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Peggy Parnass ist für den Bau einer kleinen Synagoge

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Peter Ulrich Meyer
Die Hamburger Autorin Peggy Parnass in ihrer Wohnung in St Georg. Sie kannte noch die alte Bornplatzsynagoge. Ihre Eltern wurden im Konzentrationslager Treblinka ermordet.

Die Hamburger Autorin Peggy Parnass in ihrer Wohnung in St Georg. Sie kannte noch die alte Bornplatzsynagoge. Ihre Eltern wurden im Konzentrationslager Treblinka ermordet.

Foto: Marcelo Hernandez

Die prominente Autorin lehnt den Wiederaufbau der von den Nazis zerstörten Bornplatzsynagoge ab: "Zu groß, zu üppig und zu kalt.“

Hamburg. Peggy Parnass, Kind jüdischer Eltern, die im Konzentrationslager Treblinka ermordet wurden, steht dem Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge ablehnend gegenüber. „Das Gebäude ist mir zu groß, zu üppig und zu kalt“, sagt die Autorin, Gerichtsreporterin und Schauspielerin, seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Hamburger Kulturszene, im Gespräch mit dem Abendblatt.

„Ich bin heute wahrscheinlich eine der wenigen in Hamburg, die noch die alte Bornplatzsynagoge kennengelernt haben“, sagt Parnass. Sie sei als Kind mit ihren Eltern ein paarmal dort gewesen, obwohl die Familie eigentlich die Reformsynagoge besuchte. Der Joseph-Carlebach-Platz, wie der Bornplatz heute heißt, sei aber kein schlechter Platz für eine Synagoge. „Wenn schon ein Neubau, dann wünsche ich mir eine kleine, kuschelige Synagoge, in der man sich zu Hause fühlen kann“, sagt Parnass. Bei einem Besuch in Prag sei sie von der Altneu-Synagoge in der Josefstadt fasziniert gewesen. Der gotische Bau aus dem 13. Jahrhundert ist die älteste unzerstört erhaltene Synagoge in Europa.

Bornplatzsynagoge: Machbarkeitsstudie kommt 2021

Wie berichtet, hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages in der vergangenen Woche die Finanzierung des Bundesanteils für den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge gesichert. Die Kosten, die sich der Bund und Hamburg je zur Hälfte teilen, werden auf 130 Millionen Euro taxiert. Allerdings fehlt noch eine Machbarkeitsstudie, mit deren Ergebnissen 2021 gerechnet wird.

Die 1906 eingeweihte Bornplatz­synagoge im Grindelviertel war einst die größte und frei stehende Synagoge im norddeutschen Raum. Während der Novemberpogrome 1938 schändeten die Nationalsozialisten das Gotteshaus und setzten es in Brand. Ein Jahr später wurde die Jüdische Gemeinde gezwungen, das Grundstück zu einem geringen Preis zu verkaufen und die Kosten für den Abriss der Synagoge selbst zu tragen.

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Am 12. Februar dieses Jahres beschloss die Bürgerschaft einstimmig den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge. „Was die Frauenkirche für Dresden wurde, kann die Bornplatzsynagoge für Hamburg und Deutschland werden. Kein Gebäude kann Antisemitismus bekämpfen, aber die Bornplatzsynagoge kann Vergangenheit mit Zukunft verbinden“, sagte Daniel Sheffer, Initiator der Kampagne „Nein zu Antisemitismus. Ja zur Bornplatzsynagoge.“

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