Corona-Krise

Worauf das Alstertal-Einkaufszentrum in der Krise stolz ist

Weihnachtsstimmung im AEZ: Center-Managerin Ludmila Brendel steht in der festlich geschmückten Passage.

Weihnachtsstimmung im AEZ: Center-Managerin Ludmila Brendel steht in der festlich geschmückten Passage.

Foto: Thorsten Ahlf

Das größte Shoppingcenter Norddeutschlands wollte in diesem Jahr eigentlich 50. Geburtstag feiern. Wie sich das AEZ nun aufstellt.

Hamburg.  Eigentlich hätte das Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ) in diesem Monat viel Grund zum Feiern. Denn das Shoppingcenter ist am 5. November vor 50 Jahren eröffnet worden. Zahlreiche Aktionen für die Kunden waren geplant, natürlich hätte es auch Events rund um das Jubiläum gegeben und ein großes Gewinnspiel. Doch dann kam Corona, und im AEZ weist in diesen Tagen nichts auf den runden Geburtstag hin.

Aber zumindest die opulente Weihnachtsbeleuchtung inklusive der elf Meter hohen Tanne in der lichtdurchfluteten Passage vermittelt ein wenig Normalität. „Wir hoffen natürlich, dass wir den 50. Geburtstag im nächsten Jahr nachholen und gebührend feiern können. Aber seit März befinden wir uns in einer Ausnahmesituation, die sich nun durch den Lockdown light nicht gerade entspannt hat“, sagt Center-Managerin Ludmila Brendel beim Ortstermin mit dem Abendblatt. Die Diplom-Ökonomin arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten für die Hamburger ECE-Gruppe, zu deren Portfolio auch das AEZ gehört. Die Aufgabe von Brendel und ihrem rund 20-köpfigen-Team ist es jetzt, „für die Kunden das Einkaufen trotz der coronabedingten Vorschriften so angenehm wie möglich zu gestalten und natürlich unsere Händler hier im AEZ bestmöglich zu betreuen“.

Desinfektionsmittel für Besucher an den Eingängen

Mit seinen rund 59.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 240 Shops sowie Gastronomiemietern ist das AEZ das größte Einkaufszentrum in Norddeutschland und eines der traditionsreichsten. Das alles anders ist als vor Corona, wird bereits am Eingang deutlich. An den Glastüren wird auf Aufklebern auf Abstand, Maskenpflicht und Verzehrverbot im AEZ hingewiesen. An den Eingängen steht Desinfektionsmittel für die Besucher bereit. Auch im Center sind die Corona-Regeln allgegenwärtig.

Auf Bodenmarkierungen wird auf den Mindestabstand von 1,50 Metern hingewiesen. An jedem Geschäft hängt ein Zettel, auf dem die Höchstzahl der Personen eingetragen ist, die sich gleichzeitig in dem Laden aufhalten dürfen. Das AEZ verfügt über viele Loungebereiche, zurzeit sind die meisten Sitzgelegenheiten abgebaut oder abgesperrt. „Wir wollen, dass die Kunden zum Einkaufen kommen, aber in Zeiten dieser Pandemie nicht zum langen Verweilen einladen. Deshalb verzichten wir bis auf Weiteres auf Events, wie unser beliebtes Late Night Shopping mit prominenten Gästen, die Publikum anziehen“, so Brendel.

Umfangreiches Hygienekonzept

Das AEZ hat ein umfangreiches Hygienekonzept ausgearbeitet. Dazu gehört, dass jede Stunde die häufig genutzten „Touchpoints“ wie Türgriffe, die Handläufe der Rolltreppen und Aufzugsknöpfe gereinigt werden. Ein Sicherheitsdienst kontrolliert, dass die Vorschriften eingehalten werden. „Wir haben sehr verständnisvolle Kunden, und wir beobachten kaum Verstöße gegen die Regeln“, sagt Brendel.

Seit dem 2. November gilt der zweite Lockdown in Deutschland. Anders als beim ersten Lockdown im März und April­ darf der Einzelhandel komplett geöffnet bleiben. Das AEZ legt auch Wert darauf, dass die einheitlichen Öffnungszeiten von Montag bis Sonnabend von 9.30 bis 20 Uhr – die Gourmet-Markthalle öffnet bereits um 8.30 Uhr und am Sonnabend ab 8 Uhr – eingehalten werden, auch wenn es in der Lockdown-Phase zu Abweichungen kommen kann.

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Die Leidtragenden sind die Gastronomen in der Passage, die natürlich auch ihre Sitzbereiche in der Gourmet-Markthalle abgesperrt haben und nur noch „Außer-Haus-Verkauf“ anbieten dürfen. Einige Restaurants haben komplett geschlossen. In der Vor-Corona-Zeit hatte das AEZ im Durchschnitt rund 39.000 Besucher am Tag, aktuell sind es etwa zehn bis 15 Prozent weniger. „Das AEZ hat sehr viele treue Stammkunden. Und die lassen sich trotz aller Einschränkungen ihren Einkauf nicht nehmen. Aufgrund unserer Lage weitab von der Innenstadt spüren wir auch nicht die Touristen, die momentan den Einkaufspassagen in der City fehlen“, sagt Brendel. Seit Monaten werden zahlreiche Gespräche mit den rund 240 Mietern geführt.

AEZ ist in der Krise stolz auf seine Händler

Dabei geht es natürlich um die Miete. Denn es ist kein Geheimnis, dass auch die Händler im AEZ durch Corona Umsatzeinbußen kompensieren müssen, die je nach Branche unterschiedlich hoch sind. „Wir suchen gemeinsam mit den Mietern nach individuellen Lösungen, und wir sind wirklich stolz darauf, dass wir bislang keine Händler haben, die im Zuge von Corona aufgegeben haben.“ Aber was da in den nächsten Monaten an Geschäftsaufgaben noch kommt, kann auch die Center-Managerin nicht abschätzen. Zumindest die Edel-Boutique von Liz Malraux im AEZ schließt voraussichtlich im April 2021. „Räumungsverkauf“ steht auf dem Schaufenster. Die Designerin macht die fehlenden Umsätze wegen Corona dafür verantwortlich.

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Aber es gibt auch neue Mieter. So haben in den vergangenen Monaten zwei Modegeschäfte, ein Optiker und ein Schuhladen sowie ein auf Wohnaccessoires spezialisierter Anbieter eröffnet. Anfang Dezember wird ein Blumengeschäft eine Fläche beziehen, und zwei weitere Betreiber im Bereich Genuss und Gastronomie wollen auch bis Ende des Jahres in dem Einkaufszentrum eröffnen.

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