Urteil in Hamburg

Tödlicher Unfall: BMW-Raser kommt mit Bewährungsstrafe davon

| Lesedauer: 5 Minuten
Bettina Mittelacher
In dem BMW, der auf der Sievekingsallee in Hamburg verunglückt ist, saßen vier Männer. Ein 21-Jähriger starb. Sein Cousin wurde nun verurteilt.

In dem BMW, der auf der Sievekingsallee in Hamburg verunglückt ist, saßen vier Männer. Ein 21-Jähriger starb. Sein Cousin wurde nun verurteilt.

Foto: Michael Arning

21-Jähriger starb nach Unfall auf der Sievekingsallee. Nun wurde sein Cousin verurteilt – als "unbelehrbarer, unreifer Raser".

Hamburg. Sie fuhren schnell. Viel zu schnell. Und am Ende bezahlte es ein junger Mann mit seinem Leben. Der 21-Jährige starb in den Trümmern eines PS-strotzenden BMW, der mit einem noch stärker motorisierten Audi kollidiert war – mitten in Hamburg, auf der viel befahrenen Sievekingsallee. War der Unfalltod des Beifahrers Folge eines illegalen Autorennens?

Nein, sagt jetzt das Gericht, vor dem sich die beiden an dem Crash beteiligten Männer verantworten mussten. Doch so viel ist klar: Wäre niemand in jener verhängnisvollen Nacht in halsbrecherischem Tempo unterwegs gewesen, würde das Opfer noch leben.

BMW-Fahrer zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt

Das Landgericht verurteilt den Fahrer des BMW, Macsun I., nun wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Darüber hinaus wird dem 23-Jährigen für vier Jahre der Führerschein entzogen. Den zweiten Mann, den 20 Jahre alten Aicut R., spricht das Gericht frei. Mit dem Freispruch folgt die Kammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Für Mascun I. hatte die Anklagebehörde zwei Jahre und zehn Monate Haft gefordert.

„Das war kein tragisches Unglück“, verdeutlicht der Vorsitzende in Anspielung darauf, wie der Angeklagte Macsun I. den Unfalltod seines Beifahrers genannt hatte. Ein tragisches Unglück sei etwas, für das niemand die Schuld trage, erklärt der Richter.

"Sie sind verantwortlich für den Tod eines jungen Menschen"

„Sie aber“, so der Vorsitzende zum 23-Jährigen, „sind verantwortlich für den Tod eines jungen Menschen.“ Es habe sich das „Risiko des verantwortungslosen Rasens realisiert“. Bei einer so hohen Geschwindigkeit reiche schon eine kleine Unachtsamkeit, um schwerste Folgen zu verursachen.

Der Verstorbene ist der Cousin von Macsun I., ein Mann, von dem der Angeklagte im Prozess gesagt hatte, er habe ihm so nahe gestanden „wie ein Bruder. Wir waren immer zusammen. Alles war gut. Alles war schön.“ Bis zu jener Nacht des 13. Oktober vergangenen Jahres, in der Macsun I. mit seinem 235-PS-BMW und einem Tempo von mindestens 84 mit dem mit einem 335-PS-Motor ausgestatteten Audi seines Bekannten Aicut R. kollidierte, ins Schleudern geriet und gegen einen Baum prallte.

Rettungskräfte brauchten beinahe anderthalb Stunden, um den lebensgefährlich verletzten Beifahrer aus dem Wrack des BMW zu befreien. Der 21-Jährige erlag acht Tage später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Sievekingsallee glich in der Unfallnacht einem Trümmerfeld

Wie die Beweisaufnahme im Prozess ergab, hatte Macsun I. auf der Sievekingsallee ohne zu blinken die Spur gewechselt und dabei den Audi von Aicut R. touchiert. Beide Wagen gerieten außer Kontrolle. Der am Unfall beteiligte Audi krachte danach in eine Reihe geparkter Wagen. Insgesamt glich die Sievekingsallee in jener Nacht einem Trümmerfeld. Bei dem Crash wurden außerdem Macsun I. sowie drei weitere Männer zum Teil schwer verletzt.

Die Anklage hatte den beiden Autofahrern noch ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen vorgeworfen, bei dem es ihnen darauf angekommen sei, „schneller zu sein als der andere und den jeweils anderen zu übertrumpfen“. Dabei hätten sie die Gefahr für Leib und Leben anderer erkannt, so die Vorwürfe weiter.

Dass die Männer ein illegales Autorennen fuhren, sei indes nicht nachzuweisen gewesen, sagt der Vorsitzende Richter. Zwar seien der 23-Jährige und sein drei Jahre jüngerer Kumpel Aicut R., die zusammen mit weiteren Bekannten in jener Nacht zu einer Shisha-Bar fahren wollten, über die Sievekingsallee „gerast“, der eine mit mindestens Tempo 104, der andere mit wenigstens 84 Kilometer pro Stunde.

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Angeklagter habe kein Verständnis für das Leid der Eltern gezeigt

Aber es habe nicht einmal festgestellt werden können, dass es zwischen den Angeklagten überhaupt einen Überholvorgang gegeben habe. Aicut R. wird freigesprochen, weil nicht nachzuweisen sei, dass dessen viel zu schnelles Fahren ursächlich für den tödlichen Unfall war. Ein Sachverständiger hatte erläutert, dass es auch dann zu dem Crash gekommen wäre, wenn der 20-Jährige Tempo 50 gefahren wäre.

Zugute gehalten wird Mascun I. vom Gericht, dass er zumindest ein Teilgeständnis abgelegt und glaubhaft sein Bedauern über den Tod seines Cousins zum Ausdruck gebracht hatte. Er hatte wiederholt beteuert, dass er einen „großen Verlust erlitten“ habe. Allerdings, so der Vorsitzende, habe der 23-Jährige im letzten Wort vor allem „Selbstmitleid kultiviert“, aber kein Verständnis für das Leid der Eltern des Getöteten gezeigt.

"Sie sind ein unbelehrbarer, unreifer Raser"

Mit gebeugten Köpfen haben die Mutter und der Vater des 21-Jährigen die Urteilsverkündung verfolgt. Ihnen soll der Angeklagte 3000 Euro zahlen — „auch wenn das in keinster Weise das Leid der Eltern ausgleicht“, so der Richter. Strafschärfend wertet die Kammer, dass der Angeklagte bereits wegen Rasens aufgefallen war.

Die Einziehung des Führerscheins für vier Jahre sei geboten, sagt der Vorsitzende an die Adresse von Macsun I. „Sie sind ein unbelehrbarer, unreifer Raser, der eine Gefahr für alle Teilnehmer im Straßenverkehr darstellt.“

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