Schulprojekt

Stier Goofy: Tierschützer attackieren Hamburger Schüler

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Kalb Goofy ( ein Schulprojekt) soll nun doch nicht geschlachtet werden. Foto auf einer Wiese im Museumsdorf Volksdorf. lok, Foto:Andreas Laible / Funke Foto Services

Kalb Goofy ( ein Schulprojekt) soll nun doch nicht geschlachtet werden. Foto auf einer Wiese im Museumsdorf Volksdorf. lok, Foto:Andreas Laible / Funke Foto Services

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Eine Klasse des Walddörfer Gymnasiums hatte das Kalb im Rahmen eines Projekts aufgezogen – nun sollte das Tier geschlachtet werden.

Hamburg.  Nach massivem Druck von Tierschützern und einem Shitstorm in den sozialen Medien wird ein Schülerprojekt am Walddörfer Gymnasium (WDG) nun abgebrochen: Die Schüler hatten ein Kalb eineinhalb Jahre im landwirtschaftlichen Betrieb des Volksdorfer Museumsdorfes versorgt. Teil des intensiven Projektes war von Anfang an die Schlachtung des Tieres Anfang kommenden Jahres. Gegen die Schlachtung waren Tierschützer vorgegangen. Nun soll der Stier als Zugochse bleiben können.

Tierschützer planten Guerilla-Kampagnen mit „überraschenden, unkonventionellen und eindrucksvollen Protestformen, die Volksdorf in den nächsten Wochen und Monaten ganz sicher nicht zur Ruhe kommen lassen werden“, heißt es auf der Homepage des Erdlinghofes in Bayern, der Nutztieren ein neues Zuhause gibt.

Schlachtung von Goofy: Massive Anfeindung im Netz

Andere Tierschutzorganisationen hatten ebenfalls gegen die geplante Schlachtung protestiert, außerdem gibt es die Onlinepetition „Goofy soll leben – Schlachtung aus pädagogischen Gründen?“ Am Montagvormittag hatten mehr als 17.400 Menschen unterschrieben. Die Tierrechtsorganisation Peta appellierte in einem Schreiben an die Schulleitung, sich dafür einzusetzen, dass Goofy auf einen Lebenshof gebracht wird.

Und in den sozialen Medien brach ein Sturm über die Schule herein mit persönlichen Beleidigungen. Da schreibt eine Frau etwa über Schulleiter Jürgen Solf auf Facebook: „Der Gute trauert zutiefst um sein Steak (...). Lehrer repräsentieren den gesellschaftlichen Durchschnitt. Und der hat Tiere zum Fressen gern.“

"Goofy bleibt am Leben" – nun soll er Zugochse werden

Um die Jugendlichen zu schützen, beschlossen Schulleitung und das Museumsdorf Volksdorf das Ende des Projektes. Sie teilten mit: „Der öffentliche Druck durch Kampagnen und eine Überflutung durch Mails wurde so groß, dass die Schule und das Museumsdorf Volksdorf den pädagogischen Schutzraum für die betroffenen Schülerinnen und Schüler nicht mehr gewährleisten können. Massive Verurteilungen und Anfeindungen lassen keinen Raum mehr für eine fruchtbare und kontroverse Auseinandersetzung innerhalb des Projekts. Das Projekt wird daher vorzeitig beendet, auch unter dem Protest des Museumsdorfes Volksdorf, das das Projekt wie vereinbart gerne zu Ende führen wollte.“

Jürgen Solf: „Goofy bleibt am Leben und wird auf dem Museumsdorf Volksdorf zu einem Zugochsen umgeschult. Für die Schülerinnen und Schüler der mittlerweile 10. Klasse bleibt auch der Abbruch des Projekts eine herausfordernde Bildungsaufgabe, bei der nicht nur die Diskussion um Tierhaltung und Fleischkonsum, sondern auch die Erfahrung mit Medien und sozialen Netzwerken für kritische Erkenntnisse sorgen wird.“

Goofy diente den Kindern als Beispiel für Tierhaltung

Teil des Projektes war der gesellschaftskritische Anspruch, hinter die Kulissen der Landwirtschaft zu schauen. „Wir haben hier die einmalige Chance, unserem Fleisch ins Gesicht zu gucken“, hatten die Schüler dem Abendblatt gesagt. Die Geschichte von Stier Goofy und der Klasse 10c des Walddörfer Gymnasiums (WDG) begann im Sommer vor zwei Jahren auf Klassenfahrt im österreichischen Zillertal. Schüler waren bei der Geburt des Stieres dabei und wollten ihn vor der Schlachtung retten.

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Sie setzten sich durch, gaben ihm den Namen Goofy und brachten ihn nach Hamburg. Von der Idee, das Kalb vor der Schlachtung zu retten, mussten die Schüler ablassen. Die Vorgabe des Museumsdorfes war: Der Schlachtung entkommt Goofy nicht. Die Schüler hatten zugestimmt. Goofy dient den Zehntklässlern als Beispiel für Tierhaltung. Auf dem Lehrplan standen Themen wie Tierhaltung und Tierethik. Ging es in der achten Klasse um die Geburt, drehte sich im vergangenen Schuljahr alles um Aufzucht und Haltung und jetzt um Schlachtung und Verwertung. Egbert Läufer, Museumsdorfsleiter: „Das Projekt hat Sinn gemacht. Wer langfristig Dinge ändern möchte, muss an die Jugendlichen ran.“ Und einige Schüler seien dadurch Vegetarier geworden.

Finanzsenator unterstützt das Projekt Goofy

Unterstützung bekommt das Projekt auch von Hamburgs Finanzsenator An­dreas Dressel (SPD): „Den Shitstorm haben weder das Museumsdorf Volksdorf noch das Walddörfer Gymnasium verdient, die tolle Arbeit machen.“ Ein Vater, dessen Sohn in der „Goofy“-Klasse ist, schreibt: „Tolle Lehrer, die mit diesem Projekt ins Risiko gegangen sind, um unseren Kindern Tiere, Ernährung, Ethik näherzubringen. Ich war als Vegetarier nie der Meinung, dass es sinnvoll ist, Goofy schlachten zu lassen, aber ich kann andere Meinungen respektieren.“

Dass Goofy weiterlebt, genügt den Tierschützern nicht. „Goofy soll in die lebenslange Sklaverei abgeschoben werden. Damit wird klar, dass nichts hinter diesem Schulprojekt stand, schon gar kein pädagogisches Konzept. Denn sonst hätte man einsehen können, dass kritisches Hinterfragen des Fleischkonsums und des Umgangs mit Tieren auch möglich ist, ohne dass jemand dafür sterben muss“, schreibt Hof Butenland auf seiner Homepage.

„Wir sehen Goofys Sicherheit nicht gewährleistet, wenn er in die Obhut der Institution übergeben werden soll, die sich für seine Tötung einsetzte. Wir gehen davon aus, dass ihm auch dort nach einigen Jahren als Zugochse die Tötung droht“, so der Hamburger Tierschutzverein von 1841

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