Hamburger Hafen

Köhlbrandbrücke stundenlang besetzt – Staatsschutz ermittelt

Polizisten nehmen einen der illegalen Köhlbrandbrücken-Besetzer für kurze Zeit in Gewahrsam.

Polizisten nehmen einen der illegalen Köhlbrandbrücken-Besetzer für kurze Zeit in Gewahrsam.

Foto: Bodo Marks/dpa

Black Friday: Stundenlanger Protest im Hafen gegen vermeintlichen Konsumkult. Extinction Rebellion kündigt weitere Aktion an.

Hamburg. Aktivisten der radikalen Umweltschutzgruppe Extinction Rebellion haben am Freitag die Hamburger Köhlbrandbrücke besetzt und damit eine stundenlange Vollsperrung provoziert. Die Polizei hat die festgeketteten Personen mit einem technischen Gerät gelöst. Nun ermittelt der Staatsschutz, denn die Versammlung war nicht angemeldet. Zwischenzeitlich wurden mehrere Personen in Gewahrsam genommen.

Extinction Rebellion: 30 Aktivisten besetzen die Köhlbrandbrücke

Alles begann am Vormittag gegen 10 Uhr, als sich laut Polizeiangaben 70 Personen am Fuß der östlichen Auffahrt zur Köhlbrandbrücke versammelten. Davon gingen 30 Protestierer auf die Brücke und brachten somit den Verkehr zum Erliegen. Zehn von ihnen ketteten sich zudem auf dem Scheitelpunkt der Brücke im Bereich der Mittelleitplanke fest. Die am Fuß der Auffahrt zur Brücke zurückgebliebenen Personen blockierten die Zufahrt und zeigten verschiedene Banner.

Fortan staute es sich auf den Zufahrten. Auch der Busverkehr war betroffen. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an und teilte über Twitter mit, dass Autofahrer den Bereich in unmittelbarer Nähe der Autobahn A7 und des Elbtunnels meiden sollten. Eine Warnung, die allerdings nicht alle Betroffenen erreichte, denn es staute sich immer mehr mit zunehmender Dauer der illegalen Protestaktion. Auch die Hadag-Fähren, die nach Waltershof fuhren, mussten zwischenzeitlich umgeleitet werden.

Köhlbrandbrücke: Sechs Stunden voll gesperrt

Ein Versammlungsleiter soll sich den Polizisten nicht zu erkennen gegeben haben. Nach Angaben der Polizei wurden der Versuch eines Kooperationsgesprächs und das Angebot eines alternativen Versammlungsorts vonseiten der Köhlbrandbrücken-Besetzer nicht angenommen. Daraufhin begann der Prozess der Auflösungsverfügung. Die Beamten lösten die Menschenkette auf und sorgten dafür, dass sich auch die Blockierer der Zufahrt entfernten. Eine spontane Sitzblockade wurde ebenfalls aufgelöst.

Die Köhlbrandbrücke war bis 16.10 Uhr, also rund sechs Stunden, voll gesperrt. Bei dem Einsatz wurden zwei Polizisten verletzt, als mehrere Aktivisten zu Beginn die Absperrung der Beamten missachteten und sich an ihnen vorbeigedrängt hatten. Einer von ihnen (48) war wegen einer Knieverletzung nicht mehr arbeitsfähig. Außerdem erlitt eine Demonstrantin eine leichte Handverletzung.

Der Staatsschutz ermittelt nun unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Köhlbrandbrücke für Extinction Rebellion ein symbolischer Ort

Wie die Umweltaktivisten mitteilten, stehe die Aktion im Zusammenhang mit dem "Black Friday". Der Schnäppchenjäger- und Großeinkaufstag wird von Umweltschützern mit einem höheren CO2-Ausstoß durch erheblich gesteigerten Warentransport in Zusammenhang gebracht.

Bei den Aktivisten hieß es: Es gehe um eine Blockade "der Industrie", die für die Klimakrise verantwortlich sei. Dazu seien symbolische Orte ausgewählt worden. Extinction Rebellion hatte den Hamburger Senat aufgefordert, den Klimanotfall offiziell auszurufen.

In einer bundesweiten Aktion hatten sich am Freitag Umweltaktivisten von Autobahnbrücken abgeseilt. Im Norden war die A7 bei Schuby betroffen.