Verkehr

Streik! Heute fahren keine U-Bahnen und Busse in Hamburg

Die Gewerkschaft Ver.di ruft Beschäftigte der Hamburger Hochbahn und der VHH am Sonnabend zum Warnstreik auf (Archivbild).

Die Gewerkschaft Ver.di ruft Beschäftigte der Hamburger Hochbahn und der VHH am Sonnabend zum Warnstreik auf (Archivbild).

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Warnstreik am Sonnabend hat um 3 Uhr begonnen. Hochbahn warnt vor Einschränkungen. Kein Notbetrieb wegen Corona.

Hamburg. Wer am 1. Adventssonnabend in Hamburg Bus und U-Bahn nutzen möchte, um etwa Weihnachtseinkäufe in der Innenstadt zu erledigen, muss sich eine Alternative überlegen: Denn seit 3 Uhr heute Morgen fahren in Hamburg keine U-Bahnen und Busse. Die Gewerkschaft Ver.di hatte erneut zu einem Warnstreik aufgerufen.

"In den frühen Morgenstunden hat der Einsatzstab der Hamburger Hochbahn die Lage um den von Ver.di angekündigten 24-Stunden-Streik analysiert und daraufhin entschieden, den Betrieb mit Bussen und U-Bahnen für den heutigen Tag nicht aufzunehmen", teilte die Hochbahn am Sonnabendmorgen mit. Vom Streik betroffen sind alle Hochbahn-Buslinien und alle vier U-Bahn-Linien.

Keine Busse und U-Bahnen – wegen Corona auch kein Notbetrieb

Auch die Beschäftigten der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) sollen laut Ver.di von Betriebsbeginn bis Betriebsschluss ihre Arbeit niederlegen. Deshalb gibt es auch im Busbetrieb in Hamburg und im Umland erhebliche Einschränkungen – vor allem im VHH-Gebiet in den Kreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Nicht betroffen von Streikmaßnahmen sind die S-Bahn und die Regionalbahnen.

Wegen der Corona-Pandemie verzichtet die Hochbahn auf einen Notbetrieb. "Angesichts der aktuell nach wie vor hohen Infektionszahlen gilt es aus Sicht des Einsatzstabes zu vermeiden, dass sich Fahrgäste mit der Hoffnung auf ein vermeintliches Verkehrsangebot in wenige, überfüllte Fahrzeuge zwängen", teilte die Hochbahn dazu mit. "Auch ein eingeschränkter Notbetrieb würde hier keine Lösung bieten."

Hamburger Hochbahn bei Twitter:

Warnstreik in Hamburg: Für die Hochbahn unbegreiflich

Für die Hochbahn ist der Streik "absolut unverständlich". Das Unternehmen habe Ver.di nach vier Verhandlungsrunden ohne echte Annäherung den Vorschlag für ein Schlichtungsverfahren unterbreitet. "Dass das nun mit einem Streik beantwortet wird, ist für uns unbegreiflich – gerade in der aktuellen Lage", sagte Claudia Güsken, Hochbahn-Vorständin für Personal und Betrieb, bereits Mitte der Woche.

Klares Ziel sei es, den Tarifkonflikt möglichst noch vor Weihnachten beizulegen", heißt es in einer Mitteilung vom Sonnabend. "Dies wäre gerade für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein wichtiges Zeichen für Sicherheit und Stabilität zum Ende eines durch Corona außergewöhnlich belastenden Jahres."

Ver.di zum Warnstreik in Hamburg: Nervig, aber das letzte Mittel

Ver.di treffe mit dem Streik am ersten Adventswochenende insbesondere auch den innerstädtischen Einzelhandel – deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenfalls durch ver.di vertreten werden.

„Selbstverständlich wissen die Kolleginnen und Kollegen, dass dieser Streik die von Corona ohnehin gebeutelte Innenstadt trifft", sagt Gabriel Riesner, Gewerkschaftssekretär für den ÖPNV bei Ver.di Hamburg. "Leider haben ihnen die Arbeitgeber aber keine andere Wahl gelassen."

Riesner räumt ein, dass Streiks nervig seien: "Sie führen zu Verspätungen und Unannehmlichkeiten. Sie sind aber auch das letzte Mittel in einem Kampf, der sich ebenso um die Sicherheit der Fahrgäste dreht." Denn nur gesunde, ausgeruhte Beschäftigte sorgten für einen sicheren Nahverkehr.

Gewerkschaft fordert ein "verhandlungsfähiges Angebot"

Als Grund für den geplanten Warnstreik nannte Ver.di gescheiterte Verhandlungen. "Nachdem die Geschäftsführung der Hochbahn in der vierten Verhandlungsrunde am 18. November die Verhandlungen für gescheitert erklärt hatte und die drei Verhandlungen mit der VHH auch keinen Fortschritt gebracht haben, ist dieser Schritt unumgänglich geworden", heißt es in einer Mitteilung.

Ziel sei es, endlich ein "verhandlungsfähiges Angebot" vorgelegt zu bekommen. Dieses soll vor allem auf die Forderungen nach Entlastung der Beschäftigten als Kompensation für die anstrengende Schichtarbeit eingehen.

Fahrpreise steigen, Beschäftigten sollen zurückstecken

Die Linken-Bürgerschaftsfraktion unterstützt die Forderungen der Beschäftigten. Diese seien berechtigt“, sagt David Stoop, gewerkschaftspolitischer Sprecher der Linken-Fraktion. „Der HVV erhöht jedes Jahr fleißig die Fahrpreise und auch die Vorstandsgehälter sind seit 2016 um satte 22 Prozent angehoben worden – und jetzt werden ausgerechnet diejenigen zur Bescheidenheit aufgefordert, die für den Puls der Stadt sorgen? Das ist unverschämt!"

Die Forderung nach weniger Belastung sei zudem auch eine Frage der Sicherheit. "Denn Arbeitszeiten von bis zu zehn Stunden täglich gefährden nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern bringen auch andere Verkehrsteilnehmer/innen in Gefahr", so Stoop. "Daran festzuhalten ist absolut unverantwortlich.“

Warnstreik: Hochbahn informiert über Social-Media-Kanäle

Wegen des Warnstreiks haben Hochbahn und VHH Einsatzstäbe eingerichtet, die "die notwendigen betrieblichen Entscheidungen treffen" und die Fahrgastinformation steuern. Zudem stehen diese im direkten Austausch mit dem HVV und den anderen Verkehrsunternehmen. Über aktuelle Einschränkungen informiert die Hochbahn über die hvv-App, ihre Social-Media-Kanäle (Twitter und Facebook) sowie auf ihren Fahrgastanzeigen und mit Durchsagen in den Bussen und Zügen sowie auf den Haltestellen.

Wissenswertes zu den U-Bahn-Linien in Hamburg:

  • In Hamburg fahren aktuell vier U-Bahnlinien: Die U1, U2, U3 und U4
  • Das Streckennetz umfasst 93 Stationen
  • Trotz ihres Namens fährt die U-Bahn in Hamburg nur auf 45 von 106 Kilometern Streckenlänge unterirdisch
  • Am Wochenende verkehrt die U-Bahn rund um die Uhr
  • Unter der Woche verkehren zwischen etwa 1 Uhr und 4 Uhr keine Züge
  • Die Hamburger U-Bahn ist nach Berlin die zweitälteste in Deutschland
  • Das U-Bahn-System wurde 1912 in Betrieb genommen
  • Wahrscheinlich 2021 soll der Bau der neuen U-Bahn-Linie U5 beginnen

Forderung von Ver.di: Ökologische und arbeitspolitische Wende im ÖPNV

„Die Geschäftsführungen von Hochbahn und VHH verweisen auf die Politik, die ihnen die Hände gebunden habe", sagt Natale Fontana, Landesfachbereichsleiter Verkehr bei Ver.di Hamburg. Seiner Ansicht nach seien nun Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) gefragt. "Sie müssen den Weg freimachen für eine bedarfsgerechte Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs in Hamburg", fordert Fontana.

Auch Sieglinde Frieß, Vize-Landesleiterin von Ver.di Hamburg kritisiert, dass der Hamburger Senat nach wie vor keine Verantwortung übernehme. "Legen Sie verfehlten Ausgliederungen und die unökologische Verkehrspolitik ad acta!", sagt Frieß. Eine gut ausgebaute Daseinsvorsorge müsse das Gebot der Stunde sein. Ihr Appell: "Herr Tjarks, Herr Dressel, vielleicht gerade wegen Corona haben Sie jetzt die Chance, eine ökologische und arbeitspolitische Wende im ÖPNV herbeizuführen."