Protestaktion

„Fridays for Goofy“: Tierschützer planen Demos in Hamburg

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Um Goofy aus Volksdorf ist ein heftiger Streit entbrannt.

Um Goofy aus Volksdorf ist ein heftiger Streit entbrannt.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Kampagne gegen Unterbringung im Museumsdorf. Schüler kümmern sich in Projekt um artgerechte Haltung des Ochsen.

Hamburg.  Der Streit um die Zukunft des Ochsen Goofy aus dem Hamburger Museumsdorf Volksdorf wird zur Schlammschlacht: Nachdem das Rind auf Druck von Tierschützern als Teil eines Schulprojektes nicht geschlachtet wird und stattdessen als Zugochse im Museumsdorf bleiben soll, fordern Tierschützer jetzt die Herausgabe von Goofy und planen Proteste. Außerdem wird dem Museumsdorf Tierquälerei unterstellt.

Unter dem Motto „Fridays for Goofy“ kündigt der bayerische Erdlingshof vom 11. Dezember an wöchentliche Demonstrationen in Volksdorf an. Zusätzlich würden Guerilla-Marketing-Kampagnen für Goofy stattfinden. Auf der Homepage des Erdlingshofes heißt es: „Überraschende, unkonventionelle und eindrucksvolle Protestformen, die Volksdorf in den nächsten Wochen und Monaten ganz sicher nicht zur Ruhe kommen lassen werden.“ An diesen Demos wird sich auch der Hamburger Tierschutzverein (HTV) beteiligen.

Hamburger Tierschutzverein wirft dem Museumsdorf nun Tierquälerei vor

Die Tierschützer kämpfen darum, dass Goofy auf einem sogenannten Lebenshof weiterlebt. Sowohl der Erdlingshof als auch Hof Butenhof möchten das Tier aufnehmen. Der Erdlingshof „hilft Erdenbewohnern, die der ,Nutztier‘-Haltung zum Opfer gefallen sind, und gibt ihnen ein sicheres Zuhause“, so steht es auf der Homepage des Vereins.

Der Hamburger Tierschutzverein wirft dem Museumsdorf nun Tierquälerei vor. „Uns liegt eine Zeugenaussage vor, dass im Museumsdorf Volksdorf mindestens ein Tier brutal misshandelt wurde“, sagt Jens Schmidt vom HTV-Vorstand. Eine Frau habe angegeben, dass dem Tier mit einem Strick ins Gesicht geschlagen wurde. „Der Fall wurde uns am 4. Dezember 2019 gemeldet, und wir haben ihn sogleich an das zuständige Veterinäramt Wandsbek weitergegeben“, so HTV-Tierschutzberaterin Nicole Hartmann.

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Und warum erst jetzt der Schritt an die Öffentlichkeit, ein Jahr danach? „Unsere Mitarbeiterin erinnerte sich an den Fall. In Absprache mit dem Erdlingshof machen wir unsere Erkenntnisse nun öffentlich“, so Jens Schmidt. Darum ging es nach Abendblatt-Informationen konkret: Ein Rind war an einem Strick geführt worden. Als Erziehungsmaßnahme gab es wohl mit dem Ende des Stricks eins übers Maul. Dies sei auch eine Sicherheitsmaßnahme für den Menschen gewesen. Denn so ein Ochse kann bis zu einer Tonne wiegen.

Mit dem Strick geschlagen? Bezirksamt bestätigt die einmalige Beobachtung

Das zuständige Bezirksamt Wandsbek bestätigt, dass dem Veterinäramt im Dezember 2019 die einmalige Beobachtung einer schlechten Behandlung eines Rindes im Museumsdorf Volksdorf gemeldet wurde. „Die Befragung des uns als sachkundig bekannten Tierhalters führte aber zu keinen weiteren Maßnahmen seitens des Veterinäramtes“, so Bezirksamtssprecher Jacob Löwenstrom. „Trotzdem hat der Tierhalter mitgeteilt, dass er seine Mitarbeiter nochmals zum Umgang mit Rindern unterwiesen hat.

Außer dieser Meldung sind dem Bezirksamt keine weiteren Beobachtungen mit Bezug zum Museumsdorf, das durch seine Öffentlichkeit unter dauerhafter Beobachtung steht, gemeldet worden. Die Tierhaltung des Museumsdorfs wurde in 2018 und 2019 durch Amtsveterinäre kontrolliert. Beanstandungen hat es nicht gegeben. Die Tiere werden artgerecht mit Artgenossen gehalten.“

Schüler hatten Kalb vor der Schlachtung gerettet und Projekt daraus gemacht

Wie berichtet, hatten Schüler des Walddörfer Gymnasiums in Volksdorf das Stierkalb nach einer Klassenfahrt im Zillertal vor der Schlachtung gerettet und daraus in Kooperation mit dem Harderhof des Museumsdorfes ein Schulprojekt gemacht. Dabei ging es unter anderem darum, sich mit der Haltung und Schlachtung von Nutztieren auseinanderzusetzen.

Schulleiter Jürgen Solf stellt klar: „Die artgerechte Nutztierhaltung und die Auseinandersetzung mit der Frage, was Fleischkonsum bedeutet, sind durch die Schülerinitiative als Inhalt des Projekts gewachsen. Nicht die heftige Diskussion um die Nutztierhaltung, sondern die bevormundende und aggressive Art des Verurteilens hat dieses Projekt beendet. Dies ärgert mich, weil den Schülern Lernerfahrungen zur eigenen Urteilsfindung weggenommen werden. Am Ende stehen die Enttäuschung und der Ärger über das erzwungene Ende eines selbst initiierten Projekts!“

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