Corona-Krise

Glühweinverbot ab sofort in der ganzen Stadt

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Insa Gall und Marc Hasse
In Hamburg ist der Glühweinverkauf im Freien im gesamten Stadtgebiet verboten. (Symbolbild)

In Hamburg ist der Glühweinverkauf im Freien im gesamten Stadtgebiet verboten. (Symbolbild)

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Weitere Einschränkungen zeichnen sich in Hamburg ab. Mehr Patienten in Krankenhäusern. Schulstart nach Ferien mit Digitalunterricht?

Hamburg. Der rot-grüne Senat weitet das Verbot von Glühweinverkauf im Freien von heute an auf die ganze Stadt aus. Der Senat hat die Eindämmungsverordnung entsprechend geändert. Erst am Montag hatten die Bezirke Altona und Hamburg-Nord „den Außerhausverkauf alkoholischer Heißgetränke“ in besonders frequentierten Gebieten wie am Mühlen- und Poelchaukamp, im Schanzenviertel sowie in Ottensen untersagt. Hier hatten sich häufig Trauben von Menschen um die Stände herum gebildet. Verboten wird ab sofort nun stadtweit nicht nur der Glühweinverkauf im Freien, sondern auch die Abgabe jeglicher alkoholischen Getränke, die zum unmittelbaren Verzehr bestimmt sind, in Bechern oder Gläsern.

Auch ansonsten müssen sich die Hamburger vermutlich auf striktere Beschränkungen einstellen, besonders im Hinblick auf die Feiertage – selbst wenn es dazu vom Senat am Dienstag noch nichts Konkretes gab. Der Spielraum, den die letzte Bund-Länder-Runde bei Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Feiertage bis nach Silvester vereinbart habe, werde „eher nicht voll ausgeschöpft“ werden, sagte Senatssprecher Marcel Schweitzer am Dienstag.

Einen früheren Start der Schulferien lehnt Schulsenator Ties Rabe ab

Ob beispielsweise die vereinbarten Lockerungen über das Weihnachtsfest für weniger als zehn Tage gelten sollen, werde im Senat in den kommenden Tagen beraten. Spätestens am Dienstag nächster Woche will er einen Beschluss fassen. Man werde „eher strenger werden müssen“, so Schweitzer. Wichtig sei es aber, dass die Länder gemeinsame Regeln träfen. „Es ergibt keinen Sinn, wenn Hamburg die Geschäfte schließt, diese im Umland aber geöffnet bleiben“, so Schweitzer. Balkonkonzerte in Alten- und Pflegeheimen sind ab sofort erlaubt.

Einen früheren Start der Schulferien, der den Schülern eine längere Quarantäne vor dem Fest ermöglichen würde, lehnt Schulsenator Ties Rabe (SPD) ab. Dies sei nicht nötig, weil Hamburg mit dem letzten Schultag am 18. Dezember ohnehin früh in die Ferien starte, sagte er. Ob eine Verlängerung der Ferien sinnvoll sei, müsse im Rahmen der Kultusministerkonferenz und der Bund-Länder-Gespräche diskutiert und gemeinsam vereinbart werden. „Wenn schon, hielte ich es für sinnvoll, den Präsenzunterricht nach den Ferien zunächst einzuschränken“, so Rabe.

Besorgniserregende Entwicklung in den Kliniken

Am Dienstag meldete die Gesundheitsbehörde 281 neue Corona-Infektionen, am Dienstag der Vorwoche waren es 289 neue Fälle gewesen. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank damit leicht auf 116,8 (Vortag: 117,2). Am Donnerstag vergangener Woche war sie auf einem Tiefstand von 90,9 gesunken, danach lag die tägliche Zahl der Neuinfektionen jeweils über der der Vorwoche. Die Infektionen nehmen laut Schweitzer in allen Altersgruppen zu, vor allem bei den 20- bis 29-Jährigen und den über 70-Jährigen.

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Sorge bereite zudem weiterhin die Entwicklung in den Kliniken: Immer mehr Covid-19-Patienten müssen in Hamburger Krankenhäusern behandelt werden. Ihre Zahl stieg am Montag stark auf 401, am Freitag waren es noch 354 gewesen. 96 Patienten müssen intensivmedizinisch betreut werden, 81 von ihnen aus Hamburg. 270 der Patienten sind älter als 70 Jahre. Die Auslastung der Hamburger Normal- und Intensivstationen ist laut Gesundheitsbehörde auf dem höchsten Stand seit Beginn der Pandemie. Die Behörde bestätigte, dass es Ausbruchsgeschehen in zwei Hamburger Krankenhäusern gebe, ohne konkrete Kliniken zu nennen.

Diffuses Infektionsgeschehen

In 36 Pflegeeinrichtungen sind insgesamt 509 Bewohner infiziert. In 16 der Heime gibt es zehn oder mehr Erkrankungen. Damit ist die Zahl der Fälle in den Heimen innerhalb einer Woche um mehr als ein Drittel gestiegen. Das gebe Anlass zur Sorge, so der Senat. Auch 180 Heimmitarbeiter sind stadtweit infiziert. In Hamburg werden werktäglich im Schnitt 15.300 Tests durchgeführt, 5,7 Prozent dieser Tests sind positiv.

Das Infektionsgeschehen in der Stadt sei weiterhin diffus, einzelne Schwerpunkte oder Herde seien nicht zu benennen, sagte der Senatssprecher, ebenso wenig wie Gründe für den Anstieg der Zahlen. Nur etwa jeder vierte der 2244 neuen Fälle in der vergangenen Woche konnte einem Infektionsherd zugeordnet werden. Gestiegen ist die Zahl der Corona-Fälle in sechs der sieben Hamburger Bezirke. Nur in Harburg ging sie zurück. Die höchsten Sieben-Tage-Inzidenzwerte gab es vom 1. bis 7. Dezember in Mitte (192) und Wandsbek (130,2), danach folgen Bergedorf (115,9), Altona (107,9), Nord (86,8), Harburg (80,9) und Eimsbüttel (80,5).

Eindringlicher Appell an die Bürger

Senatssprecher Schweitzer richtete angesichts von nunmehr 425 Corona-Toten, die das Robert-Koch-Institut für Hamburg ausweist, einen eindringlichen Appell an die Bürger, die Corona-Regeln zu befolgen. „Es gibt Hamburger, die wegen des Coronavirus diese Adventszeit nicht mehr erleben dürfen“, sagte er. „Zu viele Menschen halten sich nicht an die Regeln. Deshalb: Halten Sie Abstand. Das wird doch wohl möglich sein.“

Mit den gestern bekannt gewordenen Vorschlägen der Leopoldina hat sich der Senat „noch nicht intensiv befasst“, sie wären im Rahmen neuer Bund-Länder-Gespräche zu diskutieren, so der Senatssprecher. Ob der Hamburger Senat eine neue Runde der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin vor Weihnachten für erforderlich hält, blieb offen. „Wenn die Kanzlerin einlädt, wird Hamburg dabei sein“, hieß es dazu nur.

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Zu den Unterzeichnern der Leopoldina-Stellungnahme gehört der emeritierte Hamburger Strafrechtler und Rechtsphilosoph Prof. Reinhard Merkel. Die Vorschläge für einen harten Lockdown gründen in epidemiologischen Befunden, die von den Naturwissenschaftlern in der verantwortlichen Leopoldina-Arbeitsgruppe stammen, sagt Merkel. „Nach der Einschätzung dieser Experten ist die Corona-Lage sehr ernst. Ich akzeptiere deren Urteil als fachlich kompetent und trage die Stellungnahme uneingeschränkt mit, wonach die genannten Maßnahmen am besten geeignet seien, die Pandemie jetzt zu bekämpfen.“

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