerhalle sowie der Außenanlage mit 1,5 Millionen Euro unterstützt. Das Geld stamme aus dem Hamburger Wirtschaftsstabilisierungsprogramm in der Corona-Krise. Weil der Bund ebenfalls bei der Sanierung hilft, stehen nunmehr 4,9 Millionen Euro bereit.

Mit der staatlichen Unterstützung für den möglichen Wiederaufbau der Bornplatz-Synagoge erhält nun eine weitere jüdische Traditionsstätte die dringend notwendige Förderung. Wie Michael Werner-Boelz, Bezirksamtsleiter Nord, in der Trauerhalle sagte, sei dieser jüdische Friedhof eine der wenigen jüdischen Religionsstätten aus dem 19. Jahrhundert in Norddeutschland, die noch heute genutzt werden. Allerdings dürfte er in den nächsten Jahren an seine Kapazitätsgrenze geraten.

Platz für 300 Gräber

Nach Gemeindeangaben gibt es dort nur noch Platz für 300 Gräber. Mika Harari, Vorsitzende der Chewra Kadischa Hamburg und Friedhofsreferentin der Jüdischen Gemeinde, hofft, dass mit den staatlichen Mitteln die Sanierung bis Mitte 2023 abgeschlossen sein kann. Der Jüdische Friedhof grenzt unmittelbar an den Ohlsdorfer Friedhof. Er umfasst 18.000 Gräber und ist noch heute nach jüdischen Riten in Gebrauch. Die ältesten Gräber stammen aus der Entstehungszeit des Friedhofs im Jahr 1883. Bestattet sind hier unter anderem einst einflussreiche jüdische Bankiers und Industrielle, ein Grabstein erinnert an Betty Heine (1771–1859), die Mutter Heinrich Heines.

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Neben der Trauerhalle befindet sich eine Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Eine frei stehende Urne mit Asche aus dem Vernichtungslager Auschwitz erinnert an die sechs Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Zum Friedhof gehören, für Juden ungewöhnlich, auch 80 Urnengräber sowie die Kriegsgräberstätte für gefallene jüdische Soldaten des Ersten Weltkrieges. Nach Angaben von Historikern handelt es sich dabei um den weltweit einzigen Soldatenfriedhof außerhalb Israels. Weil die Trauerhalle durch starke Regenfälle in den vergangenen Jahren stark beschädigt wurde, sollen zunächst diese Folgen beseitigt werden.

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