Weihnachten

Warum man bei der Post in Hamburg so lange warten muss

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Vor dem Postkiosk in Hoheluft bilden sich immer wieder lange Schlangen.

Vor dem Postkiosk in Hoheluft bilden sich immer wieder lange Schlangen.

Foto: Juliane Lauterbach / HAJ

Obwohl die Post doppelt so viele Filialen hat wie früher, gibt es lange Wartezeiten. Die wichtigsten Tipps für Postkunden.

Hamburg. Wer in diesen Tagen Briefmarken benötigt oder Pakete verschicken will, muss in der Regel Zeit mitbringen. An vielen Postfilialen und Paketshops in Hamburg reichen die Warteschlangen bis auf die Straße. In der Vorweihnachtszeit war das schon häufig so, und durch die Corona-Abstandsregelungen sind die Schlangen schnell lang. Doch warum ist das Problem an einigen Standorten in der Stadt derzeit auffallend groß?

Die Corona-Pandemie hat nicht nur Einfluss auf die Länge der Warteschlangen, sondern auch auf die Menge der Pakete. Die ist seit Beginn der Pandemie stark gestiegen. Laut Post-Sprecherin Maike Wintjen hat die Post schon im Frühjahr die Zahl der Mitarbeiter bundesweit um 4000 erhöht, weil plötzlich viel mehr Menschen online bestellten.

Post erwartet bis zu elf Millionen Pakete – pro Tag

Jetzt kamen noch einmal 10.000 weitere Mitarbeiter dazu. „Wir erwarten in den Wochen vor Weihnachten einen Anstieg an Sendungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr um rund 15 bis 20 Prozent“, so Wintjen weiter. An Spitzentagen würden bis zu elf Millionen Pakete im Post-Logistiknetz bewegt werden – an normalen Tagen im Jahr nur rund 5,5 Millionen.

Die wichtigsten Tipps für Postkunden zu Weihnachten:

  1. Pakete frühzeitig versenden, spätestens bis 19. Dezember um 12 Uhr innerhalb Deutschlands, bis zum 14. Dezember in europäische Nachbarländer, bis zum 10. Dezember in sonstige europäische Länder
  2. Briefe und Postkarten verschicken bis spätestens 22. Dezember innerhalb Deutschlands, bis zum 16. Dezember in europäische Länder, bis zum 7.1 Dezember außerhalb Europas
  3. Versandlabels als Mobile Paketmarke in der DHL Paket-App bzw. Onlinefrankierung kaufen oder im Shop der Deutschen Post. Die Mobile Paketmarke kann zu Hause, an der Packstation sowie in Filialen und Paketshops ausgedruckt werden.
  4. Für Paketempfang und -versand kann auch der kostenlose und kontaktlose Service an den mehr als 6000 DHL Packstationen genutzt werden.
  5. Die bevorzugte Filiale hat längere Wartezeiten? Der Standortfinder zeigt alle Postfilialen, Paketshops, Packstationen und Briefkästen in der Nähe an.
  6. Am besten einen Ablageort oder den Nachbarn für den Paketempfang benennen oder das Paket direkt an eine Packstation schicken lassen.

Dass die Paket-Mengen in diesen Tagen explodieren, zeigt sich praktisch überall, wo Pakete, Päckchen und Briefe angenommen werden. So etwa am XXL-Kiosk mit Poststation am Eppendorfer Weg in Hoheluft. Hier stapeln sich die Pakete bis unter die Decke. Dass Postfilialen in Kiosken, Supermärkten und Schreibwarengeschäften untergebracht sind, ist kein neues Phänomen.

Zahl der Postfilialen in Hamburg hat sich mehr als verdoppelt – auf dem Papier

Seitdem die Bundespost in den 90er-Jahren privatisiert wurde, sind aus den guten alten Postämtern Partnerfilialen geworden. Nach Angaben der Post ist die Zahl der Filialen in Hamburg in den vergangenen zehn Jahren in der Hansestadt keineswegs gesunken. Im Gegenteil: Sie habe sich mehr als verdoppelt – auf mehr als 200. Dazu kommen Paketshops (208) und Packstationen (193). Doch der Begriff „Filiale“ meint eben auch XXL-Kioske wie am Eppendorfer Weg.

Die Öffnungszeiten sind vielerorts kundenfreundlicher geworden, aber wenn der Andrang wie in diesen Wochen derartig steigt, zeigt sich auch, dass das besonders für die kleinen Filialen zu einer echten Herausforderung werden kann – oder sie auch überfordert ... Das liegt oftmals beispielsweise daran, dass das Paketlager kleiner ist oder dass die Mitarbeiter eben nicht nur Postdienstleistungen übernehmen, sondern nebenbei auch noch einen Kiosk führen.

Manchmal stehen mehr als 50 Menschen in der Post-Schlange

Beim XXL-Kiosk in Hoheluft reicht die Schlange inzwischen fast zu jeder Tageszeit bis auf die Straße. Dazu kommt, dass sowohl der Warenein- als auch -ausgang häufig durch den Verkaufsraum geht. Das war schon immer etwas anstrengend, aber nun könnte sich die Lage nochmals zuspitzen.

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Denn die nahe gelegene große Postfiliale an der Hoheluftchaussee schließt Ende des Jahres – und hat schon jetzt oft reduzierte Öffnungszeiten. Viele Anwohner fragen sich, wie der vergleichsweise kleine Kiosk das auffangen soll. „Viele Kunden beschweren sich“, sagt einer der Mitarbeiter vom XXL-Kiosk. Man habe bei der Post einen zusätzlichen Schalter beantragt. Das sei allerdings abgelehnt worden.

Endlos lang sind auch meist die Warteschlangen bei der Post im Niendorfer Tibarg Center, bei der mitunter mehr als 50 Leute anstehen – bis vor der Tür zum Einkaufszentrum. Ähnliche Berichte gibt es vom Kaltenkircher Platz und etlichen anderen Standorten.

Post bittet um Nachsicht und Geduld

„Es gibt keine Schließung, es gibt nur Veränderung“, sagt eine Sprecherin. Es passiere regelmäßig, dass ein Filial- beziehungsweise Kooperationspartner sein Geschäft aufgibt oder den Vertrag mit der Post kündigt. So geschehen eben auch im Fall an der Hoheluftchaussee, wo der Kooperationspartner Postbank den Betrieb nun einstellt.

Wichtig zu wissen ist: Anders als die Postbank hat die Post eine Vorhaltungspflicht. Das heißt, dass geregelt ist, dass auf eine bestimmte Zahl Einwohner eine bestimmte Zahl von Postfilialen kommen muss. Ein definiertes Minimum darf also nicht unterschritten werden und das werde es auch nicht, wie die Sprecherin versichert: „Auch die Filialpartner der Post sind gewappnet und werden souverän den Starkverkehr meistern, so wie sie es übrigens schon das gesamte Jahr unter den besonderen Bedingungen machen.“ Und so bittet die Post um etwas Nachsicht und Geduld.