Hamburg

Corona-Verstöße an Schulen – Polizei fährt gezielt Streife

Masken und Jacken prägen derzeit den Schulunterricht.

Masken und Jacken prägen derzeit den Schulunterricht.

Foto: Matthias Balk / dpa

Mehr Infektionen: Inzidenz steigt – Hamburger Senat rät von Skireisen ab. Keine Verlängerung der Weihnachtsferien geplant.

Hamburg. Um die Zahl der Corona-Ansteckungen bei den rund 256.000 Hamburger Schülern zu reduzieren, soll die Polizei künftig verstärkt im Umfeld von Schulen kontrollieren. Hintergrund ist die Annahme, dass es auf dem Schulweg, also vor Beginn oder nach Ende des Unterrichts, verstärkt zu Infektionen kommt – weil Schüler dann häufiger keine Masken tragen und die Hygiene- und Abstandsregeln nicht einhalten.

Nach Abendblatt-Informationen hat die Schulbehörde eine Art „schwarze Liste“ der Schulen erstellt, deren Umfeld die Polizei besonders unter die Lupe nehmen soll. Grundschulen sind davon bisher ausgenommen.

Die Corona-Pandemie beschert Hamburg indessen weiterhin ein Wechselbad der Gefühle: Nach fünf Tagen mit leicht zurückgehenden Zahlen gab es am Montag mal wieder einen Dämpfer: Mit 237 Neuinfektionen wurden deutlich mehr Fälle registriert als am Montag zuvor (185). Die Sieben-Tage-Inzidenz, die angibt, wie viele Ansteckungen mit dem Coronavirus es pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gab, stieg dadurch wieder von 130,6 auf 133,4.

Infektionsgeschehen geht nur sehr langsam zurück

In den Krankenhäusern der Stadt werden unverändert 320 Covid-19-Patienten behandelt, von denen 89 auf einer Intensivstation liegen. Diese Daten wurden jedoch seit Freitag nicht aktualisiert – aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Wochen muss daher befürchtet werden, dass sie inzwischen weiter gestiegen sind. Für die Zahl der Todesfälle gilt Ähnliches. Sie wird nur unregelmäßig aktualisiert (wenn Obduktionsergebnisse vorliegen) und liegt seit einer Woche unverändert bei 281.

Da das Infektionsgeschehen nur sehr langsam zurückgeht, rät die Gesundheitsbehörde den Hamburgern bereits jetzt dazu, im kommenden Jahr auf die Skiferien zu verzichten. „Wir müssen alle in der aktuellen Situation Reisen einfach zurückstellen“, sagt deren Sprecher Martin Helfrich. Grundsätzlich gehe es in den kommenden Monaten darum, genau abzuwägen, ob eine Reise wirklich stattfinden müsse oder nicht. „Der eine oder andere Besuch bei Verwandten ist dabei sicherlich erforderlich.

Hamburger ziehen ihre Buchungen zurück

Zumindest nach Abwägung aller Risiken.“ Aber Reisen, die ausschließlich dem touristischen Zwecke dienten, seien es eher nicht. „Wir müssen uns bei jeder Reise fragen, ist sie sinnvoll, ist sie wirklich erforderlich und wie groß ist das Infektionsrisiko, das durch sie entsteht?“, so Helfrich. Leider sei die Zeit dieser Einschränkungen noch nicht vorbei. „Und auch zu den Skiferien im März wird das mit Sicherheit noch so sein.“

Tatsächlich haben bereits Hamburger ihre Buchungen zurückgezogen. „Wir haben einige Stornierungen“, sagt beispielsweise Marco Pointner, Geschäftsführer der Saalfelden Leogang Touristik Gmbh. Dazu gebe es aktuell nur wenige Neubuchungen. „Man kann sagen, dass wir ein Nachfrageproblem haben“, so der Vertreter einer der größten Skiregionen in Österreich. Das sei auch nicht verwunderlich, schließlich könne und wolle derzeit keiner lange im Voraus planen.

Corona an Hamburgs Schulen - Senator berichtet über die Lage

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Das erlebt auch die Skiregion Serfaus-Fiss-Ladis. „Die Menschen sind verunsichert“, sagt Josef Schirgi, Geschäftsführer vom dortigen Tourismusverband. Viele würden stornieren, die aktuellen Stornobedingungen abfragen oder nach der geleisteten Anzahlung fragen. Die Stammgäste hätten bereits nicht selten den Urlaub um ein Jahr verschoben. „Das wird ein ganz kurzfristiges Geschäft werden, wenn es überhaupt eins wird“, so der Vertreter der bei Hamburgern so beliebten Skiregion. „Wir blicken mit wachsender Besorgnis auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft. Im Moment rechne ich für die Saison mit einem Minus von 50 bis 70 Prozent.“

Skigebiete investieren viel in Hygienemaßnahmen

Und Andreas Steibl, Geschäftsführer des Tourismusverbands Paznaun-Ischgl ergänzt: „Die aktuelle Situation verlangt uns vieles ab, da wir keine Planungssicherheit haben.“ Die Skiregionen versuchen derzeit, so gut es irgend geht, sich auf das veränderte Reiseverhalten der Touristen einzustellen. Da sind zum einen die geänderten Stornobedingungen. „Wir legen unseren Hotels nahe, eine 48-Stunden-Regel vorzugeben“, sagt Pointner aus Saalfelden Leogang. Das hieße dann, dass die Gäste bis 48 Stunden vor Anreise problemlos mit einem triftigen Grund wie einer Erkrankung den Urlaub absagen können.

Dabei investieren die Skigebiete viel in Hygienemaßnahmen: So wird in der Region Saalfelden Leogang extra Personal eingestellt, das auf die Abstände an den Skiliften achten und die Einhaltung der Maskenpflicht kontrollieren soll. Alle Mitarbeiter aus der Branche sollen außerdem mindestens einmal in der Woche getestet werden. Dazu soll es mehr Skibusse geben. Auch Ischgl-Sprecher Steibl versichert, dass man alles daransetze, „unseren Gästen ein maximal sicheres und entspanntes Urlaubserlebnis zu ermöglichen“. Der Ort hatte zu Beginn der Pandemie als Corona-Hotspot für Negativschlagzeilen gesorgt.

Impfungen in den Hamburger Messehallen

Sofern einer oder mehrere der vielversprechenden Corona-Impfstoffe bis dahin eine Zulassung erhält, könnten ab Mitte D​ezember auch Hamburger in dem geplanten Zentrum in den Messehallen geimpft werden. Konkrete Details dazu gibt es bislang nicht – laut Sozialbehörde soll jedoch noch in dieser Woche ein genaueres Konzept erarbeitet werden. Die Hamburg Messe bestätigt bislang nur Gespräche mit der Stadt. Die Kassenärztliche Vereinigung wird voraussichtlich in das Impfzentrum eingebunden sein, kommentiert den Stand der Überlegungen bislang jedoch ebenfalls nicht.

Unterdessen sollen Infektionen im Umfeld der Hamburger Schulen jetzt auch durch Polizeikontrollen verringert werden. An 33 von der Schulbehörde ausgewählten Schulstandorten soll die Polizei Jugendliche künftig verstärkt vor oder nach dem Unterricht auf die Abstandsregeln hinweisen, wenn dies nötig ist.

Es sind dies:

  • Altona: Max-Brauer-Schule und Stadtteilschule (STS) Altona.
  • Bergedorf: STS Richard-Linde-Weg, STS und Gymnasium Lohbrügge, Gretel-Bergmann-Schule.
  • Eimsbüttel: Julius-Leber-Schule, Ida-Ehre-Schule, STS Stellingen.
  • Harburg: Lessing STS und Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, Goethe-Schule Harburg, STS Fischbek-Falkenberg.
  • Mitte: STS Finkenwerder und das Gymnasium, STS Hamburg-Mitte.
  • Nord: STS Winterhude, STS Forsmannstraße, STS Eppendorf.
  • Wandsbek: Erich-Kästner-Schule, Gymnasium Osterbek, STS Bramfeld, Johannes-Brahms-Gymnasium, STS Walddörfer und Walddörfer-Gymnasium, STS Oldenfelde und Gymnasium Oldenfelde, STS Altrahlstedt, Gymnasium Ohlstedt, Gymnasium Grootmoor, STS Bergstedt, STS Poppenbüttel.
  • Außerdem: Rudolf-Steiner-Schule Harburg, die FlachslandZukunftsschule Alsterpalais in Ohlsdorf, das Jenisch-Gymnasium in Nienstedten und die Moderne Schule in Groß Borstel.

Eine Verlängerung der Weihnachtsferien zur Pandemiebekämpfung, wie sie in anderen Bundesländern geplant ist, soll es in Hamburg laut Schulbehörde nach derzeitigem Stand nicht geben.

Unterdessen haben Senat, der Handelsverband HDE und der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA an gewerbliche Vermieter appelliert, ihren Mietern in der Krise entgegenzukommen. „Beide Mietparteien sitzen in einem Boot und müssen sich über eine faire Risiko- und Lastenverteilung in der Krise einigen“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Möglichkeiten seien eine Stundung oder Senkung von Mieten oder aber eine Ratenzahlung ausstehender Mieten.

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„Bei der Gewerbevermietung ist in diesem Jahr besondere Fairness gefragt“, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). „Viele Vermieter haben sich hierbei auf ihre Mieter zubewegt, denn auch sie wissen, dass Kündigung und Leerstand keine gute Alternative in der Krisenbewältigung sind – wir haben als öffentliche Hand versucht, mit gutem Beispiel voranzugehen.“ Bis Ende September hätten öffentliche Vermieter auf Basis von rund 1100 Anträgen 29,4 Millionen Euro gestundet. Forderungen in Höhe von 5,4 Millionen Euro (bei 137 Anträgen) seien erlassen worden.

„Die Pandemie und die Digitalisierung stellen den stationären Einzelhandel, insbesondere in der Innenstadt, vor eine seiner größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte“, sagte der Präsident des Handelsverbands Nord, An­dreas Bartmann. „Eine der Situation angepasste und künftig flexiblere Miete kann hier eine große Hilfe sein.“

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